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Hintergrund
16.04.2021

Wenn aus Autos Einsatzfahrzeuge werden

Ein BMW X5 Protection VR6 nach einem Beschusstest.
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Ein BMW X5 Protection VR6 nach einem Beschusstest.
Foto: BMW

Bestellen Behörden, Ministerien oder Rettungsdienste neue Wagen, bekommen sie Extras, von denen Privatiers nur träumen können. Ein Blick hinter die Kulissen.

Rotierende Kennzeichen, Maschinengewehre hinter den Scheinwerfern, auf Knopfdruck schleudert der Beifahrersitz den Passagier aus dem Wagen. Wohl kein anderes Auto hat so viele Sonderfunktionen wie James Bonds Aston Martin DB5. Davon können Streifenpolizisten zwar nur träumen, doch auch sie haben bei der Ausstattung ihrer Dienstwagen ein paar zusätzliche Optionen.

Für Streifenwagen, Rettungswagen, Fahrzeuge des Katastrophenschutzes oder für Sonderschützer haben die Herstellern spezielle Abteilungen. Zum Beispiel der Unternehmensbereich OSV bei Opel, der zivile Neufahrzeuge für besondere Aufgaben ausrüstet: Hier, so erklärt Sprecher Patrick Munsch, werden Blau- oder Blitzlichter, Suchscheinwerfer und Sirenen montiert, Funktechnik installiert und die Karosserien mit der offiziellen Uniform foliert.

Für besondere Aufgaben gehen viele Hersteller deutlich weiter. Nämlich dann, wenn es um den Schutz prominenter Insassen geht. Dann gibt es für Limousinen und Geländewagen ab Werk oder nachher beim spezialisierten Dienstleister Schutz gegen Attacken aller Art. Es gibt schuss- und sprengsichere Bleche mit Karbon- oder Panzerstahl-Einlagen, Matten aus Aramidfaser und dicke widerstandsfähige Scheiben.

Und bei Mercedes erfährt man noch mehr Sonderschutzfunktionen: Die Reifen können auch ohne Luft noch fahren, der Tank hält nach einem Gewehrbeschuss dicht. Automatische Löschanlagen bekämpfen Brände und eine integrierte Sauerstoffversorgung garantiert ausreichend Atemluft auch in brenzligen Situationen.

Während solche Umbauten in der Regel unter der Regie des Herstellers erfolgen, lassen Feuerwehr und Rettungsdienste ihre Fahrzeuge oft vom Dienstleister umrüsten. Medizinische Einrichtungen für Rettungswagen wie die gefederten Aufnahmen für Krankentragen oder Löschpumpen, sagt MAN-Sprecher Thomas Pietsch, werden meist von speziellen Zulieferern in die entsprechend vorbereiteten Transporter eingebaut.

Bei diesen Dienst- und Einsatzfahrzeugen geht es aber nicht immer nur um Mehrausstattung. Bisweilen müssen Polizisten, Feuerwehr- und Rettungsleute auch auf ein paar Extras verzichten. Ledersitze, Klimaautomatik und andere vermeintliche Luxusoptionen werden für solche amtlichen Flotten häufig nicht montiert, sagt ein BMW-Sprecher. Ähnlich verhält es sich gelegentlich mit dem Autoradio.

Der Umbau von Serienwagen zu Streifenwagen in Deutschland ist dabei verhältnismäßig subtil. Die Autohersteller in den USA gehen traditionell weiter. Sie leiten von ihren Serienmodellen besondere Polizei-Einsatzfahrzeuge ab. Zum Beispiel den Ford Interceptor auf Basis des Explorers. Er hat neben den äußeren Markierungen und der Signal- und Kommunikationsausstattung auch Suchscheinwerfer, ein Näherungsradar, Trennwände zwischen den Sitzreihen, widerstandsfähige Rückbänke und manchmal leistungsstärkere Motoren.

Immer mal wieder ist das Entgegenkommen der Autohersteller noch viel größer. Ist ein Kunde nur bedeutend genug und der Auftrag groß genug, werden eigene Fahrzeuge geschaffen. Nach den Vorstellungen der Auftraggeber - vor allem für das Militär: So würde es nach Angaben der jeweiligen Unternehmen weder den VW Kübelwagen vom Typ 181 noch die Mercedes G-Klasse geben, wenn dahinter nicht große Regierungsaufträge gestanden hätten.

Genau so verhält es sich beim Lamborghini LM002 oder den Hummer genannten Mehrzweck-Radfahrzeug HMMWV. Und der legendäre Willys MB - eine Konstruktion für das US-Militär - gilt als Urahn heutiger Jeep-Fahrzeuge.

Zwar begnügen sich die Behörden zumindest für den halbwegs zivilen Einsatz mittlerweile zumeist mit aktuellen Serienmodellen und kleineren Modifikationen. Doch gibt es auch heute noch solche exklusiven Entwicklungen. So hat zum Beispiel Kia 2020 die Pläne für einen Pick-Up namens KLTV vorgestellt. Er wird nach Spezifikationen des Militärs konstruiert und soll nur im Nebenjob eine zivile Karriere haben.

Ausrangierte Einsatzfahrzeuge kann man kaufen

Zwar sind die Dienstwagen von Polizei und Grenzschutz, Feuerwehr oder Rettungsdienst nicht ganz so faszinierend wie die Autos aus dem Fuhrpark von James Bond. Doch dafür sind sie auch für Privatpersonen halbwegs erreichbar - zumindest nach dem Ende ihrer Dienstzeit.

Denn während Aston Martin den originalgetreuen Nachbau des DB5 mitsamt aller Gadgets nur in Kleinserie anbietet und pro Wagen rund vier Millionen Euro verlangt, sind ausrangierte Streifen- oder Krankenwagen leichter zu haben.

Und vor allem billiger: Auf einschlägigen Internetportalen wie der Verwertungsgesellschaft des Bundes gibt es sie zu Dutzenden für teilweise wenige tausend Euro. Allerdings müssen sich Interessenten da mit ein paar Einschränkungen arrangieren, wie die Anbieter deutlich machen: Blaulicht, Martinshorn und die Funktechnik sind in der Regel deaktiviert. (dpa)

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