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Reiseplanung

15.11.2018

Stirbt die Tourist-Informationen bald aus?

Alle Reiseinformationen gibt es im Internet. Warum brauchen Reisende noch eine Tourist-Information.
Bild: Adobe/

Jeder sucht Reise-Tipps im Netz zusammen. Wer informiert sich eigentlich noch vor Ort? Wie die Experten mit der Zeit gehen und womit sie punkten.

Wo sollen wir abends essen? Das ist wohl eine der häufigsten Fragen während des Urlaubs. Die Antwort befindet sich heutzutage in der Hosentasche: auf dem Smartphone. Mit ein paar Klicks lässt sich ein passendes Lokal finden. Google Maps, Blogs, Tripadvisor, Bestenlisten: Das Internet liefert Tipps für die Reiseplanung, für Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Ausflüge. Alles digital? Nicht ganz. Es gibt sie weiterhin: die Touristen-Information vor Ort. Wer geht da noch hin?

Eine Antwort hat Katja Möthe. Sie ist Leiterin der Tourist-Info in Ravensburg, einer Stadt mit 50000 Einwohnern, 3,3 Millionen Tagesgäste pro Jahr. Was Besucher dorthin lockt, sind Steine und Spiele: Die gut erhaltene Altstadt und das Weltunternehmen Ravensburger, bekannt für seine Puzzles, Spiele und Bücher. Ravensburg hat es sich zum Ziel gesetzt, aus der Tourist-Info einen „Erlebnisraum“ zu machen, wie Möthe sagt. Im April 2017 zog man ins Herz der Stadt. Ein hallenartiger Raum, Terrazzo-Boden, gute Beleuchtung. Auf einer riesigen Glaswand ist die Region abgebildet – mit den Höhepunkten. Touch-Screen-Monitore zeigen auf: Was wird an diesem Tag angeboten? Was kann man unternehmen?

Doch mit ein bisschen schicker Architektur ist es nicht getan. „Es ist enorm wichtig, den Onlineauftritt aktuell zu haben. Aber genauso wichtig sind gute Mitarbeiter mit Ortskenntnis“, sagt Möthe. Dem kann Götz Beck von der Regio Augsburg nur zustimmen. „Die Besucher sind oft gut über die Stadt informiert“, weiß er. „Was sie wissen wollen, sind aktuelle Events“. Auch für Geheimtipps seien die Gäste stets dankbar. Der Ticketverkauf und die Souvenirs sorgten dafür, dass die Tourist-Info am Augsburger Rathausplatz gut besucht ist.

Infostelle direkt im Museum

Das gilt auch für die kleine Touristen-Information in Altusried, die mit dem Kulturbüro verschmolzen ist und so ihr Überleben sichert. Überhaupt gäbe es im Allgäu viele gute Ideen, wie Tourismus-Informationen aufgewertet werden können, meint Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH. Bad Wurzach etwa, wo die Moor-Extrem-Ausstellung im selben Gebäude ist oder Lindenberg, wo die Touristeninformation im Hutmuseum beheimatet ist – samt Café und interaktiven Verlockungen. Auch im Alpseehaus bei Immenstadt gibt es Kaffee und Kuchen, Allgäuer Spezialitäten und sogar eine Ausstellung im ersten Stock. In Kempten können wir keine rückläufigen Zahlen erkennen, die Art der Anfragen ändert sich, wir sind über verschiedenen Kanäle erreichbar. In Kempten können Gäste ihr Handy aufladen oder die Stadt via VR Brille und 360 Grad Aufnahmen aus einem bequemen Sessel erkunden, sich im Winter nebenbei aufwärmen, ein Souvenir erwerben… „Mehrwert für die Urlauber“, nennt Zehnpfennig das und weist darauf hin, dass von den 71 Tourist-Informationen im Allgäu zehn Prozent mit dem Gütesiegel „Servicequalität Deutschland“ vom Deutschen Tourismusverband ausgezeichnet wurden.

„Touristen-Informationen sind wichtig“, sagt denn auch Anne-Sophie Krause, Sprecherin beim DTV. Sie verweist auf eine Schätzung des ADAC, nach der es in Deutschland ungefähr 3800 solche Einrichtungen gibt. Häufig werden sie öffentlich getragen oder öffentlich-privat. Zu den Besucherzahlen deutschlandweit gibt es keine Erhebungen.

Viele Kunden kommen gut informiert. „Aber sie wollen eine Bestätigung, eben weil es so viele Informationen im Netz gibt“, sagt Krause. Das Überangebot an Online-Infos überfordere viele Gäste. Ein Vorteil der Tourist-Infos sei, dass dort Menschen aus der Region arbeiteten. Krause sagt aber auch: „Ohne digitale Infos geht in Zukunft nichts mehr.“ Tourist-Infos sollten auch außerhalb der Öffnungszeiten Material auf ihren Webseiten zur Verfügung stellen.

Das Szenepublikim benötigt andere Informationen

Visit Berlin begrüßt jedes Jahr rund 1,4 Millionen Gäste in den sechs Tourist-Infos in der Hauptstadt – und sucht weitere Standorte. „Besonders frequentiert sind die Orte, wo unsere Besucher ankommen, zum Beispiel der Flughafen Tegel und der Hauptbahnhof“, so Christian Tänzler, Sprecher von Visit Berlin. Es sind längst nicht alle, die rundum informiert in Berlin aufschlagen, auch wenn die Stadt viel Szenepublikum anlockt, das bei der Ankunft weder Stadtplan noch Broschüren benötigt. „Den Wiederholungsgästen reichen Infos zu den klassischen Sehenswürdigkeiten nicht aus“, räumt Tänzler ein. Auf jeden Fall wichtig sei die Ortskenntnis der Mitarbeiter.

Das beschränkt sich nicht allein auf Wissen. In Scheidegg im Allgäu funktioniert die Tourist-Info nicht nur zusätzlich als Ticketshop, sie hat auch einen E-Bike-Verleih. Mangel an Nachfrage kennt die Leiterin Marina Boll nicht: „Unsere Gäste möchten sich ganz häufig den Insider-Tipp holen oder suchen spontan eine Unterkunft.“ Sie habe auch das Gefühl, dass „der Gast immer bequemer wird und sich lieber alles erklären lässt, bevor er es selber nachlesen muss“.

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