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Trend-Sportart

06.04.2021

Wie Hula-Hoop-Reifen zum Corona-Trend wurden

Die Hula-Hoop-Trainerin Flavie Steelandt kann auch mit mehreren Reifen an Hüfte, Knien und Arm hullern.
Foto: Michael Postl

Plus Seit unsere Bewegungsfreiheit einschränkt ist, steigt die Nachfrage nach Hula-Hoop-Reifen. Ein geschmeidiger Hüftschwung hilft, wie unser Autor nun weiß.

Es sieht ein wenig aus wie der Tanz mit einer Schlange. Hula-Hoop-Reifen an die Hüfte anlegen, parallel zum Boden anwerfen und dann das Becken geschmeidig nach vorn und hinten bewegen – als Anfänger. Dann noch den Bauch, am besten aber den gesamten Körper anspannen. So erklärt es mir zumindest Flavie Steelandt, eine Hula-Hoop-Trainerin aus Ulm. Bei den ersten gefühlt 30 Versuchen schlingert der Reifen trotz der detaillierten Einführung wie ein loser Faden um die Hüfte. Der erste Gedanke ist nicht "Hoffentlich schaffe ich es diesmal", sondern "Über welche Seite bücke ich mich jetzt zum Aufheben?". Es ist dieser schmale Grat zwischen Motivation und Aggression. Immer mehr Menschen geben sich diesem Gefühlschaos jedoch freiwillig hin. Auch Steelandt hat das registriert. Seit den Lockdowns verläuft ihre Karriere jedoch vorläufig gegensätzlich zum deutschlandweiten Trend.

Hula-Hoop als Corona-Trend? Der Verkauf geht durch die Decke

Denn dieser geht laut dem Vergleichsportal vergleich.org durch die Decke. Um 5000 Prozent ist die Online-Nachfrage nach Hula-Hoop-Reifen seit 2019 gestiegen, einen großen Teil hat die Pandemie dazu beigetragen. Das findet auch Flavie Steelandt. "Man braucht nur ein wenig Platz und einen Reifen, mehr nicht." Zu Zeiten einer Ausgangssperre sei das spontaner und günstiger als Online-Fitnesskurse, erklärt sie und verweist auf ihren eigenen Werdegang. "Früher bin ich mit den Kindern auf den Spielplatz nicht ohne meinen Reifen gegangen, heute machen wir das meiste in der Wohnung."

Die Hula-Hoop-Trainerin Flavie Steelandt aus Ulm übt in ihrem Wohnzimmer jeden Tag mit den Reifen. Schwierig wird es, wenn es derer vier zu kontrollieren gilt.
Foto: Michael Postl

Bis noch vor einem Jahr hat die 38-Jährige einmal pro Woche Kurse gegeben, teilweise sogar mit selbst gebauten Hula-Hoop-Reifen. "Ein paar Plastikrohre zusammenstecken – fertig", sagt Steelandt und fischt einen ihrer etwa zehn Reifen aus ihrer Tasche. Einige sind kleiner, manche haben Wellen für eine zusätzliche Massagefunktion. Je mehr ein Reifen wiegt, desto schwerfälliger ist er auch – und damit einfacher zu benutzen. "Dieser hier", sagt sie und hält einen mit Lichtern bestückten Ring in die Höhe, forme einen Baum, wenn man ihn im richtigen Winkel um die Arme wirbeln lässt. Seit einem Jahr kann sie jedoch nur noch für sich üben, ihre vier Kinder nehmen viel Zeit in Anspruch.

Anders ist das bei Elli Haschke, alias Elli Hoop. Die 35-Jährige lebt in Unna nahe Dortmund und hat ihr erstes Hula-Hoop-Bild im Mai 2019 auf Instagram gepostet, damals, um zu zeigen, dass "das, was ich kann, alle anderen schon lange können". Gemeint war das Abnehmen nach einer Schwangerschaft. "20 Kilo habe ich runter – und das in einem Jahr." Nur durchs "Hullern", wie es die deutsche Anhängerschaft der Sportart nennt. "Da kam natürlich auch eine gute Ernährung dazu", sagt die dreifache Mutter.

 

In regelmäßigen Abständen lässt die 35-Jährige ihre rund 350.000 Follower wissen, wie sie ihren Sport betreibt und was alles möglich ist. Denn die Transformation ihre Körpers bis hin zum Sixpack macht Elli Haschke sichtlich stolz. Ähnlich geht es ihr, wenn die Influencerin darüber spricht, wie sie zum Hula-Hoop gekommen ist. "Nach den drei Schwangerschaften war ich mit meinem Körper unzufrieden und bin jetzt, kaum zwei Jahre später sogar noch zufriedener als zuvor", erklärt sie. Anfangs hatte sie Probleme, den Reifen überhaupt an der Hüfte zu halten, nun dauert eine Trainingseinheit auch gerne mal 45 Minuten. Täglich.

Doch nicht nur Form und Definition des Körpers lässt sich laut Haschke durch Training mit Hula-Hoop-Reifen verbessern. "Es stärkt ungemein die Beckenbodenmuskulatur", weiß auch Flavie Steelandt, die Ulmer Trainerin.

Die Hula-Hoop-Trainerin Flavie Steelandt aus Ulm übt in ihrem Wohnzimmer jeden Tag mit den Reifen. Schwierig wird es, wenn es derer vier zu kontrollieren gilt.
Foto: Michael Postl

Hula-Hoop als Trend: Bleibt der Hype auch nach Corona?

Mein erster Selbstversuch mit einem Hula-Hoop-Reifen ist nun etwa zwei Wochen her. Zwei Wochen, die mit der Bestellung eines neuen Reifens aus Stahl mit Moosgummimantel und 30 Euro weniger auf dem Konto recht erfolgreich waren. Denn die Sportgeräte können auch gut und gerne mal 40, 50 Euro kosten, einige speziell gefertigte mit fernbedienbaren Lichterketten etwa 300 Euro.

Ob der Hype um die bunten Reifen auch in Zukunft anhält? Dazu haben Flavie Steelandt und Elli Haschke unterschiedliche Meinungen. Erstere findet, dass, wenn es ein corona-unabhängiger Trend wäre, es ihn bereits viel früher gegeben hätte. Influencerin Haschke denkt, dass der Trend anhalten wird, was bei ihrer stetig anwachsenden Fangemeinde auch zu ihrem Vorteil wäre. Bereits vor etwa 15 Jahren hatte der Reifen sich in den USA etabliert. Warum der Hype damals trotzdem nicht in Europa ankam, kann sich auch Elli Haschke nicht erklären.

Ein neues Mitglied hat die Anhängerschaft jetzt allerdings trotzdem – auch wenn die Höchstverweildauer des Reifens an der Hüfte sich auf handgestoppte zehn Sekunden beläuft. Aber Corona dauert noch. Wenn ich geimpft bin, will ich bei einer Minute sein.

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