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Jubiläum
18.07.2021

Wer war Kaspar Hauser? Ansbach feiert Jubiläum und rätselt weiter

Ansbach ist ein schmuckes Städtchen - samt der prachtvollen Residenz.
Foto: Lilo Solcher

Die mittelfränkische Stadt feiert 800 Jahre. Auch wenn die Corona-Pandemie einige Pläne durchkreuzt hat, in den Sommermonaten soll tatsächlich gefeiert werden. Welche Rolle dabei Kaspar Hauser spielt.

Beinahe hätten wir die beiden Bronzefiguren übersehen, weil Baumaschinen den Blick auf das Denkmal verstellen. Zwei Mal zeigt es Kaspar Hauser – als verwahrlosten Findling und als Gentleman. Bis heute gibt die Figur des Unbekannten Rätsel auf: „Hier ruht Kaspar Hauser, ein Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Geburt, geheimnisvoll die Umstände seines Todes“ steht auf seinem Grabstein. Gerade mal zwei Jahre – von 1831 bis 1833 – lebte Europas wohl berühmtestes Findelkind in Ansbach. Und doch wurde Kaspar Hauser, der an den Folgen eines ungeklärten Messerstichs starb, zum berühmtesten Bürger der Stadt, die sich gern auch Kaspar-Hauser-Stadt nennt. Und alle zwei Jahre finden hier die Kaspar-Hauser-Festspiele statt.

Doch wer war dieser seltsame Mann, der 1828 16-jährig in Nürnberg auftauchte, verwahrlost, fast sprachlos? Ein illegitimer Spross aus einem europäischen Adelsgeschlecht? Ein badischer Prinz? Oder doch nur ein Betrüger? Bis heute schießen die Spekulationen ins Kraut.

Das Herrieder Tor in Ansbach.
Foto: Lilo Solcher

Im Ansbacher Markgrafenmuseum können Besucher unter dem Motto „Wer bist du, Kaspar Hauser?“ auf Spurensuche gehen und unter anderem eine blonde Haarlocke des rätselhaften Mannes und zwei Zeichnungen aus seiner Hand bewundern. Das Schicksal des Namenlosen inspirierte Dichter von Georg Trakl bis Paul Auster. Der Film von Werner Herzog „Jeder für sich und Gott gegen Alle“ wurde allerdings nicht in Ansbach gedreht, sondern im nahen Dinkelsbühl.

Ansbach ist ein schmuckes Städtchen mit vielen Toren und Türmen

Denn im Gegensatz zu dem schmucken Städtchen, das mit seinen Toren und Türmen zu einer Zeitreise ins Mittelalter einlädt, bietet Ansbach mit seinen rund 42.000 Einwohnern kein einheitliches Stadtbild. Umso reizvoller sind die Entdeckungen bei einem Stadtrundgang. 800 Jahre Geschichte feiert die Residenzstadt in diesem Jahr.

Die Corona-Pandemie hat so manche Pläne verhagelt. Aber inzwischen kann man auch in Ansbach wieder feiern. Und das tun die Ansbacher sichtbar gern. In der hübschen Altstadt, die den Weltkrieg unzerstört überstanden hat, haben Restaurants, Wirtshäuser und Eisdielen geöffnet, es wird eingekauft, gegessen und getrunken. In den Gassen ist das Leben zurückgekehrt – auch wenn noch einige Baustellen den Alltag beeinträchtigen.

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So richtig Eindruck macht die Stadt in der Maximilianstraße mit einer imposanten Reihe von spätbarocken und klassizistischen Hausfassaden. Durchs Herrieder Tor mit dem achteckigen Aufbau geht’s gleich mitten hinein in die Altstadt – womöglich begleitet vom Hohenfriedberger Marsch, den das Glockenspiel um 11 und um 17 Uhr spielt.

Das Spiegelkabinett in Ansbach erzählt von Macht und Pracht

Rund um den Karl-Wilhelm-Brunnen ist gerade Wochenmarkt. Die Händler haben ihre Auslagen üppig mit Früchten der Region bestückt. Pralle Kirschen aus dem Fränkischen, Erdbeeren, Radieschen, Tomaten. Ein Farbenmeer breitet sich unter der Kirche St. Gumbertus aus, die schon von außen eine überraschende Mischung verschiedener Baustile aufweist.

Im Innern der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche kontrastiert der schlichte Predigtsaal mit der spätgotischen Schwanenritterkapelle. Noch älter ist die romanische Krypta unter der Kapelle mit der Markgrafengruft.

Das Denkmal für Kaspar Hauser in Ansbach.
Foto: Lilo Solcher

Beim Rundgang durchs Zentrum ziehen immer wieder auffallend schöne Bauten die Augen auf sich, zum Beispiel die Markgräfliche Hofkanzlei aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, die heute den Verwaltungsgerichtshof beherbergt. Oder das Stadthaus. Es ist nicht nur Sitz des Oberbürgermeisters, auch die Tourist-Information hat im ehemaligen Landständehaus ein durchaus repräsentatives Zuhause.

Das Schloss, in dem die Regierung von Mittelfranken residiert, ist teilweise eingerüstet. Doch die Frontseite der ehemaligen markgräflichen Residenz am Schlossplatz strahlt Stein gewordene Autorität aus. Von Macht und Pracht früherer Zeiten erzählen die prächtigen Säle und das Spiegelkabinett. Ziemlich außergewöhnlich sind die drei barocken Pferde-Präparate, die Besucher im Rahmen eines Rundgangs zu Gesicht bekommen. Wie zu Kaspar Hauser gibt es auch zu diesen Vierbeinern so manche (Helden-)Geschichte.

Hinter dem Theater öffnet sich der weitläufige Hofgarten

Wendet man sich ab vom Schloss, steht da das gläserne Theater und dahinter öffnet sich der weitläufige Hofgarten. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde er als barocke Parkanlage rekonstruiert. Sehenswert der kleine Kräutergarten zur Erinnerung an den in Wemding geborenen Botaniker und Mediziner Leonhard Fuchs. Hier findet man alle Pflanzen, die in seinem Standardwerk, dem neuen Kräuterbuch, vorkommen. Nur nicht die Fuchsie. Die Pflanze aus der Gattung der Nachtschattengewächse wurde erst 100 Jahre nach dem Tod des Wissenschaftlers nach ihm benannt.

Herzstück des Hofgartens ist die nach Originalplänen rekonstruierte Orangerie, an heißen Sommertagen spendet die doppelte Lindenallee willkommenen Schatten. Schade nur, dass der „Himmelsweiher“ am anderen Ende fast ganz zugewachsen ist und sich kaum für eine Abkühlung eignet. Dafür stößt man auch hier auf Kaspar Hauser. Ein Denkmal erinnert an das vermeintliche Attentat. Die Inschrift „Hier wurde ein Unbekannter von einem Unbekannten auf unbekannte Weise ermordet“ bleibt so rätselhaft wie die Hintergründe zu Leben und Sterben des Kaspar Hauser. Und Ansbach wird wohl noch lange vom Mythos des Namenlosen profitieren – und von seiner Geschichte, die vor 800 Jahren als Onoldsbach begann.

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