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Experten-Tipps

18.05.2018

Welche Geldanlage lohnt sich für Sparer noch?

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Wer sein Geld nicht nur sicher verwahren, sondern auch vervielfachen möchte, kommt mit einem Sparstrumpf nicht weit. Wie wäre es mit einem Aktienfonds? Oder einem Mischfonds?
Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Es gibt etliche Möglichkeiten, das Ersparte zu investieren. Welcher Fonds der richtige ist und wo die größten Risiken lauern, verraten unsere Experten.

Wohin mit dem Geld in Niedrigzinszeiten? Das fragen sich viele Bundesbürger und lassen es erst einmal auf Girokonto, Sparbuch oder als Festgeld liegen. Dass es durchaus Alternativen auf dem Börsenmarkt gibt, mit denen man nicht sein ganzes Geld aufs Spiel setzen muss, darum ging es in unserer aktuellen Lesertelefonaktion. Die Finanzexperten Wolfgang Raab vom deutschen Fondsverband BVI, Michael Baumeister vom Kapitalforum Schwaben/Allgäu und Peter Klipp von der Stiftung Warentest/Finanztest beantworteten dazu die Fragen unserer Leser. Hier folgt eine Auswahl:

Wie funktioniert das Prinzip eines ETF?

Bei Exchange Traded Funds (ETF) handelt es sich um Investmentfonds, die in der Regel einen Börsenindex passiv nachbilden – also nicht aktiv gemanagt werden. Wählen Sie beispielsweise einen ETF, der den Dax oder den MSCI World nachbildet, so wird dieser immer so gut sein wie Dax oder MSCI World, allerdings auch nicht besser. Ein ETF entwickelt sich immer so wie sein zugrunde liegender Index. Wie bei jedem Börsenprodukt gibt es auch hier Kursschwankungen. Da kaum Aufwendungen für das Management anfallen, ist ein ETF kostengünstig.

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Wird ein ETF steuerlich anders behandelt als ein Aktienfonds?

Nein, aus steuerlicher Sicht gibt es keine Unterschiede.

Wäre für unseren Enkel ein Sparplan mit einem ETF-Fonds empfehlenswert? Wir wollen das Risiko möglichst gering halten.

Eine Möglichkeit wäre ein ETF, der den MSCI World abbildet. Hier sind mehr als 1600 Aktien aus 23 Industrieländern abgebildet. Somit ist das Risiko breitgestreut. So ein ETF ist bereits ab 25 Euro monatlich zu haben. Außerdem ist er flexibel, sodass Sie auch die Summe erhöhen können. In den zurückliegenden Jahren waren zwischen sechs und acht Prozent Rendite pro Jahr möglich.

Ich möchte für meinen Enkel ein Sparbuch anlegen und langfristig für ihn sparen. Geht das?

Generell können Anlageentscheidungen für die Kinder nur die Eltern treffen und umsetzen. Wir raten derzeit von der Besparung eines Sparbuches ab. Denn bei einer Verzinsung von etwa 0,1 Prozent und einer Teuerungsrate von 1,6 Prozent verlieren Sie während der Ansparphase Geld. Wenn Sie langfristig Geld anlegen wollen, empfiehlt sich ein Aktienfondssparplan.

Ist es ratsam, jetzt in eine Immobilie zu investieren?

Eine Immobilie ist so wie Gold und Aktien ein klassischer Sachwert. Entscheidend bei einer Immobilie ist erstens die Lage. Sie sollten sich das Angebot unter diesem Aspekt genau anschauen. Möglich sind Renditen von drei Prozent pro Jahr. Sie sollten auch daran denken, dass eine Immobilie verwaltet werden muss, dass es Ärger mit Mietern geben könnte und dass Ihr Geld erst einmal feststeckt und nicht für andere Dinge verwendet werden kann. Ein offener Immobilienfonds kann Ihnen so etwas abnehmen.

Ich will für meinen Enkel einen Fondssparplan mit monatlich 100 Euro anlegen. Was ist, wenn ich nur noch 50 Euro einzahlen kann?

Das ist kein Problem, Fondssparpläne sind flexibel. Die Einzahlsumme kann jederzeit erhöht, verringert oder ganz ausgesetzt werden. Außerdem gibt es keine vorgegebene Laufzeit und das Kapital bleibt jederzeit frei verfügbar.

