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Neuvorstellung
24.07.2021

Reichweite, Leistung, Ausstattung: Mercedes EQS im ersten Test

Wie aus einem Guss: Das „One-Bow-Design“ verhilft dem Mercedes EQS zu Bestwerten in der Aerodynamik und somit in der Effizienz.
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Wie aus einem Guss: Das „One-Bow-Design“ verhilft dem Mercedes EQS zu Bestwerten in der Aerodynamik und somit in der Effizienz.
Foto: Mercedes-Benz AG

Mercedes will mit dem EQS nicht weniger als das beste Elektroauto der Welt im Sortiment haben. Kann der Wagen die enormen Erwartungen erfüllen? Nach einer ersten Testfahrt wissen wir mehr.

Fragt man, welches Elektroauto sie bauen wollen, geben die Mercedes-Verantwortlichen eine so einfache wie eindeutige Antwort: das beste. Mindestens einen Weltrekord haben die Schwaben auch schon in der Tasche, wenn der neue EQS ab Herbst zu den Händlern rollt: die S-Klasse unter den Stromern ist mit einem cw-Wert von 0,20 das aeorodynamischste Serienauto der Welt.

Kein Tesla Model S und kein Porsche Taycan schlüpfen schnittiger durch den Wind als der bananenförmige Benz. „One-Bow-Design“ sagend die Designer dazu. Schön, aber was haben die potenziellen Kunden davon? Nicht weniger als das, was vielen an einem Elektroauto am wichtigsten ist: Reichweite satt. Sie beträgt im WLTP-Zyklus bis zu 770 Kilometer und dringt damit in Dimensionen vor, die bislang Verbrennern vorbehalten waren.

Mit wahrer Bessesenheit haben die Entwickler versucht, dem EQS alles an Reibungsverlusten auszutreiben, was sie finden konnten. Das Ergebnis ist eine bis ins Detail durchoptimierte Aerodynamik, die in letzter Konsequenz zum Beispiel sogar darauf abzielt, wie die Beschriftungder Reifen aussehen darf – und wie nicht. Allein die Pneus machen bis zu 20 Prozent der Fahrtwiderstände aus. Bei der Karosserie beträgt der Wert je nach Geschwindigkeit sogar bis zu 60 Prozent.

So viel Strom verbraucht der Mercedes EQS real

Weil sich dem Mercedes so wenig Kräfte entgegenstemmen können und er gleichzeitig Bremsenergie in ungeahntem Umfang zurückgewinnt, braucht er tatsächlich extrem wenig Saft. Ein intelligenter Rekuperations-Assistent verzögert zum Beispiel vor Kurven, Ortschaften oder vorausfahrenden Autos automatisch, so dass das Bremspedal kilometerweise Pause hat. Das ist auch gut so, denn das Pedalgefühl auch dieses Stromers, mit dem sensiblen Übergang zwischen „elektrischer“ und konventioneller Bremse ist offenkundig selbst für Daimler-Ingenieure schwer zu managen.

Mit dem maximalen Aisstenten-Einsatz erzielten wir Verbrauchswerte von um die 15 kWh pro hundert Kilometer, sogar weniger als gemäß WLTP ausgewiesen und wenn überhaupt auf Kleinwagen-Level. Nach drei Stunden Cruising durch die Schweizer Bergwelt wies der Bordcomputer immer noch eine Restreichweite von mehr als 500 Kilometern auf. In die alte Verbrenner-Welt transferiert wäre das in etwa so, als würde man eine S-Klasse mit dem Spritverbrauch eines Polo bewegen.

Klingt nach Verzicht? Von wegen! Der EQS bietet ein Fahrerlebnis mindestens auf dem Niveau der S-Klasse. Bezieht man das atemberaubend leise Dahingleiten, das extravagente Design, die clevere Raumausnutzung und vor allem die Komfort- und Digitalfeatures mit ein, vielleicht sogar darüber. Zu letzterem wäre insbesondere der neue „Hyperscreen“ zu nennen, ein aus drei Bildschirmen komponiertes Megadisplay, das die Ausmaße eines Waveboards erreicht und das Thema Infotainment im Mercedes neu erfindet. Auch damit signalisiert der Hersteller, das mit dem EQS, dem ersten auf einer eigenen Plattform konstruierten Elektroauto des Konzerns, eine neue Ära beginnt.

Laden geht im Mercedes EQS so performant und so einfach wie nie

Selbst wenn die Reise begleitet wird von jeder Menge künstlicher Intelligenz überall in und um das Auto, so sind es doch oft die Kleiningkeiten, die in der Praxis nahezu revolutionär wirken: So muss man mit dem EQS an der Ladesäule werder mit der Ladekarte noch mit dem Smartphone hantieren, sondern steckt das Auto einfach nur an – und fertig. Alle administrativen Arbeiten von der Anmeldung bis zum Bezahlen übernimmt der Wagen dank „Plug & Charge“ selbst.

Da die Ladeperformance den Kunden mindestens ebenso am Herzen liegt wie die Reichweite, hat sich der Daimler auch in dieser Disziplin nicht lumpen lassen. An der Schnelladesäule „tankt“ der EQS mit bis zu 200 kW. Solche Spitzenströme schaffen andere auch, jedoch nimmt der Mercedes für sich in Anspruch, dieses Plateau überdurchschnittlich lange halten zu können. Schon nach 15 Minuten an einer Ionity-Säule an der Autobahn soll so Strom für weitere 300 Kilometer (WLTP) nachgeladen sein. Mercedes verfügt nach eigenen Angaben mit einer halbe Million Ladepunkten in 31 Ländern, davon mehr als 200000 in Europa, über das größte Netz seiner Art. Trotzdem ist eine Wallbox für zu Hause Pflicht. Mit 11 kW ist die Batterie in zehn Stunden voll. Mit einem Energiegehalt von 107,8 kWh ist der Akku, der wie eine gigantische Tafel Schokolade am Unterboden angebracht ist, ein echter Jumbo. Dies ist der Tatsache geschuldet, das eben nur eine Riesen-Batterie in einem Riesen-Auto die Reichweite und die Power ermöglicht, die in der Luxusliga erwartet werden.

Mercedes EQS 450+: technische Daten

  • Leistung: 245 kW, 568 Nm
  • Reichweite WLTP: 770 km
  • Batteriekapazität 107,8 kWh
  • Ladedauer (Wallbox): 10 Std
  • Schnellladung: 31 min
  • L/B/H: 5,22/1,93/1,51 m
  • Leergewicht/Zuladung: 2480/545 kg
  • Kofferraum: 610 – 1770 l
  • 0 – 100 km/h: 6,2 s
  • Spitze: 210 km/h
  • Verbrauch: 20,4 - 15,7 kWh
  • Preis: noch nicht bekannt

Schon in der „kleinsten“ Konfiguration als EQS 450+ protzt der Benz mit 245 kW Leistung. Der EQS 580 4matic besitzt eine zweite E-Maschine, die zusätzlich die Vorderräder antreibt, und dringt mit 385 kW in Sportwagen-Sphären vor. Sogar eine AMG-Version mit 560 kW ist ein Planung.

Unter dem Stichwort „ökologische Verkehrswende“ wird man das kaum verkaufen können, aber die dürfte mit einem Auto dieser Preisklasse ohnehin kaum einzuläuten sein. Noch nannte Daimler keine Preise. Die Branche wartet mit Hochspannung auf Details. Denn selbst das „beste“ Elektroauto der Welt könnte vermutlich am Preis scheitern.

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