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Reisen in Corona-Zeiten

06.07.2020

Mein Platz an der Sonne: Wie sich Bibione auf den Corona-Sommer einstellt

Ein Klassiker des deutschen Urlaubens an der Adria: Auf den Liegen in Bibione – für diesen Sommer wurde ihre Zahl allerdings ausgedünnt.
Bild: Adobe.Stock

Plus Bibione zählt zu den beliebtesten Badezielen der Oberen Adria. Warum es von Vorteil sein könnte, den Strandplatz diesen Sommer vorab online zu buchen.

Bibione Spiaggia oder Lido del Sole? Wer in Corona-Zeiten nichts dem Zufall überlassen möchte, bucht seinen Strandplatz online und hätte dann am 12. August etwa die Wahl zwischen Sonnenschirm 136, Reihe 9 oder Sonnenschirm 81, Reihe 5. Jeweils für 18,50 Euro. Vorne direkt am Wasser kostet es zwei Euro mehr am Tag. Wie stark die Nachfrage ist, sieht man an den grünen und roten Punkten auf dem Buchungsportal. Im August ist schon viel rot – aber auch noch einiges frei.

Bibione. Klassisches italienisches Massentourismusziel. Hier wollen alle nur das eine. Strand, Strand, Strand – und noch mal Strand. Denn der ist besonders: mehr als zehn Kilometer lang, führt flach ins Meer und ist feinkörnig. Darüber hinaus ist er auch noch breit: bis zu 400 Meter, Platz für 50 Reihen Sonnenliegen – in normalen Zeiten. Jetzt sind es auch an den beliebten, zentralen Strandabschnitten nur etwa 25 Reihen. Am Hundestrand auch nur zirka zehn.

Bibione hat 100.000 Betten und 3000 Einwohner

Italien war besonders stark von der Pandemie betroffen, die Schlagzeilen und die Fernsehbilder wirken bei vielen Urlaubern noch immer nach. Nun wird viel getan, um Vertrauen zu gewinnen. Bibione lebt wie alle klassischen Adriaorte vom Sommertourismus, am Ende der Saison werden hier die Bürgersteige hochgeklappt. Der Ferienort hat 100.000 Betten, doch ganzjährig leben hier nur dreitausend Menschen. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle des Ortes.

Für die Adria-Urlauber wird sich in diesem Sommer nicht nur in Bibione einiges ändern. Genau wie in Lignano, Jesolo, Grado werden auch hier die Sonnenliegen am Strand fest vergeben – egal ob online gebucht oder kurzfristig direkt im Bagno reserviert. Die freien Strände, in Bibione sind das die westlichen und östlichen Strandabschnitte, können weiter genutzt werden. Um den Abstand einzuhalten, wurden in allen freien Strandbereichen Markierungen aufgestellt. Der Zugang zu den freien Stränden ist allerdings nur nach einher kostenfreien Reservierung auf der Website erlaubt.

Namen, Herkunft und Telefonnummer müssen dabei angeben werden. Über den Strandbädern wird ein Duft von Desinfektionsmitteln liegen. Sonnenliegen, Liegestühle und Sonnenschirme, so informiert Bibione auf der Homepage, werden täglich gereinigt und auch beim Wechsel der Gäste jedes Mal desinfiziert. Der Nachweis der Registrierung sollte zudem tunlichst nicht im Sand Verschütt gehen.

Der Ort Bibione an der Adria übt sich in Normalität

Ansonsten übt sich der Urlaubsort zum Saisonauftakt in Normalität. Das Thermalzentrum ist geöffnet – genauso wie die Restaurants, Cafés, Bars und auch zahlreichen Fahrradverleihe. Ein Klassiker ist die Tour ans Ende der Landzunge, wo sich der Leuchtturm von Bibione befindet. Seit 1913 bewacht er die Mündung des Tagliamento, der hier breit und träge in die Adria mündet. Eine ganze Flotte von Rädern ist meist rund um den Turm geparkt: Strandbesucher, die den naturbelassenen Abschnitt den Strandbädern vorziehen. An seinem Ende treffen sich Süß- und Salzwasser. Wer der Via del Faro vom Leuchtturm aus ein Stückchen weiter folgt, erreicht die Fähre über den Fluss. Sie bringt Radler und Flaneure von der Halbinsel Bibione ins benachbarte Lignano – und damit auch von Venetien nach Friaul Julisch Venetien. Denn der Fluss bildet hier die Grenze zwischen beiden Regionen.

