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Wespen

07.08.2019

Wie lassen sich Wespen vertreiben? Und was hilft bei Wespenstichen?

Bei Allergie gegen Wespen ist Vorsicht geboten.
Bild: fotolia.com/Ingo Bartussek/ALK-Abelló Arzneimittel GmbH/obs, dpa (Symbolbild)

Bienen erfreuen sich nicht zuletzt seit dem Volksbegehren Artenschutz großer Beliebtheit. Wespen profitieren von dem Hype kaum. Was hilft gegen die Plagegeister?

Die Hitzewellen nehmen langsam ab und die Hochzeit der Wespen beginnt. Im August sind die Wildtiere in der Regel besonders aktiv und schwirren bis Ende Oktober durch Biergärten und über den Kaffeetisch.

Bleibt es warm und trocken, herrschen ideale Bedingungen für die Insekten. Denn am häufigsten kommen Wespen dort vor, "wo es warm ist, die Temperaturen nicht über 30 Grad liegen und es wenig Sommer-Unwetter mit Starkregen und Überschwemmungen" gibt, so Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung (DeWiSt).

Welche Wespenarten empfinden wir als "Plage"?

Ob im Spätsommer eine "Wespenplage" droht, hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern auch vom subjektiven Empfinden der Menschen. "Jede einzelne Wespe wird schon als Plage wahrgenommen", relativiert Melanie von Orlow, Sprecherin des Bundesfachausschuss für Bienen, Wespen und Hornissen beim Naturschutzbund (Nabu). Zudem sei die Zahl der Wespen auch immer von der eigenen Wahrnehmung abhängig, Menschen hielten sich bei schönem Wetter schließlich mehr draußen auf und nähmen die Insekten dadurch stärker wahr.

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Wespe ist außerdem nicht gleich Wespe. Weltweit gibt es rund 60 bekannte Wespenarten, in Deutschland sind es etwa 16. Jenifer Calvi zufolge nehmen wir jedoch lediglich zwei davon als "Plagegeister" war: Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). "'Gemein' heißt sie nicht, weil die Wespe fies ist, sondern 'gewöhnlich'", fügt Calvi hinzu.

Beide zählen zur Gattung der Kurzkopfwespen. "Das sind die Arten, die erst ab der zweiten Augusthälfte groß werden", erklärt Melanie von Orlow. Durch ihren hohen Bedarf an Eiweiß und Zucker umschwirren diese Wespenarten dann gerne Grillfleisch, Eis und Kuchenbuffets.

Wodurch unterscheiden sich Bienen und Wespen?

Die Gattung der Langkopfwespen dagegen, die bereits ab dem Frühjahr aktiv ist, gerät der Biologin von Orlow zufolge nur selten mit Menschen in Konflikt. Jedoch seien gerade die Nester der Kurzkopfwespen, also jener Arten, die wir als "Plage" warnehmen, schwer auffindbar. Wer demnach ein gut sichtbares Nest im Garten oder im Dachstuhl entdeckt, muss davon ausgehen, dass es sich um Langkopfwespen handelt. Letztere sind nur bis August aktiv.

Von den Bienen wiederum unterscheiden sich Wespen im Übrigen nicht nur darin, dass sie keinen Honig produzieren. Die Insekten lassen sich anhand körperlicher Merkmale leicht auseinander halten. Im Gegensatz zu den eher rundlichen Bienen und Hummeln, haben Wespen eine schmale Körpermitte, die berühmte Wespentaille. Während Bienen zu den Pelzträgern gehören, ist der Körper der Wespen glatt und beinahe haarlos. Ihre Körperfarben sind zudem deutlicher definiert. Das Gelb der Wespen hebt sich klar vom Schwarz ab, wohingegen das "Gelb" der Bienen eher einem satten Braun gleicht.

Was lockt Wespen an? Und wann stechen sie?

Wer gerne Parfum trägt, sollte vorsichtig sein. Allzu blumiges Eau de toilette kann Wespen anlocken, wie Jenifer Calvi verrät. Auch die Wahl der Kleidung kann auf die Wildtiere verstärkt lockend wirken. Entscheidend ist dabei die Farbe: Blau, gelb und weiß zieht Calvi zufolge Wespen besonders an.

"Wespen sind aber keine aggressiven Angreifer", betont die Sprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. "Die verkannten Schädlingsbekämpfer fressen auch sehr gerne Blattläuse und Mücken und nutzen dem Menschen sogesehen."

Generell würden sie nur angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen, so Calvi. Im Gegensatz zu Bienen kostet Wespen ein Stich aber nicht das eigene Leben. Und auch tote Wespen können stechen, durch einen Reflex wird das Gift noch aus dem Stachel gepumpt.

Wer hektisch mit den Händen fuchtelt oder versucht, die Wespe durch Pusten zu vertreiben, wird keinen Erfolg haben. Im Gegenteil: Das Kohlendioxid in unserem Atem reizt die hungrigen Wespen, hektische Bewegungen machen sie nervös und sie werden aggressiver. Sitzt die Wespe bereits am Mundwinkel, hilft laut Calvi nur eines: "Mund schließen und nicht bewegen, abwarten und nicht nervös werden. Dann fliegt sie wieder davon und nichts passiert."

