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28.01.2019

„Schockstarre“ nach tödlichem Streit am S-Bahnhof

In Heroldsberg, der Heimat der getöteten Jugendlichen, stehen auf der Treppe zum Rathaus Gedenkkerzen.
Bild: dpa

Unfall Zwei 17-Jährige sollen drei Kontrahenten ins Gleis gestoßen haben. Sie sitzen nun wegen Totschlags im Gefängnis

Nürnberg Nach der tödlichen Auseinandersetzung in einer Nürnberger S-Bahn-Station wird gegen zwei 17-jährige Jugendliche wegen vorsätzlichen Totschlags ermittelt. Dem bisherigen Kenntnisstand zufolge hätten die beiden jungen Männer billigend in Kauf genommen, dass ihre Kontrahenten von einem herannahenden Zug erfasst werden, sagte Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke am Montag. Gegen die Jugendlichen war am Sonntag von einem Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen zweifachen Totschlags erlassen worden, sie kamen in Untersuchungshaft.

Fünf Jugendliche waren, wie berichtet, in der Nacht von Freitag auf Samstag kurz nach Mitternacht im S-Bahnhof Frankenstadion in Streit geraten, nach Polizeiangaben aus „völlig nichtigem Anlass“. Drei 16-Jährige stürzten dabei ins Gleis. Einer von ihnen konnte sich durch einen Sprung vor dem gerade einfahrenden Zug retten, die beiden anderen wurden mitgerissen. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

In Heroldsberg (Landkreis Erlangen-Höchstadt), der Heimatgemeinde der beiden getöteten Jugendlichen, herrschte große Betroffenheit. „Es ist nicht in Worte zu fassen. Wir sind in einer gewissen Schockstarre“, sagte die erste Vorsitzende des Turn- und Sportvereins Heroldsberg, Stefanie Piegert. Die 16-Jährigen hatten dort von Kindesbeinen an Fußball gespielt, zuletzt in der A-Jugend. „Es waren tolle Spieler, nette, freundliche Menschen.“ Die Spieler der beiden Erwachsenen-Mannschaften würden sich der Mitspieler der Jugendlichen annehmen und bei der Trauerarbeit helfen, sagte Piegert.

Wie die Jugendlichen ins Gleis gerieten und was den Streit auslöste, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. „Es kann noch kein Zwischenstand mitgeteilt werden, um nicht die noch anstehenden weiteren Zeugenvernehmungen zu beeinflussen“, erklärte die Staatsanwältin. Auch Videoaufnahmen der Überwachungskameras auf dem Bahnhof würden ausgewertet. Wegen unterlassener Hilfeleistung werde derzeit nicht ermittelt. Zur Tatzeit hatten auf dem Bahnsteig laut Polizei rund 150 vor allem junge Menschen gewartet. Viele kamen von einer Party in einer nahegelegenen Diskothek und wollten mit einem der letzten Züge nach Hause fahren.

Auch in Augsburg und München kam es zu Zwischenfällen an Bahnhöfen. Am Augsburger Hauptbahnhof war ein 17-Jähriger vermutlich wegen seiner Alkoholisierung am Sonntagmorgen in ein Gleis gefallen. Der Lokführer eines einfahrenden Zugs konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Der Mann lag jedoch glücklicherweise parallel zwischen den Schienen und wurde nur an der Hand und an den Beinen verletzt.

An der Rolltreppe zum S-Bahn-Steig des Münchner Hauptbahnhofs gerieten laut Polizei zwei 38 und 22 Jahre alte Männer in Streit. Auf dem Bahnsteig attackierte der Jüngere dann den Älteren und ließ diesen mit einer Augenhöhlenfraktur liegen. Der 22-Jährige flüchtete, konnte aber wenig später festgenommen werden. (dpa)

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