Zum traditionellen Stichtag 30. November denken Millionen Deutsche über einen Wechsel ihrer Kfz-Versicherung nach. Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC will nahezu jeder zweite Autofahrer günstigere Angebote prüfen. Denn die Preise für die Policen steigen für viele trotz ihrer Schadensfreiheitsrabatte immer weiter. Laut Statistischem Bundesamt kletterten die durchschnittlichen Kosten für Kfz-Versicherungen im vergangenen Jahr um fast elf Prozent. Binnen fünf Jahren stiegen sie dem Kraftfahrindex zufolge sogar um insgesamt 44 Prozent – deutlich mehr als die Inflation.
Die Expertin Nadja Feder vom Vergleichsportal Verivox erklärt, dass vor allem im Jahr 2023 die Preise fast um ein Viertel explodierten. „Während der Corona-Pandemie sind die Leute weniger gefahren und haben weniger Unfälle gehabt.“ Zeitverzögert habe dann noch die Inflation durchgeschlagen, bemerkbar an teuren Ersatzteilen und Werkstattkosten.
Auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft GDV beklagt, dass die Kostensteigerungen für Autoreparaturen weit über der allgemeinen Inflationsrate lägen. Kommt es zum Unfall, geben Versicherungsgesellschaften die Kosten an die Kunden weiter, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen erklärt. Laut den Verbraucherschützern lassen sich mit einem Versicherungswechsel teils mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Allerdings sollte man dabei nicht nur auf Internetvergleichsportale zurückgreifen, die mit Provisionen an Vertragsneuabschlüssen verdienten und nur eine begrenzte Auswahl hätten. Es lohne sich auch, einzelne Versicherungsseiten zu prüfen oder Kontakt mit Anbietern aufzunehmen.
Die Preise für Kfz-Versicherungen sollen sich 2026 stabilisieren
Versicherungsexpertin Feder von Verivox rät Verbrauchern: „Mindestens einmal im Jahr die Kfz-Versicherung checken, denn wenn ein Versicherer in einer Branche noch wachsen will, wirbt er mit dem Preis“. Abgesehen von kostengünstigen Lockangeboten, eine Anpassung der Versicherung an die tatsächlichen Bedürfnisse spare auch Geld: Wer wenig fahre, habe trotzdem oftmals eine zu hohe Jahreskilometerzahl angegeben - beispielsweise 10.000 Kilometern statt 5000. Rund 11 Prozent lassen sich an dieser Stelle sparen.
Wer besonders vorsichtig fährt, kann damit auch Geld sparen
Wenn erwachsene Kinder aus dem Haus seien, lohne es sich die Fahreranzahl bei der Kfz-Versicherung zu überprüfen. „Gerade junge Fahrer machen die Kfz-Versicherung oft übermäßig teuer, weil sie keine Fahrerfahrung haben und bis zum Alter von 24 Jahren auch als risikoaffiner gelten“, sagt Nadja Feder. Die Folge: mehr Unfälle und höhere Kosten. Direkt daran knüpft Christian Buric von der ADAC Autoversicherung mit seinem Tipp für besonders umsichtige Fahrer an - einem Telematik-Tarif: „Dafür werden beispielsweise Brems-, Beschleunigungs-, Kurvenverhalten und Geschwindigkeit mit einer App gemessen und ausgewertet.“
Eine weitere Stellschraube, um den Kfz-Versicherungsbeitrag zu senken, sei die Höhe der Selbstbeteiligung bei einem Schaden. Christian Buric von der ADAC Autoversicherung hat dabei auch einen bestimmten Betrag im Kopf: „Eine Selbstbeteiligung von 150 Euro in der Teilkasko und 300 Euro in der Vollkasko gilt als empfehlenswert“. Wenn der Schaden dann schon mal da ist, ist gut dran, wer eine Werkstattbindung vereinbart hat. Aber Achtung: „Nicht immer liegen die Werkstätten in unmittelbarer Nähe. Autofahrer sollten deshalb darauf achten, dass die Versicherung einen kostenlosen Hol- und Bringservice anbietet“, so Buric.
Wenn das Auto nach einem Unfall aber kein Fall für die Werkstatt, sondern für den Schrottplatz ist, dann ist das manchmal emotional schmerzhaft und häufig ein finanzieller Einschnitt. Denn entschädigt wird normalerweise nur der aktuelle Zeitwert des Fahrzeugs, nicht der Kaufpreis. Verivox Versicherungsexpertin Nadja Feder rät deshalb zu einer Neuwerterstattung oder Kaufpreisentschädigung. Die greift auch bei Diebstahl des Fahrzeugs und federt das finanzielle Fiasko ab.
Das Herzstück beim E-Auto ist der Akku, der ist auch am teuersten zu ersetzen
Beim E-Auto ist laut Versicherungsexperten Christian Buric von der ADAC Autoversicherung einem Großteil der rund 1000 befragten Autofahrer zählt vor allem eins: „Für 72 Prozent aller befragten Autofahrer wäre ein Versicherungsschutz für den Akku wichtig. Ein Austausch kann bis zu 20.000 Euro oder sogar mehr kosten.“ Daher rät er Käufern von E-Autos, darauf zu achten, dass der Versicherungsschutz eine sogenannte Allgefahrendeckung für den Akku beinhaltet.
Auch bei der Zahlungsart lässt sich laut ihm sparen: „Je häufiger Geld überwiesen wird, umso teurer wird es.“ Er rät daher zu einem Jahresbeitrag, nicht zu monatlicher Überweisung. Und sogar bestimmte Berufsgruppen können von Rabatten profitieren wie der Experte von der ADAC Autoversicherung sagt, betrifft dies vor allem „Günstiger wird die Versicherung zum Beispiel für Beamte und Beschäftigte im Öffentlichen Dienst.“
Beim Wechsel: „Nicht auf Leistung verzichten“
Bei einem Wechsel der Versicherung rät die Versicherungsexpertin von verifox: „Nicht auf Leistung verzichten“. Und nennt ein paar klassische Beispiele: „unbedingt auf erweiterte Wildschäden achten, damit ist man bei einem Unfall gegen Tiere aller Art versichert“, bei Marderbissen gelte es auch Folgeschäden abzusichern und ratsam sei in der heutigen Zeit auch ein Schutz bei grober Fahrlässigkeit - schließlich nutzen immer mehr Autofahrer ein Handy am Steuer, da ist auch flugs mal eine rote Ampel übersehen.
Die viel zitierte Regionalklasse richtet sich nach dem Wohnort des Fahrzeughalters laut ADAC Website. Großstädte wie Berlin sind besonders teuer, da hier im Vergleich zu einer ländlichen Region viele Unfälle passieren. Das wird regelmäßig neu eingestuft. Nur wichtig ist das vor allem bei einem Umzug so Feder von verivox. Bei der Typenklasse lohne es sich vor dem Kauf zu schauen, ob es ein ähnliches Modell mit weniger PS gebe. Vor allem SUVs und Oberklassenmodelle schlagen wegen ihres hohen Sach- und damit auch Schadenswertes ordentlich zu Buche. Ältere Autos hingegen sind meist günstiger.
Wer wegen besserer Leistungen und günstigerer Konditionen wechseln will, sollte seine aktuelle Versicherung bis Ende November kündigen, dann ist der Stichtag für viele Verträge. Expertin Feder ist zuversichtlich, dass die Kostenexplosion demnächst nachlässt: „Die Preise sollten sich bald stabilisieren.“
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