Mir wurde ein offener Immobilienfonds als Beimischung zum Depot empfohlen. Was muss ich beachten?

Es gibt eine Ersthaltefrist von zwei Jahren und eine Kündigungsfrist von einem Jahr. Die Kündigung kann bereits während der Haltefrist ausgesprochen werden. Wegen der Kosten ist es keine kurzfristige Anlage. Sie sollten sie wenigstens fünf Jahre halten. Die Rendite bei offenen Immobilienfonds lag in der Vergangenheit über zehn Jahre bei zwei bis drei Prozent jährlich.

Wo liegen die Risiken bei einem geschlossenen Fonds?

Sie gehen damit eine unternehmerische Beteiligung ein. Geschlossene Fonds werden für ein bestimmtes Projekt – für Schiffscontainer oder Gewerbegebiete – aufgelegt. Ihr Geld ist damit für eine bestimmte Laufzeit gebunden. Sie sollten genau wissen, woran Sie sich beteiligen. Sie können gute Gewinne, aber ebenso Verluste machen. Im Gegensatz zu offenen Investmentfonds ist es schwierig, Anteile vor Laufzeitende zu verkaufen.

Ist mein Geld sicher, sollte die Fondsgesellschaft Insolvenz anmelden?

Fondsanteile sind sogenannte Sondervermögen. Sie sind somit geschützt und können nicht an die Gläubiger fallen. Sondervermögen ist immer getrennt vom Vermögen der Gesellschaft zu verwahren. Das gilt unabhängig davon, wo Sie Ihre Anteile erworben haben – bei einer Bank, einem unabhängigen Vermittler oder bei einer Fondsgesellschaft.

Ist jedes Angebot mit einer guten Rendite unseriös?

Je höher eine versprochene Rendite, desto höher ist auch das Risiko, einen ebenso großen Verlust einzufahren. Werden hohe Renditen in kurzer Zeit versprochen, gibt es meist einen Haken. Ein vernünftiger Vermögensaufbau braucht seine Zeit. Machen Sie sich zunächst Ihre eigenen finanziellen Ziele und Möglichkeiten klar. Erst dann suchen Sie sich Ihre Anlagen aus, beispielsweise Aktienfonds. Fonds sind streng reguliert und zu Transparenz verpflichtet. In den Anlegerinformationen finden Sie Angaben zu Risiken, Kosten und Wertentwicklung.

Was passiert, falls es erneut zu einem Börsencrash kommt? Sollte man besser bei Festgeld bleiben?

Mit Festgeld können Sie derzeit in den meisten Fällen nicht einmal die Teuerungsrate ausgleichen. Insofern sollten Sie dort nur Geld lagern, das Sie verfügbar haben wollen. Es gibt an der Börse keine Absicherung, aber Sie können das Risiko minimieren. Suchen Sie sich mehrere breit streuende Fonds mit verschiedenen Anlageschwerpunkten. Auf den Internetseiten von BVI (www.bvi.de) und Stiftung Warentest (www.test.de) können Sie sich informieren, welche Fonds gut liefen. Sie sollten Ihr Geld fünf, besser zehn Jahre liegen lassen können, um negative Ausschläge an der Börse auszugleichen.

Greift die europäische Einlagensicherung auch, wenn ich mir eine Onlinebank im EU-Raum mit guten Festgeldzinsen suche?

Generell sind in der EU bis zu 100.000 Euro pro Bank und Anleger gesichert. Bei Gemeinschaftskonten sind es 200.000 Euro. Das gilt auch für Onlinebanken. Es kann jedoch sein, dass man bei Ländern mit geringer Wirtschaftskraft, auf die Entschädigung länger warten muss. Die Empfehlung lautet, sich eine Bank in einem Land mit hoher Wirtschaftskraft zu suchen. Solche finden sich in den Untersuchungen der Zeitschrift Finanztest.

Wie breit streuen sollte ich, wenn ich etwa 100.000 Euro anlegen möchte?

Sie können eine Bandbreite an Anlagevarianten nutzen. Da sind zunächst verschiedene Fonds-Typen wie Aktienfonds, Mischfonds oder offene Immobilienfonds. Am besten mit unterschiedlichen Schwerpunkten – weltweit, europaweit oder nur Deutschland. Alternativ können Sie das Geld auch gestaffelt über ein oder zwei Jahre anlegen. Somit erreichen Sie einen Durchschnittskaufkurs und verhindern einen ungünstigen Einstiegszeitpunkt.

