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Alaska

24.01.2017

Mit dem Kajak durch die Wildnis

Janosch Hagen (links) und Jan Krüger mussten auf ihrer Tour die Kajaks auch durch ein Gebirge schleppen.
Bild: Janosch Hagen

Janosch Hagen war mit einem Freund in Nordkanada und Alaska unterwegs. Sie trafen Bären, schliefen auf Eisschollen und träumten irgendwann nur noch vom Essen.

Zwei Monate komplett von der Zivilisation abgeschnitten zu sein, zu hungern, Bären zu begegnen und immer ein Kajak mitzuschleppen – das klingt nach großer Strapaze. Für den Augsburger Janosch Hagen hingegen war es ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging. Der Student und ein Freund haben die westkanadische Arktis und Alaska mit Kajaks durchquert. Ein halbes Jahr waren sie unterwegs. Sechs Monate voll atemberaubender Natur und gefährlicher Situationen.

Drei Jahre ist das große Abenteuer von Hagen und seinem Kumpel Jan Krüger bald her. Aber für den 26-Jährigen ist es immer noch präsent. Spätestens wenn er mit seiner Multivisionsshow „Conquest of the North“ die Besucher in den Bann seines erlebten Abenteuers zieht. Am Freitag, 3. Februar, wird er im Augsburger Barbarasaal von seinem Abenteuer berichten. 4500 Kilometer haben die beiden durch Kanada und Alaska zurückgelegt. Mit dem Kajak. „Es gibt dort kein anderes Mittel, wenn man in der Wildnis unterwegs sein will“, sagt Hagen.

Ausgangspunkt war der große Sklavensee in Kanada, der im Mai noch zugefroren war. „Wir mussten bei bis zu minus 20 Grad über einen Eispanzer laufen.“ Auf dem Mackenzie River paddelten die Freunde 1500 Kilometer lang. Dabei kam es zu gefährlichen Situationen.

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Und plötzlich war das Eis weg

„Es war einer der ersten Tage. Links und rechts vom Fluss waren haushohe Eiswände. Es wurde dunkel, aber wir gelangten nirgends ans Ufer“, erzählt der Augsburger. Sie entschieden sich, auf einer Eisscholle zu schlafen. „Die war so groß wie ein Supermarktparkplatz und sah solide aus.“ Als die beiden am nächsten Morgen aufwachten, gab es eine böse Überraschung. Sie waren kurz davor, in ihren Schlafsäcken in den Fluss zu fallen. Von der riesigen Eisscholle war nur noch ein kleines Fleckchen übrig, die Füße hingen schon im Wasser. Der Rest der Scholle war in der Nacht weggebrochen. Die Freunde hatten Glück im Unglück. Denn die Kajaks waren noch da. Lediglich eine Neoprensocke und eine Pfanne fehlten. Tage später hätte sie eine hohe Welle beinahe zum Kentern gebracht. In die wenigen Situationen, die heikel waren, hätten sie sich selbst hineinmanövriert, sagt Hagen im Nachhinein.

Janosch Hagen hat sich mit seiner Kajak-Tour durch Kanada und Alaska einen Kindheitstraum erfüllt. Auch wenn es auf diesem Bild vielleicht nicht danach aussieht.
Bild: Janosch Hagen

Für die beiden war es das erste Abenteuer ihres Lebens. Sie sind zuvor auch noch nie Kajak gefahren. Hagen hatte vor der Reise noch einen Anfängerkurs in Augsburg absolviert, sein Freund hingegen gar nicht. Dennoch habe man sich lange und gut vorbereitet, auch was die Ausrüstung anbelangt, betont er. Da es von der Strecke keinerlei Landkarten gab, haben sich die Studenten vorab selbst beholfen. Sie gaben die Route bei Google Earth ein und notierten sich bei Abzweigungen die Koordinaten. Unterwegs hatten sie ein GPS, also ein globales Navigationssatellitensystem, mit dabei. Und laminierte Ausdrucke von Google Earth.

Die heftigste Etappe war die Überquerung der Richardson Mountains, um hinter dem Gebirge zum Yukon River zu gelangen und über den letztendlich zur Beringsee. Zwei Monate quälten sich die beiden durch das Gebirge. Die Kajaks wurden gezogen. „Teilweise kamen wir an einem Tag nur zwei Kilometer voran“, berichtet Hagen. Während an den Flüssen alle Tage mal ein Dorf auftauchte, war im Gebirge ein Flugzeug am Himmel das einzige Zeichen von Zivilisation. „Diese Einsamkeit ist unvorstellbar.“ Ganz einsam waren die beiden nicht immer. Abgesehen von den vielen Mücken gab es etliche Begegnungen mit Wölfen und Elchen. Und Bären.

Janosch Hagen und Jan Krüger sind auf ihrer Abenteuerreise durch Alaska und Kanada vielen Bären begegnet, wie diesem Grizzlybär.
Bild: Janosch Hagen

Als sie nachts einen Grizzly durch die Zeltwand atmen hörten, wurde ihnen schon anders zumute. Oder die Situation am Lagerfeuer. „Keine vier Meter hinter uns stand plötzlich ein Bär.“ Während Hagen die Kamera holte, griff Krüger zum Bärenspray, ein hoch konzentriertes Pfefferspray. Der Bär kam zwar ans Feuer. „Aber er griff sich nur ein paar Spaghetti und haute wieder ab. Eigentlich sind die ja sehr scheu.“ Keines der Tiere habe sich aggressiv gezeigt. Die beiden Abenteurer hielten eine der wichtigsten Regeln in der Wildnis ein: den Schlaf- vom Essplatz immer zu trennen.

Traum von Pizza

Essen war ein Thema, das Hagen und Krüger schwerfiel. Während die Bärte im Gesicht immer buschiger wurden, wurden ihre Körper zusehends dünner. Da ihr Gepäck pro Person inklusive Kajaks nur 100 Kilo wiegen sollte, hatten sie nur dehydriertes Essen, wie Nudeln, Reis sowie Mehl und Trockenhefe zum Brotbacken, dabei. Nahrung mit Wasser wäre zu schwer gewesen. „Bei der Etappe durchs Gebirge haben wir wirklich gehungert. Unsere Rationen waren knapp bemessen.“ Irgendwann träumten die beiden nur noch vom Essen. Von Pizza und Pasta mit Soße. „Jan hat sich sogar eine Einkaufsliste für Deutschland geschrieben – das war Wahnsinn.“ Mit ihrer Schrotflinte schossen sie hin und wieder einen Hasen oder eine Ente.

Für die Freunde zählten drei „Glücklichkeitsfaktoren“, wie es Hagen nennt: trocken, warm und satt. Sobald eines davon wegfiel, sank die Stimmung. Trotz der Strapazen spricht der 26-Jährige von der bislang glücklichsten Zeit seines Lebens. Mit dem Vortrag über das Kajak-Abenteuer gewann der Augsburger vor zwei Jahren einen Preis beim europäischen Vortragsfestival El Mundo in Österreich. Nun präsentiert er die Abenteuerreportage in Augsburg.

Der Vortrag „Conquest of the North“ von Janosch Hagen findet am Freitag, 3. Februar, im Barbarasaal statt. Beginn: 20 Uhr. Ein Ticket kostet 11,50 Euro, ermäßigt 9,50 Euro. Tickets sind beim AZ-Kartenservice, an der Abendkasse oder unter www.janosch-hagen.de erhältlich.

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