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Spanien

04.02.2020

Die Liebe der Deutschen zu Mallorca ist leicht erkaltet

Auf Mallorca sind die Strände im vergangenen Jahr etwas leerer geworden. Einsam wird man dort allerdings noch immer nicht.
Bild: dpa

Obwohl die Baleareninsel aus touristischer Sicht kein leichtes Jahr hatte, kamen trotzdem mehr Urlauber. Dennoch plant die Inselregierung entscheidende Veränderungen.

Spaniens Urlaubsbranche durchflog in den letzten Monaten etliche Unwetter: Der Zusammenbruch des britischen Reiseriesen Thomas Cook; wochenlange Krawalle von Unabhängigkeitsbefürwortern in der katalanischen Tourismushauptstadt Barcelona; der Brexit, der bereits seit Monaten die Reiselust der Briten trübt; und die Abkehr der deutschen Urlauber, deren Zahl in Spanien seit zwei Jahren abnimmt. Doch trotz dieser Turbulenzen endete das Jahr 2019 noch mit einem neuen Besucherrekord.

Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto atmete leicht auf, als sie die Abschlussbilanz verkündete. 2019 sei besser verlaufen als erwartet, sagte sie: 83,7 Millionen internationale Urlauber besuchten Spanien – 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Immerhin ein kleines Plus, auch wenn dies weit entfernt ist von früheren zweistelligen Wachstumssprüngen.

Der Umsatz der Hoteliers, Gastronomen und Reiseveranstalter kletterte 2019 um erstaunliche drei Prozent auf 92 Milliarden Euro. Damit bleibt das Feriengeschäft eine der wichtigsten Einnahmequellen Spaniens, das nach Frankreich das meistbesuchte Land der Welt ist. Die ausländischen Urlauber tragen mehr als 12 Prozent zum spanischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Die Liebe der Deutschen zu Mallorca ist leicht erkaltet

Der Bankrott von Thomas Cook hatte für Unruhe gesorgt

Vor allem der Bankrott von Thomas Cook hatte im Herbst für große Unruhe gesorgt. Die Hoteliers waren auf unbezahlten Rechnungen in Millionenhöhe sitzen geblieben. Zehntausende Urlauber strandeten auf Flughäfen. Noch sehr viel mehr Touristen mussten unverrichteter Dinge zu Hause bleiben, weil der Pleitekonzern alle bereits gebuchten Ferienpakete stornierte.

Während die Thomas-Cook-Kunden noch immer um Entschädigungen kämpfen, hat sich der spanische Reisemarkt erstaunlich schnell vom Schock erholt: Andere große Reise- und Flugveranstalter nutzten die Lücke, um ihre Marktposition in Spanien auszubauen. Sie übernahmen binnen weniger Wochen Bettenkontingente und Flugrouten.

Aber nicht alle spanischen Urlaubshochburgen erholen sich gleichermaßen. Die Balearischen Inseln mit Mallorca und auch die Kanaren haben offenbar ihre Wachstumsgrenzen erreicht. Auf Mallorca ging die Zahl der ausländischen Urlauber um fast zwei Prozentpunkte zurück. Auf den Kanarischen Inseln, zu denen die Ferienparadiese Teneriffa und Gran Canaria gehören, sogar um mehr als vier Prozent. Derweil verbuchen andere Ziele an der Festlandküste, vor allem die Costa del Sol und die Costa Blanca, üppige Zuwächse.

Dabei ist bemerkenswert, dass sich ausgerechnet die Deutschen von ihrer bisherigen Lieblingsinsel zurückziehen: Bereits zum zweiten Mal sinkt die Zahl der germanischen Feriengäste auf Mallorca – in 2019 um knapp drei Prozent. Trotzdem stellen die „Alemanes“ mit etwas mehr als vier Millionen Gästen immer noch das größte Urlauberkontingent auf Mallorca, danach folgen die Briten. Doch kommen noch immer 10, 3 Millionen Touristen.

Mallorca und der Sauftourismus

Es klingt paradox: Aber den mallorquinischen Tourismuspolitikern kommt die sinkende Nachfrage aus dem Ausland nicht ungelegen. Die Inselregierung klagt seit Jahren über die Auswüchse des Massentourismus. Im vergangenen Jahr wurde deswegen die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel gedeckelt. Eine „Bettensteuer“ wurde eingeführt, welche jedem Urlauber abgeknöpft wird. Nun soll es zudem dem Party- und Sauftourismus an den Kragen gehen, weil er der Insel immer wieder Negativschlagzeilen beschert.

Klasse statt Masse, lautet das Motto dieses touristischen Kurswechsels. Mallorca will schöner, nachhaltiger und ein bisschen luxuriöser werden. Deswegen werden immer mehr Billigabsteigen modernisiert und zu Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels umgewandelt. „Wir wollen“, verkündet selbstbewusst die Inselregierung, „in Qualität wachsen und nicht in der Quantität.“

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09.02.2020

Einmal Mallorca, das hat gereicht.

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