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Finanz-FAQ
10.05.2022

Finanz-Lexikon: Das müssen Sie über Rezession, Inflation und Stagflation wissen

Die Inflationsrate hat in Deutschland einen historischen Wert erreicht.
Foto: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Das alltägliche Leben in Deutschland wird teurer und die Inflation ist allgegenwärtig. Viele Begriffe gewinnen an Bedeutung. Ein Mini-Lexikon für teure Zeiten.

Die steigende Inflation hinterlässt in Deutschland immer deutlichere Spuren. Das alltägliche Leben ist für die Menschen teurer geworden, in den Supermärkten werden fast jeden Tag neue Rekord-Preise für bestimmte Produkte gemeldet. Für die Verbraucher wird deutlich: Das Geld scheint immer mehr an Wert zu verlieren. Doch wie kommt es zur Inflation, was muss man darüber wissen und welche Begriffe sind in der momentanen Finanzlage noch von Bedeutung? Ein kleines Lexikon für die teuren Zeiten.

Was ist Inflation?

Einfach erklärt beschreibt der Begriff Inflation, dass ein Großteil der Preise in einem Land steigen. Sie kann genau bestimmt werden und wird von Statistikern gemessen. In Deutschland beispielsweise vom Statistischen Bundesamt. Monat für Monat wird die Kaufkraft des Geldes bestimmt. Werden die Preise teurer, dann sinkt die Kaufkraft. Wird von Inflation gesprochen, dann ist in der Regel die Inflationsrate gemeint. Diese beschreibt, um wie viel Prozent sich das Preisniveau im Vergleich zum selbigen Monat im Vorjahr verändert. In Deutschland betrug die Inflation im April 7,4 Prozent, was den höchsten Wert seit 41 Jahren darstellt.

Inflation stellt sich oftmals als Folge eines Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage dar. Dafür kann es in der Regel zwei verschiedene Ursachen geben. Entweder steigt die Inflation, wenn ein bestimmtes Warenangebot knapp wird, oder wenn die Nachfrage sprunghaft ansteigt. Das ist etwa der Fall, wenn der Staat zusätzliches Geld an die Bürgerinnen und Bürger ausschüttet oder die Zentralbank eine lockere Geldpolitik betreibt. Eine höhere Nachfrage hat oft die Erhöhung der Preise zur Folge, was wiederum die Inflationsrate beeinflusst.

Video: dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten

Was ist Deflation?

Der Name lässt es bereits vermuten: Die Deflation ist das genaue Gegenteil der Inflation. Die Preise steigen also nicht, sondern fallen. Deflation hat man in Deutschland lange nicht mehr gesehen, zuletzt gingen die Preise in der Wirtschaftskrise 1929 deutlich nach unten. Was im ersten Moment für viele attraktiv klingen mag, ist für die Wirtschaft nicht wünschenswert. Bei konstant fallenden Preisen werden Anschaffungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern oft immer weiter geschoben und die Binnennachfrage bricht ein, da deutlich weniger Käufe getätigt werden.

Die Rolle von Zentralbanken rund um die Inflation

Von den Zentralbanken ist häufig die Rede, wenn es um Inflation geht. Das hat den Grund, dass es zu den Aufgaben der Zentralbanken gehört, die Währung stabil zu halten. Der Wert von Währungen hängt von mehreren Faktoren ab, was eine Gratwanderung für die Banken bedeutet. Sie müssen eine Inflation wie auch eine Deflation vermeiden. Für den Euro ist die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich. Diese hat ein Inflationsziel von zwei Prozent. Wenn dieses Ziel erreicht wird, dann darf die EZB die Konjunktur stützen. Niedrige Zinssätze führen nämlich häufig zu Wirtschaftswachstum und zu geringer Arbeitslosigkeit.

Direkt steuern kann die Inflation aber auch die EZB nicht. Sie bedient sich der Geldpolitik, nach welcher sie die Nachfrage durch teurere Kredite verringern kann. Günstige Kredite und niedrige Zinssätze sorgen hingegen für eine höhere Nachfrage.

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Was ist der Leitzins?

Die Zentralbanken legen auch den jeweiligen Leitzins fest. Doch was ist der Leitzins? Hier wird es durchaus kompliziert, da die Geldpolitik ein komplexes Konstrukt ist. Um es einfach zu erklären: Jede Zentralbank muss regelmäßig Geld an Geschäftsbanken herausgeben. Das hat den Grund, dass diese die Wirtschaft mit Krediten versorgen. Das Geld wird von den Zentralbanken aber nicht verschenkt, sondern mit Zinsen vergeben. Dabei handelt es sich um Leitzinsen, welche durch eine Erhöhung die Nachfrage bremsen. Eine solche Zinserhöhung wird als restriktive Geldpolitik bezeichnet.

Video: dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten

Was ist eine Rezession?

Für eine gute Entwicklung eines Landes muss dessen Wirtschaft wachsen. So weit, so verständlich. Allerdings funktioniert das nicht immer. Wenn die Wirtschaft keinen Zuwachs verzeichnet, dann wird von einem "Stau" oder auch von "Stillstand" gesprochen. Wenn sich die wirtschaftliche Lage sogar verschlechtert, dann befindet sich ein Land in einem Abschwung. Genau diese Szenerie wird auch als "Rezession" bezeichnet, was im Deutschen auch mit "Rückgang" übersetzt werden könnte. Folgen einer solchen Rezession sind oftmals eine höhere Arbeitslosigkeit und Staatsschulden. Die Regierung muss bei einer Rezession durch sogenannte Konjunkturpolitik nämlich versuchen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Steuersenkungen sind daher ebenfalls eine häufige Folge.

Was ist eine Stagflation?

Von einer Stagflation wird dann gesprochen, wenn die Inflation das Wirtschaftswachstum zunichtemacht. Wenn die Wirtschaft beispielsweise um fünf Prozent ansteigt, die Inflation aber bei 10 Prozent liegt, dann sinkt die reale und inflationsbereinigte Wirtschaftsleistung. Eine Stagflation gab es beispielsweise nach dem Ölpreisschock in den 1970er-Jahren. Damals war eine hohe Arbeitslosigkeit die Folge.

Was ist eine Hyperinflation?

Wenn die Inflationsrate in besonders hohe Sphären gelangt, dann wird von einer Hyperinflation gesprochen. Eine ganz genaue Definition gibt es nicht, dann als Faustregel gilt die Marke von 50 Prozent monatlicher Inflationsrate. Deutschland hat in seiner Geschichte einmal eine Hyperinflation erlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich die Inflation auf dem Höhepunkt, im Jahr 1923 kostete beispielsweise ein Ei 320 Milliarden Mark. Eine Währungsreform war die Folge. Ein Trauma blieb allerdings, denn sehr viele Menschen und Familien verloren damals ihre kompletten Ersparnisse.

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