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Thailand

30.10.2018

Ein abenteuerlicher Streifzug durch Bangkok

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7 Bilder
Impressionen aus Bankok: die schillernde City, ...
Bild: Foto: Ulf Lippmann

Plus „One Night in Bangkok“ - was erzählt der berühmte Musical-Ohrwurm über Thailands Hauptstadt? Mehr als man denkt

Da ist er, der Ohrwurm. Kaum dass das Ziel der Reise feststeht, schlängelt er sich schon durch den Kopf: „One Night in Bangkok“ – und bleibt. Aber was singt Murray Head eigentlich über die Stadt? Von liegenden Buddhas und goldenen Klöstern? Vom braunen Fluss und einem Teufel, der neben ihm geht? Was hat das mit Bangkok zu tun? Wir haben uns auf den Weg gemacht.

One night in Bangkok and the world’s your oyster/The bars are temples but their pearls ain’t free/You’ll find a god in every golden cloister/A little flesh, a little history/I can feel an angel slidin’ up to me

Übersetzung: Eine Nacht in Bangkok und die Welt wird für dich zur Auster / Die Bars sind Tempel, aber ihre Perlen nicht umsonst / Du wirst in jedem goldenen Kloster einen Gott finden / Ein wenig Fleisch, ein bisschen Geschichte / Ich fühle, wie ein Engel auf mich zugleitet.

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Eine Auster ist nicht gerade das Erste, was einem zu dieser 14-Millionen-Metropole einfällt, aber so manches hier bleibt dem Besucher rätselhaft. Zum Beispiel, wie die Thais das dauernde Verkehrschaos in ihrer Stadt überleben und es schaffen, trotz drückender Hitze nicht zu schwitzen und immer perfekt auszusehen. Etwa in den schicken Bars, die seit einigen Jahren zum Höhenflug angesetzt haben. Offene Skybars auf den Dächern der Wolkenkratzer sind schwer in Mode. Kaum ein Hotel ohne Aussichtsdeck. Und tatsächlich ist ein Sundowner über den Dächern von Bangkok eine Reiseperle, die lange in Erinnerung bleibt – auch wegen des Preises, der mit der Anzahl der Stockwerke steigt.

Deutlich günstiger wird das Leben am Boden. Es gibt keine Straßenecke, an der nicht für wenig Geld hervorragendes Essen verkauft wird. Vor mancher Bude bilden sich abends lange Schlangen, weil die gute Küche weit über das Viertel hinaus bekannt ist. Es gibt sogar einen Straßenstand mit Michelin-Stern. Wer nur schnell ein paar geröstete Insekten knabbern will, muss dagegen nicht warten. Der Andrang am Grillen-Imbiss ist überschaubar.

Fast genauso beliebt wie die Garküchen sind die zahlreichen historischen Tempel mit ihren goldenen Götterstatuen. Der Duft von Räucherstäbchen überdeckt den Benzingeruch und die besondere Atmosphäre lässt das Chaos vor der Tür vergessen. Versunken beten und meditieren die Bangkoker, und plötzlich bekommen auch Besucher eine Ahnung davon, warum Bangkok „Stadt der Engel“ genannt wird.

Siam’s gonna be the witness / To the ultimate test of cerebral fitness /This grips me more than would a muddy old river / Or reclining Buddha. Siam wird Zeuge sein / Beim ultimativen Test der geistigen Fitness / Das ist packender für mich als ein alter schlammiger Fluss / oder ein liegender Buddha.

Es ist anstrengend, all die Eindrücke zu verarbeiten. Hirn und Herz leisten Schwerarbeit zwischen riesigen Tempelwächtern im Königspalast, unüberschaubaren Shopping-Zentren und Bergen von knalligen Blüten auf dem Orchideenmarkt. Eine Herausforderung besonderer Art ist der Flohmarkt Chatuchak, der jedes Wochenende stattfindet und als einer der größten der Welt gilt. „Hier findest du alles, du darfst nur nichts suchen“, heißt der Tipp für Besucher. Vielen Dank!

Es dauert nicht lange, und man ist verloren im Gewirr der Stände voller Blechgeschirr, Souvenirs, Designerklamotten und Haustieren von Goldfisch bis Eichhörnchen. Es scheint fast unmöglich, hier je wieder herauszukommen.

