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Buch „Supermütter“

23.11.2017

Was tun, wenn das Kind Schimpfwörter benutzt?

In einem neuen Erziehungsratgeber geben unsere Redakteurinnen Doris Wegner und Stefanie Wirsching Tipps aus der Praxis.
Bild: Michael Kanert

Was tun, wenn das Kind Schimpfwörter benutzt? Das ist eine von 101 Fragen, auf die Expertinnen des Alltags in einem neuen Erziehungsratgeber Antwort geben.

Wie geht das eigentlich mit dem Erziehen? Expertentipps gibt es viele, für diesen etwas anderen Ratgeber haben unsere Redakteurinnen Doris Wegner und Stefanie Wirsching aber ausschließlich die befragt, die den Job vor allem machen: Mütter!

101 Fragen rund ums Thema Erziehung: Wann muss ich meinem Kind den Schnuller wegnehmen? Wie bleibt es im eigenen Bett? Was soll ich über Terror erzählen? Und was mache ich, wenn mein Kind die Verkäuferin auf ihren Damenbart hinweist? Über 300 müttergetestete Lösungen für den Alltag mit Kindern im Alter von drei bis zwölf. Wir stellen in vier Folgen Auszüge aus dem Buch „Supermütter“ vor.

Mein Kind kennt unschöne Worte und Gesten

Im der Hollywood-Komödie lacht man darüber: Wie der süße Fratz dem missmutigen Nachbarn den Mittelfinger entgegenstreckt. In der Realität versinkt man genau in diesem Moment in tiefste Scham und überlegt sich, ob sich so ein Umzug in ein anderes Viertel vielleicht noch am gleichen Tag bewerkstelligen lässt. Wo Ihr Kind das gelernt hat? Egal. Nun aber kann es verschiedene unschöne Gesten und Kraftworte jederzeit effektvoll einsetzen, auch wenn ihm nicht ganz klar ist, was er da seiner Umwelt mitteilt. Und Sie sollen ihm das nun erklären? Bitte nicht! Oder etwa bitte doch?

Ines, Bankkauffrau, ein Sohn (5), eine Tochter (9): Meine Kinder sind gut informiert. Alter, geil, Sch... da können sie gut mitreden. Ich thematisiere es nicht groß. Ich versuche den tollen Wörtern die Attraktion zu nehmen, in dem ich sie die Kinder ganz oft sagen lasse. Zu Hause wohl gemerkt. Nach zehn Mal „Scheiße“ sagen, gibt es großes Gelächter und die Sache ist (mehr oder weniger) vorbei. Meine Tochter hat mir einmal erzählt, dass sie sich im Ärger „Arschloch“ denkt, es aber niemals zu demjenigen sagen würde. Das finde ich verständlicherweise beruhigend. Momentan ist grad „Assi“ bei uns angesagt. Das schnappen die Kinder auf und wissen gar nicht, was es bedeutet. Ich erkläre es ihnen dann. In diesem Fall eben den Unterschied zwischen sozial und asozial, damit sie wenigstens die eigentliche Bedeutung des Wortes kennen, das sie so locker benützen. Ich habe den Eindruck, wenn wir auf diese Weise darüber reden, verlieren diese Wörter ein wenig ihre magische Anziehungskraft. Eine Freundin schickt ihre Tochter zum Mundauswaschen, wenn diese das Wort „Scheiße“ sagt. Ganz ehrlich, was soll das denn bringen?

Lexa, Sekretärin, zwei Töchter (34, 26), drei Söhne (32, 29, 9):Mein Sohn, das weiß ich, kennt alle V..., F... und Sch...-Wörter. Schon im Kindergarten hat er mich gefragt, was ein Mixer ist, hat allerdings das nah verwandte W-Wort gemeint. In der zweiten Klasse ist es dann richtig massiv geworden. Ich habe ihm erklärt, dass das keine schönen Worte sind und ich es nicht gut finde, sie zu benützen. Und ich habe ihn gefragt, ob er möchte, dass man mit diesen Ausdrücken über ihn redet. Das hat er verstanden. Zumindest bei uns zu Hause klappt die Schimpfwort-Vermeidungsstrategie ganz gut. (...). Ich bin aber auch überzeugt, dass er auf dem Schulhof nicht auf diese Ausdrücke verzichtet. Aber dann weiß er immerhin, dass man nicht überall alles sagen darf.

Darf ich das fremde Kind erziehen?

Natürlich sind alle Freunde immer willkommen. Aber dürfen sie sich eigentlich auch alles erlauben? Schmatzen, rülpsen, angeben, nerven … nur mal so, als kleine Auswahl. Ist Fremderziehen eigentlich erlaubt? Oder ist das eine Grenzüberschreitung?

Jasmin, Ärztin, Tochter (8), ein Sohn (10): Also wenn die Freunde meiner Kinder auf unserem Sofa herumhüpfen, sage ich natürlich schon etwas. Was bei uns verboten ist, gilt auch für andere. In unserem Haus! Wenn wir aber woanders sind, und die Eltern dabei sind und sich nicht dafür interessieren, was ihr Kind tut, halte ich schön die Klappe und denke mir meinen Teil, was mir nicht immer leicht fällt. Aber realistisch ist doch: Bei den Kindern wird sich durch meinen Kommentar nichts ändern, und voraussichtlich habe ich danach auch noch Krach mit deren Eltern. Nein, wenn es nicht funktioniert, mache ich halt nur noch etwas ohne Kinder aus.

Margret, Ärztin, eine Tochter (7), zwei Söhne (9 und 24): Ich nehme es mir heraus, sobald ein fremdes Kind bei uns ist und ich es notwendig finde. Ich sage sogar etwas, wenn dessen Eltern dabei sind. Wenn die mich dann erstaunt anblicken, dann kann ich das begründen. Meine Kinder etwa essen am Tisch und nicht im Laufen, das erwarte ich von anderen Kindern auch. Das finde ich ganz wichtig. Im Haus habe ich zu 150 Prozent die umgefallen Becher wegzuwischen und ich muss überall Kekskrümel weg saugen oder Erdbeermarmelade aus dem Boden kratzen. Den Eltern sage ich das dann auch so: „Mein Kind, darf das nicht, deshalb dürfen eure Kinder das bei uns auch nicht.“ Wie soll mein Kind sonst die Verbote bei uns zu Hause halten, wenn ich bei anderen nicht einschreite. Das wäre inkonsequent. In meinem Zuhause sehe ich mich anderen Eltern auch nicht in der Erklärungspflicht. Wenn die das nicht akzeptieren, ist mir das letztendlich auch egal.

Doris Wegner, Stefanie Wirsching: Supermütter. Der etwas andere Ratgeber. 101 Erziehungsfragen und endlich ehrliche Antworten aus der Mütter-Trickkiste. 211 Seiten, 14,95 Euro. Erhältlich bei allen Servicepartnern unserer Zeitung, im Onlineshop unter augsburger-allgemeine.de/shop sowie unter der telefonischen Bestellhotline (08 21) 7 77 44 44.

Über mehr Tipps und Anregungen per Email freuen sich die Autorinnen unter supermuetter@augsburger-allgemeine.de

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