An den Ufern des Tagliamento ist die Biodiversität hoch. Über dreihundert Pflanzenarten werden hier gezählt, viele von ihnen selten geworden oder bedroht. Hinzu kommen Amphibien wie der Springfrosch, zweihundert Schmetterlingsarten, zahlreiche andere Insekten sowie fünfzig Vogelarten vom Wintergoldhähnchen, einer der kleinsten Vogelarten Europas, bis zur Ringeltaube. Der Tagliamento, der als Wildfluss in den Alpen entspringt, spült Sand und Samen an, weshalb hier am Mittelmeer alpine Pflanzen wachsen, die sich an die Sandböden angepasst haben. Bibione mit seinen Hotels, Geschäften und Eisdielen scheint hier ganz weit weg.

 

Nur ein schmaler Streifen Land mit der Via Pineda darauf verbindet Bibione mit dem Festland. Ansonsten ist der Badeort von Wasser umschlossen; nördlich und westlich liegt die Lagune, an einer Seite der Tagliamento; vor der Halbinsel erstreckt sich die Adria. Vor sehr langer Zeit bestand die Halbinsel aus mehreren Inselchen. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet durch Kanäle und Dämme entwässert, bis um 1950 wenig mehr als ein sehr breiter Sandstrand und Pinienwald übrigblieben waren – die Geburtsstunde Bibiones als Badeort. Er zählt zu jenen Zielen an der oberen Adria, an denen vor allem Familien aus Deutschland und Österreich über Generationen hinweg ihre Urlaube verbringen. Das Zusammenspiel von zuverlässig gutem Wetter, Strandtagen unter buntem Sonnenschirm sowie Pasta und Meeresfrüchten am Abend gilt vielen Menschen aus den Regionen nördlich der Alpen als Inbegriff sommerlichen Glücks.

Die Einheimischen zieht es eher in die Lagune

Um das Idyll zu erhalten, erklärte Bibione seine acht Kilometer Strand im vergangenen Jahr zur rauchfreien Zone, um weitere Verschmutzung des Meers durch Zigarettenkippen zu vermeiden. Ohnehin hat der Nachhaltigkeitsgedanke an Bedeutung gewonnen. Die Gäste werden ermutigt, Fahrrad zu fahren. Radwege gibt es reichlich. Das letzte Hotel, das im vergangenen Jahr in Bibione eröffnet wurde, ist ein Öko-Resort, für das kein Baum gefällt wurde. Für weitere Bauten fehlt der Platz, denn ans neue Hotel schließt unmittelbar ein Biosphärenreservat an – und dann Wasser.

Während es die Urlauber ans Meer zieht, sind viele Einheimische von der dem Land zugewandten Lagune fasziniert. So wie Moreno Teso, ein Hobbyfischer und -jäger, der jede freie Minute auf dem Wasser verbringt. „Es ist noch immer viel Fisch da, aber es ist weniger als früher§, erzählt er von seinen Beobachtungen. Der 64-jährige stammt aus einem Dorf bei Caorle und lebt seit dreiundvierzig Jahren hier.

Genug Zeit, um den Rhythmus der Lagune zu verinnerlichen. Er weiß, dass der Zeitpunkt auf halbem Weg zwischen Ebbe und Flut der perfekte zum Fischen ist und dass die Aale aus ihren Verstecken kommen, um zu jagen, wenn der Scirocco weht und das Wasser hoch in der Lagune steht. Zwar hat der gelernte technische Zeichner den größten Teil seines Lebens als Bauunternehmer gearbeitet und sich nebenbei als Politiker betätigt. Doch seine Leidenschaft gehört der Lagune. Schon als Schüler verbrachte er seine Ferien in den Casoni, den traditionellen Schilfhütten der Fischer.

Heute sind Touren aufs Wasser für ihn das beste Mittel gegen Stress. „Es ist eine Art Meditation“, sagt er. „Die Ruhe da draußen ist wie Medizin. Man hört nichts außer den Stimmen der Vögel.“ Deshalb fährt er alleine in die Lagune, lauscht den Stimmen der Vögel und dem Geräusch des Wassers am Boot, angelt Goldbrassen – und sammelt Müll ein. Seit einigen Jahren holen Fischer und Umweltschützer alljährlich im Februar, wenn die Fische zur Fortpflanzung im Meer sind, Plastik aus dem Wasser. Teso macht auch das restliche Jahr über weiter. „Wenn die Lagune nicht mehr intakt wäre, würde mit ihr auch ein Teil von mir enden.“

Die Urlauber, die ihre Tage zwischen Strand und Meer verbringen, treffen dennoch meist erst am Abend auf die Meeresbewohner. Dann türmen sich gegrillte Tintenfisch, Sardellen und Muscheln auf dem Vorspeisenteller, bevor Spaghetti mit Meeresfrüchten und gegrillter Aal serviert werden. Und am nächsten Tag geht es dann wieder al mare – vielleicht zu Sonnenschirm 136, Reihe 9. Wenn dieser nicht schon gebucht wurde.

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