Darf man Wespennester entfernen?

Wespen sind Wildtiere und dürfen aus Naturschutzgründen nur dann bekämpft werden, wenn gesundheitliche Gefahr besteht (Paragraph 39, Bundesnaturschutzgesetz). Gemeint ist hiermit beispielsweise eine Allergie. Oft würden Menschen jedoch in Bezug auf Wespen irrational handeln, kritisiert von Orlow. "Viele denken, sie sind Allergiker, weil sie entzündete Stiche haben. Das hat aber mit einer Allergie nichts zu tun", so die Biologin.

Wer Wespen tötet oder ein Nest zerstört, muss je nach Seltenheit der Wespenart ein saftiges Bußgeld von mehreren Tausend Euro zahlen. Nester dürfen von Orlow zufolge nur bei "handfesten Gründen" wie Bauschäden am Haus entfernt werden. Bauen die Wespen ihre Nester an Plätzen, an denen sich viele Menschen aufhalten, beispielsweise unter Gehwegplatten oder im Servicebereich von Restaurants, können die Nester ebenfalls entfernt werden.

Wer ein Wespennest bei sich im Garten hat, kann den Bereich auch einfach absperren. Melanie von Orlow empfiehlt, auf einer Wiese einen einfachen Wäschekorb über das Nest zu legen. So steige niemand drauf und die Wespen könnten durch die Maschen fliegen. Befindet sich das Nest in der Hecke, reiche ein einfaches Warnschild für Passanten.

Um den Nestbau zu vermeiden, empfiehlt Nabu-Sprecherin von Orlow bereits im Frühjahr die Plätze abzusuchen, an denen in der Vergangenheit Nester waren. Klassische Nestbauplätze der Langkopfwespen sind Gartentische, Schuppen und lichte Höhlungen. "Das sind Futterkonkurrenten für die Kurzkopfwespen", betont von Orlow. "Wer weniger störende Wespen haben will, sollte die Arten verschonen, die ihre Gegenspieler sind."

Wie lassen sich Wespen vertreiben?

Sobald Fleisch oder Süßspeisen auf dem Tisch stehen, lassen sich Wespen im Spätsommer kaum vermeiden. Um ungestört essen zu können, gibt es einige Tricks. Bespritzt man Wespen beispielsweise mit Hilfe einer Sprühflasche mit Wasser, denken sie es regnet und fliegen zu ihrem Nest zurück. Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung empfiehlt das jedoch nicht unbedingt, da der Trick auch als Angriff gedeutet werden kann.

Auf Bier und zuckerhaltige Getränke empfiehlt sich, einen Bierdeckel zu legen. Wer die Speisen auf dem Tisch nicht abdecken will, kann versuchen einen Extrateller mit Essen für die Wespen bereitzustellen. Ob die Tiere auf die "Essensfalle" reinfallen, ist jedoch fraglich. "Einen Versuch ist es aber wert", meint Calvi. "Weintrauben und reife Bananen eignen sich sehr gut, aber auch ein kleines Steak kann funktionieren. Den Teller sollten sie weiter weg vom Tisch platzieren." Ein weiterer Trick: Schokoladenkuchen servieren, denn Wespen mögen keine Schokolade.

In der Regel gilt jedoch zuallererst: Augen auf bei der Platzwahl. Gibt es beispielsweise am Holzschuppen, in der Laubenwand oder in einem alten Baum ein Wespennest, sollte man den Kaffeetisch nicht direkt daneben aufbauen, um nicht in der Flugschneise der Insekten zu sitzen. Bei Kindern sollte man besonders aufpassen, dass sie beim Eisessen nicht zu nah an öffentlichen Mülleimern stehen, warnt Calvi.

Was hilft bei einem Wespenstich?

Sticht die Wespe trotz Vorsichtsmaßnahmen zu, hilft am besten Wärme. Melanie von Orlow empfiehlt direkt nach dem Stich einige Sekunden einen Wärmestift auf die Einstichstelle zu halten. Elektronische Stichhalter wie "bite away" würden die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf das Eiweis im Gift der Wespe verhindern, so Orlow. Durch eine Regulierung der Ausschüttung von Histamin könne so die Entzündung gehemmt und eine Schwellung verhindert werden.

Anschließend können die Symptome des Stichs wie Rötung oder Schwellung durch Kühlen weiter gelindert werden. Wer kein Eis zur Stelle hat, kann Jenifer Calvi zufolge den Stich auch einfach mit Essig einreiben. "Das desinfiziert und kühlt", so Calvi.

Ein Wespenstich ist in jedem Fall schmerzhaft, wer auf Wespen nicht allergisch ist, sollte sich jedoch nicht verrückt machen. "Es besteht keine Lebensgefahr, wenn man gestochen wird. Infektionen sind sehr selten", beruhigt von Orlow.

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