Doch dann taucht der breite braune Fluss vor den Fenstern des modernen Skytrain auf und gibt Touristen die Orientierung zurück. Der Chao Praya ist die Lebensader Bangkoks. Riesige Lastenkähne werden von Schleppern gezogen und transportieren Reis, Kies und vieles mehr den Fluss rauf und runter. Dazwischen zischen die öffentlichen Passagierboote übers Wasser, bunt beleuchtete Partyschiffe und kleine wendige Longtail-Boote mit Büscheln knalliger Blumengirlanden am Bug. Vom breiten Chao Praya zweigen viele kleinere Kanäle ab, die Klongs. In schmalen Booten oder sogar per Kajak lassen sich vom Wasser aus Wohnviertel Bangkoks erleben, in denen die Zeit ein wenig langsamer zu laufen scheint. Holzhäuser auf Stelzen säumen die grün überwucherten Ufer.

Am Rande eines Tempelgeländes lassen Gläubige ein paar Fische frei und werfen ihnen noch etwas Futter hinterher, während wenige Meter weiter Kinder im braunen Wasser planschen. Hier gibt es auch noch die echten schwimmenden Märkte, auf denen sich die Leute aus der Nachbarschaft mit allem eindecken, was auf einem kleinen Boot transportiert werden kann. Kaum zu glauben, dass das laute, glitzernde Bangkok keine halbe Stunde weit weg ist. Von der Anlegestelle am großen Königspalast ist es nicht weit zum liegenden Buddha im Tempel Wat Po. Der 46 Meter lange goldene Gigant liegt dort in einer prächtigen Halle und ist eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier drängen sich Touristen und Einheimische, um einen Blick auf den lächelnden Buddha zu werfen.

Get Thai’d, you’re talking to a tourist / Whose every move’s among the purest: / „I get my kicks above the waistline, sunshine“ Lass dich von Thailand fesseln, aber du sprichst mit einem Touristen/ der nur die redlichsten Absichten hat:/ Ich bekomme meine Kicks oberhalb der Gürtellinie, Sonnenschein!“

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Bangkok vor allem für sein zwielichtiges Nachtleben berühmt war und nur eine bestimmte Art von Touristen anzog. In der Khaosan-Road leben junge Backpacker aus der ganzen Welt genauso ihren Traum von Asien wie betuchtere Urlauber den ihren in den Luxushotels und Skybars.

Kicks auch oberhalb der Gürtellinie gibt es beim Thaiboxen genug. Im Rajadamnern-Stadion tanzen sehnige schmale Männer, die zwischen 13 und 33 Jahre alt sein könnten, durch den Ring, verbeugen und verbiegen sich nach einer bestimmten Choreografie, um dann aufeinander einzuprügeln und ihren Gegner auch mit Tritten und Kniestößen niederzustrecken. Das Publikum flippt aus. Alles, was der Thai eigentlich nicht ist, ist er hier: laut, unkontrolliert, brutal.

Die Stimmen einiger Mädchen überschlagen sich, als ihr Favorit einen harten Schlag einstecken muss. Als er zu Boden geht, schreit und weint eine. Die Männer auf den Rängen fieber mit, weil sie Geld auf die Boxer gesetzt haben. Eine vierköpfige Band mit Trommeln, Zimbeln und Flöte sorgt für die Hintergrundmusik, die sich schnarrend und rumorend gegen den Lärm behaupten kann. Der Rhythmus wird dem Kampf angepasst und heizt die Stimmung an. Diesem Sog kommt niemand aus. Beim Verlassen des Stadions geht es dann schnurstracks in den Souvenirshop, wo es knallbunte Boxhandschuhe gibt und diese grellen Muay-Thai-Glitzershorts, die daheim als Geschenk garantiert ein Riesenreinfall sind.

One night in Bangkok makes the hard man humble / Not much between despair and ecstasy / One night in Bangkok and the tough guys tumble / Can’t be too careful with your company / I can feel the devil walking next to me. Eine Nacht in Bangkok macht den harten Mann demütig / Es ist nicht viel zwischen Verzweiflung und Extase / Eine Nacht in Bangkok lässt auch den härtesten Kerl stolpern / Du kannst nicht vorsichtige genug sein bei der Auswahl deiner Begleitung / Ich spüre, dass der Teufel neben mir geht.

Diese Stadt macht wirklich demütig. Ob im Angesicht goldener Riesenbuddhas oder beim nächtlichen Blick auf das endlose Lichtermeer, in dem viele Träume wahr werden können und noch mehr zerplatzen, spürt jeder, wie klein er ist. Zwischen Verkehrschaos und Gebet, Sterneküche und Grillgrille, Designermode und Billigfummel liegen in Bangkok nur ein paar Straßen oder Stockwerke. Wer sich nicht selbst auf die Suche machen will, kann sich all das auch zeigen lassen, denn es sind diese Kontraste, die eine Nacht in Bangkok zu etwas Besonderem machen.

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