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Energiekolumne

09.01.2020

Wie man Wasser in großen Häusern energiesparend erhitzt

Die Temperatur im Warmwasserspeicher auf über 60 und im Leitungsnetz bei mindestens 55 Grad zu halten, kostet viel Energie.
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Die Temperatur im Warmwasserspeicher auf über 60 und im Leitungsnetz bei mindestens 55 Grad zu halten, kostet viel Energie.
Bild: Oliver Boehmer, Adobe Stock

Die Konzentration gefährlicher Keime muss in größeren Mehrfamilienhäusern regelmäßig geprüft werden. Die Vorbeugung ist energiesparend möglich.

Für die die Sicherung der Warmwasserhygiene in Mehrfamilienhäusern - ab drei Wohneinheiten - gibt es klare gesetzliche Vorgaben, zu der eine Untersuchungspflicht zählt. Im Falle einer zentralen Warmwasserbereitung muss die Temperatur in Warmwasserspeichern mindestens 60 Grad betragen. Die Wassertemperatur im Leitungsnetz darf die 55-Grad-Marke nicht unterschreiten. Der Grund: bei 25 bis 45 Grad finden Legionellen im Leitungsnetz ideale Bedingung, um sich zu vermehren. Es handelt sich dabei um Bakterien, die insbesondere für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich sind und schlimmstenfalls schwere Lungenentzündungen auslösen können.

Die Temperatur im Warmwasserspeicher auf über 60 und im Leitungsnetz bei mindestens 55 Grad zu halten, kostet viel Energie. Zumal das Wasser in den langen Rohrleitungen von Mehrfamilienhäusern mit Warmwasserspeichern permanent zirkulieren muss, was hohe Wärmeverluste zur Folge hat.

Ist im Bestand eine Umrüstung in der Regel zu aufwendig und kostenintensiv, sollte beim Neubau von Mehrfamilienhäusern über Alternativen zur klassischen Lösung mit zentraler Warmwasserbereitung nachgedacht werden, mit denen sich die Wärmeverluste minimieren lassen. Unter Umständen kann ein dezentrales Konzept mit elektrischer Warmwasserbereitung (Durchlauferhitzer, Kleinspeicher), wie es inzwischen häufiger beim Neubau von Kindergärten, Schulen oder Bürogebäuden angewandt wird, auch im Wohnungsbau sinnvoll sein.

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Elektrische Durchlauferhitzer galten lange Zeit als Energiefresser. Das stimmt für moderne, effizient arbeitende Modelle nicht mehr. Im Gegenteil: Weil die Geräte nur dann Energie verbrauchen, wenn Warmwasser benötigt wird und sich dieses auf die Wunschtemperatur aufheizen lässt, gibt es keine Stillstands- beziehungsweise Speicherverluste. Allerdings ist die Ausflussleistung stark limitiert. Duschen ist kein Problem, aber für ein Vollbad in einer großen Badewanne stößt das System an seine Grenzen

Stromdurchlauferhitzer erwärmen das Wasser während des Durchfließens. Die Geräte sollten dabei möglichst nahe an der Zapfstelle montiert werden. Lange Leitungswege verschlechtern den Komfort, weil dann bei jedem Zapfvorgang zunächst nur kaltes Wasser fließt.

Eine weitere Lösung, die für den Geschosswohnungsbau interessant sein kann, sind sogenannte Wohnungsübergabestationen für die Heizung und die Warmwasserbereitung dank integrierter Frischwasserstation. Mit Hilfe von Plattenwärmetauschern wird hier die Wärme des zirkulierenden Heizungswasser genutzt, um Wasser für Dusche, Badewanne oder Wasserhahn aufzuheizen - und zwar ebenfalls in Nähe der Zapfstelle.

Auch bei dieser Form der Warmwasserbereitung ist keine dauerhafte Zirkulation des Warmwassers notwendig. Hier zirkuliert das hygienisch unbedenkliche Heizungswasser. Die eingangs erwähnte Untersuchungspflicht für Wohnhäuser mit mehr als zwei Wohneinheiten entfällt. Zudem kann die Zapftemperatur etwas abgesenkt werden. Ein weiterer Vorteil: mit diesem System lassen sich auch größere Warmwassermengen bereitstellen.

Und noch ein wichtiger Hinweis: das Wasser - egal, ob warm oder kalt - sollte in keinem Leitungsteil länger als 72 Stunden stehen. Sprich: an jeder Zapfstelle sollte mindestens alle drei Tage einmal Wasser fließen. Ansonsten besteht nicht nur für den betreffenden Leitungsteil, sondern für das gesamte Leitungsnetz die Gefahr einer Verkeimung.

Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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