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Wein
13.12.2018

Warum der Blaufränkische wieder im Trend ist

Der österreichische Rotweinwinzer Uwe Schiefer baut im Südburgenland gleich sechs verschiedene Blaufränkisch-Spitzeneeine an und gilt inzwischen als Vorbild vieler junger Winzer.
Foto: Schiefer

Der Wein ist weder blau noch fränkisch und in Deutschland heißt der rote Österreicher Lemberger. Doch sein Potential reicht bis ganz oben an die Spitze.

Der Blick auf die österreichische Abteilung der Weinkarte im Restaurant erweckt in vielen Fällen große Freude: Da begleitet der Grüne Veltliner aus der Wachau, dem Kamptal oder dem Weinviertel die Forelle, das Backhendl, das Wiener Schnitzel, aber auch anspruchsvollere Hervorbringungen der rot-weiß-roten Küche. Der knusprige Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark amalgamiert mit Ziegenkäse und gebratenem Meeresfisch, ganz zu schweigen vom extraktreichen Zierfandler aus der Thermenregion und dem hoch interessanten Gemischten Satz aus Wien. Beim Rotwein allerdings wird die Sache schwieriger.

Blaufränkisch geeignet zu Wildgeflügel, Leber oder Schwertfisch

Der „Held des Alltags“ ist ohne Zweifel der Zweigelt. Samtig kommt er daher mit viel kirschiger Frucht und fast ohne Gerbstoffe. So wanzt er sich an viele Gerichte heran, ohne allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu können. Dem Pinot Noir, der in der Alpenrepublik auch auf die Namen Blau- oder Spätburgunder hört, ist es in Österreichs bevorzugter Rotwein-Region, dem Burgenland, oft schon zu warm. Wäre da noch der kapriziöse Sankt Laurent, der Winzer wie Trinker vor zu große Herausforderungen im Wein-Alltag stellt.

Zwischen allen Stühlen sitzen, und das darf man positiv bewerten, die Weine aus der Rebsorte Blaufränkisch: Burgundisch filigran können sie sein und dabei sind sie doch fleischig mit einem definierten Profil, das die Art des Ausbaus dieser Trauben klar erkennen lässt. Weine aus dieser Rebsorte können diese unnachahmliche Widersprüchlichkeit zwischen Seidigkeit, Floralität und ausgeprägter Würze liefern.

Er ist kein Solo-Tänzer, der am Kaminfeuer glänzt, dafür fehlt ihm die Wucht. Der Blaufränkisch fragt nach der Speisekarte, er ist ein kulinarischer Wein. Einer, der ein reizvolles Duett mit kurz gebratenem Schwertfisch eingehen kann, aber auch mit Wildgeflügel und mit Innereien aller Art, aber vor allem mit Leber. Dass es der Blaufränkisch bislang nicht auf ein stabiles Podest in der Weinwelt geschafft hat und immer noch unterschätzt wird trotz allen Potenzials, liegt an den unterschiedlichen Ansätzen der Winzer, mit dieser Rebsorte umzugehen. Eine Stilfrage sozusagen. Ein Wein – zwei Stile also. Kraft versus Transparenz. So kann man die divergierenden Ansichten beschreiben, wie ein idealer Blaufränkisch zu sein hat.

Erfolgsgeschichte des Weins begann im Mittelburgenland und Anbaugebiet Carnuntum

Begonnen hat die positive Entwicklung dieser Weine am Ende der achtziger Jahre mit einer Machart, welche die Weine aus dem Bordelais zum Vorbild hat: kraftvolle Tropfen mit ordentlich Holz, gerne aus dem neuen kleinen Barrique-Fass (225 Liter) und den entsprechenden Röstnoten. Vertreter dieser international orientierten Richtung wie die Weingüter Gsellmann und Triebaumer findet man im Mittelburgenland und im Anbaugebiet Carnuntum nahe Wien. Die jüngere Schule bevorzugt eine Machart, die sich durch Transparenz und Eleganz auszeichnet und in die Richtung der großen Pinot Noirs aus dem Burgund zeigt.

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Uwe Schiefer erschafft gleich sechs verschiedene Weine aus dieser Traube im Südburgenland. Er sieht den Korridor für einen großen Blaufränkisch als eng an: „Diese Rebsorte kann fürchterlich rustikal oder auch fett werden, wenn man nicht aufpasst im Weinberg. Auch im Keller kannst du noch alles versauen. Manche Winzer verstehen den Blaufränkisch einfach nicht.“

Winzer Schiefer holt aus dieser Traube eine ausgeprägte Frucht, feines Tannin und Langlebigkeit. Schon sein Einstiegstropfen „Eisenberg“ glänzt mit festem Körper, wenig Alkohol und definierter Säure, die nach dem nächsten Schluck ruft. Das Südburgenland darf man übrigens als wahren Geheimtipp für Weinreisende bezeichnen: keine zwingenden Sehenswürdigkeiten, ambitionierte Winzer jenseits des Mainstreams und zivile Preise.

