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Ratgeber

27.08.2020

So wird das Auto innen wieder richtig sauber

Weiche Werkzeuge: Weiche Schwämme und Tücher schützen vor unliebsamen Kratzern im Interieur.
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Weiche Werkzeuge: Weiche Schwämme und Tücher schützen vor unliebsamen Kratzern im Interieur.
Bild: Franziska Gabbert, dpa

Nicht nur die ein oder andere Urlaubsfahrt dürfte in den Cockpits ihre Spuren hinterlassen haben. Abhilfe können Autobesitzer selbst schaffen - oft mit einfachen Mitteln.

Eine Ausfahrt in den Alpen. Viele Kurven, starkes Beschleunigen und abruptes Abbremsen – und es ist geschehen. Selbst der stabilste Magen kapituliert bei einem zu wilden Ritt im Auto. Wenn sich das Ergebnis dann auf Polster und Teppich verteilt, ist guter Rat teuer. Bei solchen starken Verschmutzungen müssen Autofahrer nicht gleich in Panik verfallen. Aber manchmal ist etwas Eile geboten.

„Je geringer die Einwirkzeit ist, desto einfacher lässt sich die Verunreinigung entfernen“, sagt Fahrzeugpflege-Profi Christian Petzoldt aus Hagen. Hartnäckigen Dreck wie Kaugummi, Schokolade oder andere klebrige Speisen lassen sich am einfachsten mit Kältespray aus der Apotheke entfernen. „Einfach aufsprühen bis der Schmutz bröckelt, ausbürsten, dann absaugen“, erklärt Petzoldt.

Gegen Milch, Urin, Blut oder Erbrochenes helfen biologische Reiniger mit Mikroorganismen. „Die werden auf die Stelle gesprüht und fressen alles Organische rückstandslos auf. Nach ein bis zwei Tagen ist die entsprechende Stelle sauber sowie geruchsfrei und die Mikroorganismen sterben ab“, sagt Petzoldt. Gegen Tierhaare helfen spezielle Gummibürsten, Handschuhe und ein starker Sauger.

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Wer abseits solcher Härtefälle generell den Innenraum auf Vordermann bringen will, setzt am besten zunächst den Staubsauger ein und saugt lose grobe Verschmutzungen und Sandpartikel ab. Bei der Reinigung sollten Autofahrer generell auf harte Bürsten und Tücher verzichten, weil sonst feine Kratzer oder Schrammen entstehen. Besser seien weiche Werkzeuge, auch wenn die Arbeit dann länger dauert.

„Auf sensiblen Oberflächen wie dem Cockpit, der Mittelkonsole oder dem matten Navidisplay dürfen Autofahrer nicht stark reiben, weil sonst sehr schnell Kratzer entstehen“, sagt Petzoldt. Er rät, die Reiniger oder Pflegemittel zuerst auf einen Lappen aufzutragen und nicht direkt auf die Fahrzeugteile zu sprühen. Andernfalls könne Nässe in Ritzen dringen und elektrische Schalter sowie elektrische Bauteile schädigen. Bei Leder verursacht zu viel Wasser irreparable Schrumpfungen. Beim Saubermachen von Sitzen gilt zudem, das Reinigungsmittel wieder aus dem Polster oder Leder zu entfernen – und zwar möglichst vollständig.

Haushaltsreiniger sind meistens zu aggressiv

Generell empfiehlt der Fachmann milde Seifen oder Reiniger mit milden Tensiden. „Grundreiniger aus dem Haushalt sind meist zu aggressiv. Die reinigen zwar vordergründlich, schädigen aber später die Substanz“, sagt er. Und im Gegensatz zu Haushaltsmitteln bieten spezielle Kfz-Reiniger für Kunststoffteile einen UV-Schutz. „Der ist wichtig, da die meisten Fahrzeuge draußen oft in der Sonne stehen. Ohne UV-Schutz kann der Kunststoff schneller altern, ausbleichen und dadurch grau und unansehnlich werden“, sagt er.

Bei der Lederpflege rät der Fachmann zu speziellen Reinigern. „Ledersitze bei Autos besitzen einen speziellen Schutz auf der Oberfläche, eine Art Klarlack. Wenn dieser Schutz durch scharfe Reiniger und harte Werkzeuge zerstört wird, geht es ans Leder“, sagt er. Ebenfalls problematisch: In vielen Haushaltspflegemitteln ist Bienenwachs enthalten. Der führe zu Knarzgeräuschen zwischen den Lederpolstern, sei also fürs Auto ungeeignet.

Ledersitze reinigt man am besten mit Sattelseife

Philipp Ballas, Sattler-Meister der Autosattlerei Ballas in Köln, rät bei normaler Verschmutzung auf Sitzen zu einem feuchten Schwamm und wenig oder mildem Reiniger. „Autofahrer sollen auf keinen Fall zu chemischen Produkten oder Alkohol greifen. Bei verschmutzten Ledersitzen reicht häufig ein bisschen Sattelseife, um den ersten Schmutz zu entfernen“, sagt Ballas.

Das Reinigen erfolgt einfach mit einem Schwamm oder einer Lederbürste. Mit starken Reinigern wird häufig neben den Schmutz auch die Farbe abgerieben. „Schadhafte Stellen lassen sich häufig ausbessern und nachlackieren, bei großen Schäden können wir Einzelteile austauschen oder komplett neu beziehen“, sagt Ballas. Schwierig sei bei historischen Fahrzeugen nur, dass ein Farbunterschied selten zu vermeiden ist. Viele Bezugsstoffe werden dafür mittlerweile in originaler Optik wieder nachproduziert.

Damit der Originalzustand des Innenraums möglichst erhalten bleibt, sollten Autofahrer außerdem keine Mittel verwenden, die den Zustand stark ändern. „Alles was glänzt, ist zwar toll. Aber wenn sich Armaturenbrett in der Windschutzscheibe spiegelt, ist das gefährlich“, sagt Markus Herrmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Fahrzeugaufbereitung.

Tipp: Von oben nach unten reinigen 

Herrmann rät zu einer Reinigung von oben nach unten. Also zuerst bei den Sitzen anfangen und anschließend die Fußmatten und den Fahrzeugteppich bearbeiten. Bei besonders hartnäckigem Schmutz kann man mit Nasssauger und Essig arbeiten. Der Nasssauger nimmt viel Schmutz auf und reinigt den Teppich leicht. Dann lässt sich mit einem in warmem Essigwasser getränkten Handtuch die Stelle anschließend abtupfen, damit die letzten Bakterien zerstört werden.

„Das verhindert üblen Geruch, ganz ohne chemische Keule im Auto“, erklärt Herrmann. Wasserverdünnter Essig in kleinen Schalen dient anschließend über zwei Tage als Geruchskiller, da er die letzten Bakterien tötet.

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