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  3. Ab wann heizen 2022? So verhindern Sie Schimmel

Energiesparen
29.11.2022

Ab wann sollte man heizen? Ein Experte gibt Tipps

Kann man die Heizung noch eine Weile kalt lassen?
Foto: Bernd Weißbrod, dpa (Symbolbild)

Sinkende Temperaturen, steigende Gaspreise: Wie lang kann man da das Heizen noch herauszögern? Ein Experte erklärt, wie man sparsam heizt, ohne unschöne Nebeneffekte.

Ab welcher Außentemperatur sollte ich heizen?

Thomas Weiand ist Vorsitzender und Geschäftsführer beim Mieterverein Augsburg, der von Nördlingen im Norden, Günzburg im Westen und Schwabmünchen im Süden ungefähr 11.000 Mitglieder berät. Er sagt: Rein rechtlich komme es auf die Temperatur im Zimmer an, nicht auf die Außentemperatur, um Ansprüche geltend machen zu können. Laut der Website heizung.de, hinter der die Viessmann Climate Solutions Berlin steht, hängt die Antwort auf diese Frage „vom Alter, dem energetischen Zustand und der Art des jeweiligen Gebäudes ab“. Entscheidend seien dabei Verluste über die Gebäudehülle: Ein Haus ohne Dämmung und mit alten Fenstern verliere zum Beispiel viel Energie über seine Außenhaut, moderne oder energetisch sanierte Gebäude kämen länger ohne Heizung aus.

Thomas Weiand ist Vorsitzender und Geschäftsführer beim Mieterverein Augsburg.
Foto: Bernd Hohlen (Archivbild)

In einem Passivhaus sollte man zum Bespiel erst ab neun bis elf Grad Außentemperatur heizen, bei einem Gebäude, das vor 1977 gebaut wurde, bereits ab 15 bis 17 Grad Celsius. Bei sanierten Häusern oder Mietwohnungen könnten diese Werte abweichen. Weiand bestätigt, diese Faktoren wirkten sich natürlich immer darauf aus, wann man heizen sollte. Schlecht isolierte Gebäude verbrauchen natürlich mehr Energie als besser isolierte.

Gibt es zeitlich Regelungen, wann ich heizen sollte?

Keine Regel, aber üblich ist die Nachtabsenkung: Bei modernen Heizungen kann man so einstellen, von wann bis wann welche Temperatur im Haus herrschen soll. "Auch in Mehrfamilienhäusern und größeren Wohnkomplexen sind die Heizungen alle in der Regel so eingestellt, dass da eine gewisse Nachtabsenkung stattfindet", erklärt Weiand. Dabei ergibt sich aber eher das Problem, dass die Mieterin oder der Mieter noch so sehr am Thermostatventil am Heizkörper herumdrehen kann - wärmer als die festgelegte Temperatur wird es dadurch nicht. Eine Heizpflicht gebe es von Oktober bis April/Mai jeden Jahres, je nach den Temperaturen. "Und auch wenn außerhalb dieser Heizperiode längere Zeit Temperaturen von unter 18 Grad sind, länger anhaltend, kann man vom Vermieter verlangen, dass er schon vorher die Heizung in Betrieb nimmt."

Kann ich in einem Mehrparteienhaus nicht auch darauf vertrauen, dass die Nachbarn, wenn sie heizen, meine Wohnung mit erwärmen?

Weiand lacht: "Vertrauen ist gut. Sie können aber nicht verlangen, dass der Nachbar heizt. Wenn der nicht heizt, dann heizt er nicht." Er habe auch bereits Mieterinnen und Mieter in der Beratung gehabt, die auffällig niedrige Heizkosten hätten. "Durch Nachfragen kommt manchmal heraus, dass tatsächlich das Haus so gut isoliert ist oder auch die Wohnung so eine tolle Lage hat, dass der Mieter nicht viel heizen muss", berichtet er. Ob das solidarisch ist, muss wohl jede und jeder für sich entscheiden.

Was kann passieren, wenn ich vor lauter Energiesparen nicht rechtzeitig heize?

Eine Gefahr ist Schimmel - aber nicht immer: "Schimmel bildet sich in der Regel, wenn die Wände sehr kalt sind, auskühlen und wir eine hohe Luftfeuchtigkeit haben", sagt Weiand. Zum Beispiel im Bad und in der Küche. Schimmel entstehe dann, wenn man dauerhaft eine hohe Luftfeuchtigkeit über 60 Prozent in den Räumen habe. Aus seiner Erfahrung heraus empfiehlt er, sich ein Hygrometer zuzulegen. Die bekomme man unter 20 Euro im Baumarkt. Ab dauerhaft 80 Prozent Luftfeuchtigkeit in den Wänden und gerade an den Fenstern wird es besonders problematisch. Vor allem, wenn man falsch lüftet, indem man die Fenster auf Kippstellung lässt. Dann kühlen die Fensterlaibungen aus, weil die kalte Luft dahin ausweicht und dort kondensiert.

Mit regelmäßigem, richtigem Lüften vermeidet man die Bildung von Schimmel.
Foto: Christin Klose, dpa (Symbolbild)

Um das zu vermeiden, sollte man für eine ausreichende Zimmertemperatur sorgen - um die 20 Grad. Und mithilfe des Hygrometers darauf achten, dass keine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Zimmer herrscht. Er rät zum Stoß- und Querlüften, also zwei gegenüberliegende Fenster gleichzeitig für fünf bis zehn Minuten komplett aufzumachen, um die feuchte Luft nach außen zu transportieren.

Welche Räume sollten idealerweise welche Temperatur haben?

Weiand bestätigt: Dort, wo man sich nicht für lange Zeit aufhält, zum Beispiel in Hobbyräumen, oder Schlafräumen, wo man nur nachts ist, reichen laut DIN-Normen 17 bis 18 Grad Celsius aus. Im Wohnzimmer sei laut heizung.de normalerweise eine höhere Temperatur empfehlenswert, zwischen 20 und 22 Grad Celsius.

Wie kann ich möglichst sparsam heizen?

Weiand rät: "Es ist sicherlich nicht sinnvoll, wenn ich die Heizung immer ganz runterdrehe. Denn dann habe ich wieder eine lange Anlaufphase, bis es hochheizt." Das führe zu einem hohen Energieverbrauch. Angesichts der Energiekrise rät Weiand dazu, sich mit einer dauerhaft moderaten Temperatur zu begnügen und sich einen Pulli oder dicke Socken anzuziehen - aber immer die Luftfeuchtigkeit im Blick zu behalten. "Wenn ich merke, die steigt an, dann hilft das ganze Sparen nichts, wenn ich anschließend eine verschimmelte Wohnung habe." Am Ende wird es sonst teurer. Der Mieter oder die Mieterin ist nämlich verpflichtet, angemessen zu heizen, sodass keine Schäden am Gebäude entstehen. Und: Das Lüften nicht vergessen.

Was kann ich als Mieter sonst tun, um weniger zu heizen?

Ob ein Mieter oder eine Mieterin etwa Anspruch auf die Nachtabsenkung habe, sei seines Wissens nach noch nicht entschieden worden, so Weiand. "Es ging bisher immer nur darum, dass die Mieter frieren und eine höhere Temperatur haben wollen." Um die Temperatur nachts zu senken, könne jeder Mieter und jede Mieterin abends aber selbst die Thermostatventile am Heizkörper nach unten stellen.