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Innovation

06.04.2020

Dieses Elektroauto gibt´s wirklich - aber nur im Abo

Es hat auch Vorteile, wenn sich ein Auto nicht verkaufen muss: Da es den Canoo nur im Abo (mit monatlicher Kündigungsoption) gibt, konnten die Entwickler sich voll auf die Funktionalität besinnen.
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Es hat auch Vorteile, wenn sich ein Auto nicht verkaufen muss: Da es den Canoo nur im Abo (mit monatlicher Kündigungsoption) gibt, konnten die Entwickler sich voll auf die Funktionalität besinnen.
Bild: Canoo

Ex-Elektro-Pioniere aus dem Hause BMW wollen es jetzt mit einer eigenen Marke versuchen. Der „Canoo“ sieht nicht nur ganz anders aus. Es gibt ihn auch nicht einmal zu kaufen, nur zu mieten.

Elektro-Start-ups sind in den vergangenen Jahre viele aus dem Boden geschossen, doch kaum einer der E-Pioniere hat bis jetzt ein Fahrzeug wirklich auf die Straße gebracht. Manche, wie zum Beispiel Dyson, haben ihre großen Pläne sogar schon wieder begraben.

Ganz anders könnte es bei Canoo laufen, denn: Mangelnde Erfahrung kann man dem Team rund um Ulrich Kranz nicht vorwerfen. Kranz selbst hat bei BMW die Vorreiter-Stromer i3 und i8 auf den Weg gebracht. An beiden wirkte auch Designer Richard Kim mit und Aufsichtsrats-Vorsitzender ist Stefan Krause, vormals Finanzvorstand bei – richtig – BMW. Außerdem hat auch Ex-Opel-Chef Neumann seine Finger im Spiel. Ende 2017 haben Kranz und Krause nach einem kurzen Elektro-Crashkurs bei Faraday Future in Los Angeles das Start-Up EVelozcity gegründet, später folgte die Umbenennung in Canoo und schon im September 2019 präsentierten sie den ersten quasi serienreifen Prototypen.

Wider den Zeitgeist: weder SUV noch Sportler

Anders als die meisten Mitstreiter setzt Canoo weder auf eine zeitgeistige SUV-Karosse noch auf einen extrovertierten Sportler, sondern lässt einen schlichten Mini-Bus vorfahren, der als Ur-Enkel des VW Bulli durchgehen könnte. Der Clou: Während die anderen mit Hinguckern um Käufer buhlen, soll den schlicht Canoo genannten Bus gar niemand kaufen.

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Die Macher planen ihre Elektro-Autos nur im Abo zu vertreiben. Das dürfte bei vielen die Hemmschwelle senken, statt eines sexy Lifestyle-Wagens doch ein praktischeres Fahrzeug zu nehmen. Die Verträge sollen online abgeschlossen werden, die Laufzeiten könnten zwischen wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren liegen – mit monatlicher Kündigungsoption. Die noch nicht bekannten Tarife sollen „für junge Menschen erschwinglich“ sein, Wartung und Versicherung könnten bereits inbegriffen sein, eventuell sogar der Strom. Starten will Canoo 2021 zunächst in Los Angeles und San Francisco, danach solle es zunächst nach China gehen, der Sprung nach Europa ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Weil der Hersteller auf geschwungene Formen, figurbetonte Proportionen oder eine abfallende Dachlinie – kurz alles, was ein Auto schöne macht – verzichtet, können im nur 4,42 Meter langen Canoo problemlos sieben Personen reisen. Zwei ganz klassisch im Cockpit, der Rest auf einem halbrunden Sofa im Fond. Die gute Raumausnutzung verdankt der Bus seiner Skateboard-Architektur. Der Unterbau beherbergt neben dem 80-Kilowattstunden-Akku auch gleich noch den Motor und die gesamte Steuer- und Ladetechnik. Und statt auf klassische Schraubenfedern setzt Canoo auf umgedrehte Blattfedern, die ebenfalls im Skateboard verschwinden und nicht in den Fahrgastraum hineinreichen.

Die Lenksäule ist dank Steer-by-Wire überflüssig

Dazu kommt, dass die Macher vollkommen auf die Steer-by-Wire-Technik vertrauen. Lenkbefehle werden rein elektrisch und nicht mechanisch weitergeleitet, so lässt sich gänzlich auf die Lenksäule verzichten – und das Lenkrad quasi beliebig positionieren. Ein nette Spielerei: Weil die fehlende Lenk-Technik den Platz frei macht, gibt’s nicht nur ein ziemlich luftiges Armaturenbrett – mit übrigens erstaunlich kleinem Bildschirm –, sondern kann der Fahrer auch über seine Füße hinweg auf die Straße schauen. Die Frontscheibe des Canoo zieht sich bis zum Boden hinunter. Witzig: Das Markenlogo ist statt im Kühlergrill in die Scheinwerfer integriert.

Ein weiterer Vorteil, alles in das Skateboard zu packen, ist die Flexibilität bei der Karosseriegestaltung. Theoretisch kann Canoo jede beliebige Hülle auf den Unterbau setzen, der auch sogar ganz ohne Aufbau fahren kann. Geplant sind vorerst vier Modelle, wie die drei weiteren aussehen sollen, verrät der junge Hersteller aber noch nicht. Und weil Canoo die Autos nur vermietet und demnach irgendwann zurück bekommt, können die Fahrzeuge dank der flexiblen Bauweise recht einfach modernisiert werden und in die nächste Vermiet-Phase starten.

So viel leistet der Elektromotor des Canoo

Flexibel ist übrigens auch die Anordnung des Motors, vorne, hinten oder an beiden Achsen. Damit empfiehlt sich die Plattform auch für ein Allrad-Modell. Für den Bus hat sich Canoo für den Heckantrieb entschieden, der E-Motor leistet 300 PS und soll 425 Newtonmeter bereit stellen. Damit kann man den gut zwei Tonnen schweren Canoo angeblich in rund sechseinhalb Sekunden auf Tempo 100 bringen; Schluss soll erst bei 200 km/h sein. Die Reichweite beziffert Canoo auf 400 Kilometer, Schnellladen ist möglich.

Inzwischen hat das Konzept schon das Interesse anderer geweckt. Jüngst haben Hyundai und Kia eine Entwicklungskooperation mit Canoo bekannt gegeben: Die Koreaner wollen sich die Elektroplattform zu Nutze machen. Und auch bei der Produktion setzt Canoo auf Partner: Statt eigene Werke zu bauen, machen sich Kranz und Co. auf die Suche nach Auftragsfertigern. Mit Magna sollen Verhandlungen laufen, Valmet ist im Gespräch und auch chinesische Partner stehen auf der Agenda. So will Canoo flexibel auf die Nachfrage reagieren können und das Risiko leer stehender Fabriken vermeiden.

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