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Tourismus

02.08.2018

Das Weltall könnte bald ein Urlaubsort sein

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Unternehmen wie das des Tesla-Gründers Elon Musk planen, das All touristisch zu erschließen
Bild: Nasa, dpa 

Tourismusforscher Werner Gamerith erklärt, warum Urlauber in immer abgelegenere Gebiete vordringen. Sogar das All ist nicht mehr sicher.

Herr Gamerith, täuscht es oder dringt der Tourismus tatsächlich immer weiter in unberührte Gegenden der Welt vor?

Werner Gamerith: Sobald Tourismus in neue Regionen vorrückt, sind diese nicht mehr wirklich „unberührt“. Es sind genau genommen nur Kulissen, die unberührt und menschenleer erscheinen und vor denen sich touristische Entwicklungen abspielen – etwa Hochgebirge, Wüsten oder Polargebiete. Weil in den vergangenen Jahren zahlreiche Destinationen aus politischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen aus dem Markt genommen werden mussten, sieht sich die Tourismusindustrie stärker denn je mit dem Druck konfrontiert, neue Ziele zu erschließen.

Gibt es eine Statistik dazu, wieviel Prozent der Welt inzwischen touristisch erschlossen sind?

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Gamerith: Im Prinzip gibt es praktisch keinen Punkt der Erde mehr, den man als Tourist nicht erreichen könnte – wobei dies für die letzten „unberührten“ Gegenden teilweise mit erheblichem Kostenaufwand verbunden ist. Sie können bei Spezialanbietern Touren auf die höchsten Gipfel der Erde und Segelturns zu den entlegensten Inseln der Welt buchen. Selbst Flüge ins All sollen in absehbarer Zeit kommerziell-touristisch vermarktet werden.

Weshalb sind den Urlaubern die klassischen Ziele nicht mehr genug?

Gamerith: Reisen als Distinktionsmerkmal, Urlaub als Statussymbol, Freizeitaktivitäten gegen alle Trends – genau dies ist der Trend in unserem Zeitalter, das die Individualisierung der touristischen Erfahrung in den Vordergrund stellt. Wer ist stolz darauf, Venedig im Sommer mit 40.000 anderen Tagestouristen teilen zu können? Oder Barcelona mit 20.000 anderen Kreuzfahrern?

Welche Ziele sind besonders sensibel?

Gamerith: Grundsätzlich alle Ziele, die nur mit einem erhöhten Aufwand an Logistik, Infrastruktur oder Energie erreicht werden können, sowie Gebiete, die ökologisch hoch empfindlich sind. Sobald Massentourismus einsetzt, unterliegen praktisch alle Ziele einer besonderen ökologischen Gefährdung – egal ob Metropole oder ländlicher Raum, Industriestaat oder Entwicklungsland.

In der Arktis wurde ein Eisbär erschossen, weil er den Mitarbeiter eins Kreuzfahrtschiffs angegriffen hat. Kann Tourismus auch mit Rücksicht auf Wildtiere funktionieren?

Gamerith: Einigen Zielen eines hochpreisigen Safaritourismus in Ostafrika ist ein effizienter Schutz der Wildtiere gelungen, vor allem dann, wenn auch die einheimische Bevölkerung von den Einnahmen aus diesem Tourismus profitiert.

Sollte man besonders sensible Reservate besser einfach unberührt lassen?

Gamerith: Ja, man sollte sich zumindest dahingehend bemühen, auch wenn der touristische Impuls dem stets zuwiderläuft. Einige wenige, meist jedoch sehr kleinräumige Beispiele von Schutzgebieten mit totalem Betretungsverbot – und strenger Handhabe von Ausnahmegenehmigungen – zeigen aber, dass sich solche Gebiete erfolgreich einrichten lassen.

Zur Person: Werner Gamerith ist Professor für regionale Geografie an der Universität Passau und forscht zu den Auswirkungen des Tourismus in verschiedenen Ländern.

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