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Corona-Krise

22.03.2020

Wo man sein Geld in Corona-Zeiten anlegen kann

Gold gilt als Sicherheit in Krisenzeiten. Doch diesmal sank der Preis.  
Bild: Arne Dedert, dpa

Plus Von Sparbuch, Aktien, Gold, Immobilien bis zum Heizöl: Sieben wichtige Punkte, was in der finanziellen Unsicherheit der Corona-Pandemie getan werden kann.

In der Wirtschaft herrscht helle Aufregung, an den Börsen der Ausverkauf. Seit der Corona-Epidemie ist der deutsche Leitindex Dax um rund ein Drittel eingebrochen. Dies erzeugt bei vielen Anlegern Unsicherheit, die Geld in Aktienfonds angelegt haben – oder die um die Stabilität des Finanzsystems fürchten. Wo ist das Ersparte gut untergebracht? Was bedeutet der Crash für die Altersvorsorge? Darüber haben wir uns mit Experten unterhalten, unter anderem mit Hermann-Josef Tenhagen, einem der bekanntsten deutschen Finanzexperten. Der 57-jährige Chefredakteur und Herausgeber von Finanztip hat schon einige Krisen erlebt und Erfahrungen gesammelt. Rat geben zudem Ingo Schweitzer von der unabhängigen Vermögensberatung Anceka aus Kaufbeuren und Energiehändler Richard Walch.

1. Sparguthaben: Muss man nun Angst um sein Sparguthaben haben?

Tenhagen sieht Geldanlagen auf Tages- und Festgeldkonten als stabilisierenden Faktor für Anleger. Gelder bis 100.000 Euro seien gesetzlich abgesichert. Um diese Anlagen müsse man sich keine Sorgen machen. Sie sind ein Stück Sicherheit. Tagesgeld, Festgeld oder Sparkonten dürften seiner Einschätzung nach allerdings in der nächsten Zeit eher noch weniger Zinsen bringen als bisher. Für ohnehin leidgeprüfte Sparer hieße das: Aus 0,2 Prozent Jahreszinsen aufs Tagesgeld könnten 0,1 Prozent werden. Oder 0,01 Prozent. Karge Aussichten.

Was aber passiert, wenn auch Banken pleite gehen? Ist dann mein Erspartes nicht in Gefahr?

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Tenhagen glaubt an die Stabilität des Finanzsystems in Corona-Zeiten. Bundes- wie Landesregierungen stellten ja wie die Europäische Zentralbank Unsummen an finanziellen Mitteln zur Verfügung. Doch der Experte hat eine Gefahrenquelle ausgemacht: Er glaubt, dass es in vielen Fällen schwierig werden könnte, die Gelder auch den betroffenen Unternehmern zugutekommen zu lassen. Denn dazu bedarf es natürlich ausreichender Planungskapazitäten.

2. Aktien: Was macht man jetzt mit seinen Aktienbeständen oder Fonds, zum Beispiel ETF?

Tenhagens Devise lautet: „Augen zu und durch.“ Nachdem die Börsen wiederholt eingebrochen sind und der Deutsche Aktienindex Dax auf dem Niveau von Mitte 2016 notiert, rät der Geldspezialist: „Wer angesichts dieser Entwicklung jetzt verkauft, macht wahrscheinlich einen der gravierendsten Anlegerfehler.“ Denn solch ein Aktionär würde sich bei stark sinkenden Kursen von seinen Beständen trennen und dann oft später wieder am Aktienmarkt engagieren, wenn sich die Kurse bereits kräftig erholt haben.

Tenhagen versucht den Anlegern ins Gewissen zu reden: „Wenn Sie vor einigen Wochen oder Jahren überzeugt waren, dass eine breit gestreute Aktienanlage langfristig im Wert steigt, dann sollten Sie diesen Glauben jetzt nicht aufgeben.“ Demnach sollen Anleger sich selbst treu bleiben, also an der eingeschlagenen Anlagestrategie festhalten. In den emotional aufwühlenden Krisentagen schadet nach der Philosophie des erfahrenen Kenners also nicht eine Portion wohlüberlegte Sturheit.

Doch Tenhagen warnt auch: „Die alte Börsenregel, dass man Krisen aussitzen soll, sei nicht für diejenigen hilfreich, die bestimmte Ausgaben mit ihrem Geld eingeplant haben.“ Der „Finanztip“-Herausgeber will nicht ausschließen, „dass der Aktienmarkt noch mehrere Monate oder sogar das komplette Jahr im Krisenmodus bleibt“. Tenhagen bleibt also langfristig optimistisch für Aktien: Seiner Ansicht nach wird Corona auch wegen der sehr aktiven Politik die Existenz „der meisten Aktiengesellschaften nicht grundsätzlich bedrohen“. Sein Aufmunterungsappell lautet daher: „Bleiben Sie also optimistisch.“ Einen Teil ihrer Aktien sollten nun nur Anleger verkaufen, die das Geld dringend brauchen, etwa um das Kurzarbeitergeld so aufzustocken.

