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Tourismus

07.05.2020

Forscher: "Wir werden um Preiserhöhungen nicht herumkommen"

Die Corona-Krise wirbelt die Reisepläne vieler Menschen durcheinander. Machen in diesem Jahr besonders viele Deutsche Urlaub im eigenen Land - zum Beispiel in den Bergen?
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Für viele Deutsche dürfte Urlaub im eigenen Land 2020 die einzige Option sein. Jürgen Schmude erklärt im Interview, warum er trotzdem nicht mit dem ganz großen Ansturm rechnet.

Herr Schmude, die Corona-Krise wirbelt die Reisepläne vieler Deutscher durcheinander. Wird für sie zumindest der Urlaub im eigenen Land eine Option sein?

Jürgen Schmude: Das hängt natürlich vom weiteren Verlauf der Corona-Krise ab. Wie es momentan aussieht, wird zwar Urlaub innerhalb von Deutschland möglich sein. Allerdings werden wir nicht 100 Prozent der Bettenkapazitäten zur Verfügung haben. Mecklenburg-Vorpommern hat beispielsweise bereits einen Plan vorgelegt und steigt mit 60 Prozent ein.

Rechnen Sie mangels Alternativen mit einem Ansturm auf deutsche Urlaubsorte?

Schmude: Es werden mit Sicherheit Menschen Urlaub in Deutschland machen, allerdings wird es auch einen erheblichen Anteil an potenziellen Touristen geben, die sagen: Einen Urlaub mit Abstandsregelungen und Plastiktrennwänden beim Essen wollen wir nicht. Viele Menschen verbringen ihre Freizeit dann doch lieber auf dem eigenen Balkon. Das ist aber kein großes Problem, weil die Kapazitäten eben nicht auf einen großen Ansturm ausgelegt sind. Mehr als 60 Prozent der Deutschen verbringen ihren Haupturlaub normalerweise im Ausland - alle von ihnen könnten wir gar nicht beherbergen.

Also ist auch nicht zu befürchten, dass in bestimmten Regionen Chaos ausbricht?

Schmude: Chaos erwarte ich nicht. Punktuell kann es aber schon zu Engpässen kommen - insbesondere an touristischen Hotspots wie der Küste, den Mittelgebirgen oder den Alpen, wo relativ viele Menschen hinwollen. Dort kommen ja auch immer noch die Tagestouristen hinzu, die wesentlich schwerer zu lenken sind als Urlauber, die übernachten.

Outdoor-Aktivitäten könnten noch beliebter werden

Gibt es Regionen, die vom Binnentourismus besonders profitieren können?

Schmude: Vor allem Ziele, die Outdoor-orientierte Aktivitäten anbieten. Die lagen schon vor Corona voll im Trend. Durch die aktuelle Situation wird das noch verstärkt, weil massentouristische Formen von den Menschen eher gemieden werden.

Welche konkreten Einschränkungen wird es in den Hotels geben?

Schmude: Man muss abwarten, was festgelegt wird. Das sind letztlich gesundheitspolitische Entscheidungen, an denen Touristiker nichts ändern können. Es sind aber die Rahmenbedingungen, unter denen sie agieren müssen. Für sie gilt, unter diesen Umständen kreative Konzepte zu entwickeln: Beispielsweise muss die An- und Abreise im Hotel möglichst berührungsfrei organisiert werden und der Betrieb im Restaurant unter den Auflagen aufrecht erhalten werden. "Business as usual" wird definitiv nicht herrschen.

"Die Branche hat schon jetzt erhebliche Umsatzausfälle und Einbußen"

Wie wichtig ist es aus wirtschaftlicher Sicht, dass der Tourismus bald wieder anläuft?

Schmude: Die Branche hat schon jetzt erhebliche Umsatzausfälle und Einbußen. Deswegen sind sich wohl alle darüber einig, dass es bald wieder losgehen muss. Dabei müssen aber eben auch die gesundheitlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Teilweise werden wir auch nicht um Preiserhöhungen kommen. Das ist aktuell einfach eine Ausnahmesituation.

Und wann wird sich die Lage wieder normalisieren?

Schmude: Es werden schon im Sommer bestimmte Länder ihre Grenzen wieder öffnen. Die Frage ist aber: Wie entwickelt sich Corona weiter? Das Robert Koch-Institut hat am Dienstag gewarnt, dass es eine zweite Infektionswelle geben wird. Aber auch sie wissen nicht, wie diese genau aussehen wird. Wenn jemand heute behauptet, er wüsste wie es im Juli oder August um den Tourismus steht, ist er ein Scharlatan. Das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös beantworten.

Zur Person: Jürgen Schmude ist Professor für Tourismuswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft.

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