Agentur-Chefin Dorli Muhr hat sich dem Blaufränkischen verschrieben

Einigermaßen verrückt ist die Geschichte von Dorli Muhr. Im Hauptberuf führt sie eine der weltweit wichtigsten Marketing-Agenturen für dieses Getränk. „Wine and Partners“ mit Sitz in Wien berät die ganz großen Marken in der Weinwelt. Da kreisen Namen wie Haut-Brion, Opus One oder Grange. Ihre eigene große Liebe, man ahnt es, gilt eben dem Blaufränkisch und das hat familiäre Gründe: „Von meiner Oma habe ich in den frühen neunziger Jahren 0,17 Hektar in der Lage Spitzerberg bekommen und ich hätte um ein Haar Zweigelt gepflanzt, wenn mich nicht ein Freund davon abgehalten hätte“, erzählt Muhr.

Und so entstand auf dem kleinen Gewann im Ausmaß eines besseren Schrebergartens im Anbaugebiet Carnuntum ein Wein mit Kraft und Balance. Dunkel im Glas mit Aromen nach Cassis und Brombeeren und einer vibrierenden Säure. Mittlerweile bewirtschaftet Muhr 30 Kleinstparzellen. Zusammen ergeben sie gerade einmal eine Fläche von zwölf Hektar. „Jeder dieser Blaufränkisch ist ein anderer Wein“, erzählt sie und benennt ein weiteres Argument für die Sorte: „Sie ist ein perfektes Tool, um Herkunft, Klima und Boden auszudrücken.“

Anbau auch in Rumänien, Slowakei, Tschechien und Kroatien

Die Qualitäten dieser Traube sind auch in anderen Regionen bekannt: Zu den Anbauländern zählen Rumänien, die Slowakei, Tschechien und Kroatien. Nach Ungarn mit 8000 Hektar ist Österreich der zweitgrößte Produzent von Blaufränkisch. Und das mit der definitiv höchsten Qualität. Das kontinentale Klima mit kühlen Nächten und trockenen Sommern mag diese Rebsorte, deren dicke Beerenhaut auch mal Wetter-Kapriolen aushalten kann.

Auch in Deutschland geht es aufwärts mit dieser Rebsorte. Im Gegensatz zum allgemeinen Rotwein-Trend, der nach unten zeigt, legte sie seit dem Jahr 2006 um zwölf Prozent zu auf 1860 Hektar. Den Löwenanteil daran hat Württemberg mit 1714 Hektar Fläche. Hansjörg und Matthias Aldinger bauen dort, nahe Stuttgart, auf Keuper- und Sandsteinböden insgesamt drei verschiedene Weine an. Vater Gert hatte sich im Jahr 1986 an den Anbau dieser Rebsorte gewagt.

Problem der Rebsorte ist die fehlende Wiedererkennbarkeit

Allerdings fiel die Eigenschaft dieser Traube, als Verschnittpartner weichen und gerbstoffarmen Weinen Struktur zu verleihen, ihm und anderen Winzern ins Kreuz: „Wir in Württemberg haben den Lemberger viel zu lange als Turbolader für den Trollinger hergenommen, das hat dem Ruf der Rebsorte nicht gutgetan.“ Der falsche Einsatz als Verschnittpartner im Keller, die auseinanderdriftenden Stilistiken haben den ganz großen Erfolg bislang verhindert. Und die nicht vorhandene Wiedererkennbarkeit: In Deutschland hört der Blaufränkisch auf den Namen Lemberger. Eine Rebsorte, zwei Namen. Jedem Marketingfachmann würden die Haare zu Berge stehen.

Aber warum heißt der Blaufränkisch eigentlich nun Blaufränkisch? Die plausibelste Erklärung ist wohl, dass die Farbe junger Rotweine ins Bläuliche geht. Einfache Rebsorten wurden in früheren Zeiten als „hunnische“ bezeichnet und die höheren Qualitäten als „fränkische“. Mittelalterliches Marketing also bei einem Rotwein für Fortgeschrittene fernab von jeder internationalen Mode.

Unsere Empfehlungen: 2014 Eisenberg, Weingut Uwe Schiefer, Alpina Wein, 15,70 Euro. 2016 vom Lehm, Weingut Gesellmann, 14,90 Euro. 2015 Moric Reserve, Weingut Moric, Dallmayr, 35 Euro. 2016 Fellbacher Lämmler GG, Weingut Aldinger, 33,90 Euro. 2012 Spitzerberg, Weingut Muhr-Van der Niepoort. Walter & Sohn, 44,50 Euro.

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