Sollen Anleger verkaufen oder schon nachkaufen?

Mit dem Nachkaufen von Aktien oder Fonds können Anleger nach Einschätzung Tenhagens noch ein paar Wochen warten. Er glaube nicht, dass dieser schnellste Marktverfall der jüngsten Geschichte schon endgültig vorbei sei. „Das entspringt eher meinem Bauchgefühl“, erläutert er zum Hintergrund. Zumindest mit einem Teil des Geldes, das Anleger jetzt investieren wollen, könnten sie aber bereits schon Käufe vornehmen.

„Verglichen mit dem Februar gibt es die Aktien im Sonderangebot“, sagt der Experte. „Wenn ein Sofa, das man haben will, 40 Prozent reduziert wird, greift man eher zu“, meint Tenhagen.

Der Deutsche Aktien Index (DAX) erlebte wegen der Coronavirus-Pandemie einen Einbruch.
Bild: Boris Roessler, dpa


3. Anleihen: Wie sollen Anleger nun mit Anleihen umgehen? Sind sie in der Krise wie in der Vergangenheit ein sicherer Hafen?

Besonders sicher geltende Staatsanleihen sind Anfang März zum Teil stark im Wert gestiegen, beispielsweise Schuldscheine aus Deutschland, den USA oder Frankreich, hat Tenhagen beobachtet. In der Finanzlogik heiße das, dass ihre Rendite weiter gesunken ist, im Fall zehnjähriger deutscher Anleihen auf minus 0,9 Prozent, ein historischer Tiefstwert. Der Finanzprofi rät deshalb: „Besser Finger weg von Anleihen. Es sind keine Kursgewinne zu erwarten.“ Eine große Zahl an Anlegern hatte möglicherweise das Geld aus den Panikverkäufen an der Börse in Form solcher Anleihen geparkt. Zuletzt sind die Kurse für Staatsanleihen zum Teil wieder gefallen. Das Ganze gleicht also einer Achterbahnfahrt.

Und wie sieht es mit Unternehmensanleihen aus?

Selbst bei Anleihen bekannter Unternehmen wie Thyssenkrupp oder VW Financial Services rauschten die Kurse nach unten. „Wir erleben einen Nachfrageschock – es fehlen die Käufer“, erklärt Ingo Schweitzer von Anceka. Das treibt auch die Kurse von Unternehmensanleihen nach unten. „Die Kurse spielen aber nicht die Bewertung der Unternehmen wider“, betont Schweitzer.

Ein schlechter Kurs einer Unternehmensanleihe bedeute in der aktuellen Ausverkaufsstimmung nicht, dass das Unternehmen bereits insolvenzgefährdet ist: „War ein Unternehmen vor der Corona-Epidemie solide aufgestellt und finanziert, können die Kurse für Unternehmensanleihen eine Delle verkraften“, sagt Schweitzer. Hierin kann für Käufer eine Chance liegen. Schweitzer schließt aber nicht aus, dass es bei Firmen, deren Kapitalpolster bereits vor der Krise zu dünn war, noch zu Insolvenzen kommen kann.

4. Immobilien: Welche Auswirkungen sind denn jetzt auf Immobilienpreise zu erwarten?

Bisher, sagt Anlageexperte Schweitzer, sind die Immobilienpreise unberührt von der Corona-Krise. Könnten Interessenten die niedrigen Zinsen nutzen, um jetzt den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen oder eine Immobilie zur Anlage zu kaufen? Schweitzer rät zu wohlüberlegtem Vorgehen: Die allgemeinen Zinsen sind derzeit niedrig. Das hilft, um Firmen in der Corona-Krise mit Kapital versorgen zu können.

Betrachtet man allein Immobilienkredite, „fallen die Zinsen dagegen nicht“, sagt Schweitzer. Damit habe sich die Rechnung für einen Immobilienkauf im Vergleich zur Zeit vor der Epidemie nicht verändert: „Wegen Corona muss man nicht kaufen, man muss wegen Corona aber auch nicht seine Immobilie verkaufen.“ Eine Immobilie – zum Beispiel zur Vermietung – bleibe eine langfristige Investition.

Die Wertentwicklung wird neben den Zinsen auch von der weiteren wirtschaftlichen Lage abhängen. Und hier rechnet Schweitzer nicht mit einem Einbruch vergleichbar mit der Großen Depression im Jahre 1929: „Die Arbeitslosigkeit geht dieses Jahr wohl hoch, sie dürfte aber 2021 nicht höher liegen als 2019“, prognostiziert er.