Ich habe verschiedene Fondsanlagen, die sich in der Vergangenheit gut entwickelt haben. Einen Teil will ich weiter laufen lassen, den anderen benötige ich bald. Muss ich dafür Fristen beachten?

Außer bei offenen Immobilienfonds, bei denen Halte- und Kündigungsfristen zu beachten sind, können Sie börsentäglich auf das Geld in Ihren Fonds zugreifen.

Ist ein Fondssparplan als Geldanlage zu empfehlen?

Auf alle Fälle. Sie können einen solchen Sparplan schon mit 25 oder 50 Euro monatlich bedienen. So ist es möglich, mit einer kleinen Summe über einen längeren Zeitraum einen ordentlichen Betrag anzusparen – Sie können jederzeit erhöhen, weniger einzahlen oder vorübergehend aussteigen.

Gibt es Fonds, die man Einsteigern empfehlen kann?

„Der Anleger ist der einsamste Mensch, wenn er sich entscheiden muss“, lautet ein Spruch in der Finanzwelt. Aber bevor Sie sich mit konkreten Fonds beschäftigen, sollten Sie sich einige Fragen beantworten: Wie viel Risiko möchte ich überhaupt eingehen? Wie viel Geld kann ich wie lange entbehren? Zum Einstieg sind Fonds zu empfehlen, die möglichst breit gestreut und kostengünstig sind. Sie können sich bei Finanztest über das sogenannte Pantoffelportfolio informieren, das für Einsteiger entwickelt wurde. Junge Leute können einen höheren Aktienanteil wählen, denn die Anlage soll ja von einer langen Laufzeit profitieren.

Wie findet man einen Anlageberater, dem man vertrauen kann?

Der Anlageberater sollte sich Zeit nehmen, um mit Ihnen eine Versorgungsanalyse zu erstellen und Anlageziele zu entwickeln. Er sollte keinen Druck ausüben, etwas zu unterschreiben. Unabhängige Beratung erhalten Sie bei den unabhängigen Vermögensberatern.

Geht Deutschland noch über die Einlagensicherung der EU hinaus?

Zunächst gilt die europäische Einlagensicherung von 100.000 oder 200.000 Euro pro Bank und Anleger. Darüber hinaus gehören in Deutschland die meisten Privatbanken zusätzlich dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an, der Einlagen in Millionenhöhe absichert. Auch öffentliche Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben zusätzlich eigene Sicherungssysteme.

Sollte ich besser in Aktienfonds oder in Mischfonds anlegen?

Das kommt auf Ihre persönliche Risikobereitschaft an. Mischfonds reduzieren in der Regel das Risiko. Sie investieren sowohl in Staats- und Unternehmensanleihen als auch in Aktien. Bei Aktienfonds hingegen geht das Geld – in der Regel breit gestreut – ausschließlich in Aktien. Der Vorteil bei Mischfonds besteht darin, dass sie je nach Marktsituation stärker in Aktien oder in festverzinsliche Papiere gewichtet werden können. Der Vorteil von Aktienfonds sind die grundsätzlich höheren Renditechancen – allerdings bestehen auch größere Kursrisiken.

Man hört, dass die Zinsen demnächst steigen können. Sollte ich Aktienanteile verkaufen?

Das ist schwierig zu beantworten, denn die Zinsen werden wahrscheinlich nicht schlagartig nach oben gehen. Gewinnmitnahme hat noch nie geschadet, ist eine Börsenweisheit. Wenn Sie ein gutes Gefühl haben, verkaufen Sie Anteile und gönnen sich vielleicht was Schönes.

Muss ich bei Einzelaktien täglich den Kurs beobachten, um rechtzeitig Verluste ausschließen zu können?

Wir raten, hierfür nur Geld einzusetzen, das Sie im Notfall verschmerzen können. Denn Kursschwankungen können deutlicher ausfallen als bei breit gestreuten Fonds. Sie können jedoch auch einen sogenannten Stoppkurs setzen. Zu diesem Kurs werden Ihre Anteile automatisch verkauft. Das kann Sie vor Verlust schützen – allerdings auch vor Gewinn. (AZ)

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