5. Gold: Gold gilt als Krisenwährung schlechthin. Zeit also, Gold zu kaufen?

Finanzfachmann Tenhagen hält hier im Gegensatz zu anderen Experten an seiner Meinung fest: „Gold ist ein eher spekulatives Investment.“ Tenhagen belegt das mit Studien seines Hauses. Demnach schwankt der Goldkurs stärker als ein Aktieninvestment in den MSCI World. Dieser Börsen-Index spiegelt die Entwicklung von mehr als 1600 Aktien aus 23 Industrieländern wider. Letztlich gibt der Anlage-Spezialist die klassische Empfehlung, bis zu zehn Prozent physisches Gold gemessen am Wert des gesamten Depotwertes zu halten. Zuletzt ist der Goldpreis gesunken.

6. Heizöl: Wie entwickeln sich Öl- und Benzinpreise?

Der massive Preisrückgang beim Erdöl hat indirekt auch mit dem Coronavirus zu tun, erklärt Tenhagen. Denn in den besonders in Mitleidenschaft gezogenen Ländern China und Italien wird weniger Öl verbraucht. Und Saudi-Arabien als weltweite Nummer zwei unter den Förderländern hat deutlich den Preis gesenkt.

Was heißt das nun für Verbraucher?

Tenhagen glauben nicht, dass sich der Rückgang des Ölpreises eins zu eins auf Verbraucher auswirken werde. Auch wenn Benzin- wie Heizölpreise dem Erdölpreis folgen, reagieren sie häufig mit Verzögerung. Und dann gibt der Verbraucherjournalist noch einen Tipp: „Falls der Heizöltank angesichts des milden Winters nicht ohnehin noch gut gefüllt ist, könnte es sich lohnen, ihn bald nachzufüllen.“ Generell gilt ja in Krisenzeiten: Was man hat, hat man.

Warum ist der Heizölpreis nicht so stark gesunken wie der Rohölpreis?

Die Heizölpreise haben bereits mit dem ersten Börsenrutsch dieses Jahr um rund acht Euro pro hundert Liter nachgegeben, berichtet Richard Walch, geschäftsführender Gesellschafter des Energiehändlers Ilzhöfer aus Augsburg. Damit sind die Preise deutlich geringer als noch im vorigen Jahr, sagt er.

Dass der Heizölpreis am bayerischen Markt nicht so stark gefallen sei wie der internationale Erdölpreis, habe zwei Gründe: Zum einen sei die Nachfrage derzeit sehr groß, die Zahl der Tankwagen-Fahrer aber begrenzt. „Es fehlt an Ausfuhrkapazitäten“, sagt Walch, der angesichts der hohen Heizölnachfrage derzeit selbst Öl zu den Kunden fährt. Zum anderen falle in Ingolstadt demnächst für eine turnusgemäße Wartung eine Raffinerie aus. Auch wenn die Heizölpreise nicht so stark fallen wie der Rohölpreis, sieht Walch einen guten Zeitpunkt für Käufer: „Der Preis, zu dem man heute kauft, ist bis zur Lieferung fix“, erklärt er.

Nach bisherigen Planungen der Regierung würde zum Jahreswechsel zudem die CO2-Steuer greifen, die für einen Heizöl nutzenden Durchschnittshaushalt mit rund 200 Euro pro Jahr zu Buche schlagen könne, sagt Walch. Die Käufer, die jetzt Heizöl bestellen, müssten sich nur darauf einstellen, dass sie ihr Heizöl aufgrund der hohen Nachfrage erst in einigen Wochen geliefert bekämen.

Der Heizölpreis ist niedriger als vor einem Jahr, weiß Händler Richard Walch.
Bild: Ulrich Wagner


7. Altersvorsorge: Ist meine Altersvorsorge in Gefahr?

Tenhagen hebt hier hervor, dass eine Lebensversicherung, eine betriebliche Altersvorsorge oder ein klassischer Riester-Vertrag normalerweise eine Zins- oder zumindest eine Beitragsgarantie bieten. Man sollte also mindestens so viel herausbekommen, wie man einbezahlt hat. „Und auch die staatliche Förderung macht Corona nicht kaputt“, sagt er.

Ebenso wenig treffe eine vorübergehende Krise die gesetzliche Rente. Doch in den beiden kommenden Jahren könnten die Rentenerhöhungen ausfallen oder schrumpfen. Tenhagens Fazit lautet: „Die traditionelle Altersvorsorge leidet eher unter den anhaltenden Niedrigzinsen als unter vorübergehenden Wertverlusten am Aktienmarkt.“ Doch er macht eine Einschränkung: „Betroffen können aber diejenigen sein, die ohne Garantien vorsorgen – etwa über eine fondsgebundene Rentenversicherung oder einen fondsgebundenen Rürup-Vertrag.“ Vor allem, wenn der Vertrag bald fällig werde, sollten Anleger nachfragen.

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