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Umweltschutz

28.05.2019

Übeltäter Oxybenzon: Wie Sonnenöl das Meer vergiftet

Zu viel geht fast nicht, wenn man sich vor Sonne schützen will. Eine ganze Flasche Sonnenmilch braucht eine Familie, wenn sie sich den ganzen Tag im Freien aufhält. Für die Gewässer kann dies schädlich sein.
Bild: dpa

Gefährlicher Sonnenschutz: Nicht nur Strohhalme und Wasserflaschen schaden den Gewässern. Einige Länder erwägen nun Verbote küstenschädlicher Cremes.

Das Leben, auch das Urlaubsleben, steckt voller Haken und Ösen. Bis vor kurzem war Braunwerden am Strand dank wasserfester Hi-Tech-Sonnencreme mit XXL-Lichtschutzfaktor risikolos möglich. Nun jedoch heißt es, wer sich mit dieser Schutzschicht im kühlen Nass erfrischt, der schadet der Umwelt.

Und zwar in einem Maße, dass Tropenparadiese wie Hawaii und Palau im Pazifik, aber auch Key West und Bonaire in der Karibik ab spätestens 2021 den Verkauf sogenannter küstenschädlicher Sonnencremes verbieten. Auch in den mexikanischen Cenoten (Kalksteinseen) Yucatans, oftmals Teil von Naturschutzparks, wird darum gebeten, umweltfreundliche Sonnencremes zu verwenden.

Wasserfest und möglichst viele Stunden wirksam sollten bis dato Öle, Cremes und Lotionen sein. Zu erreichen ist das nur durch chemische UV-Filter. Zu den Übeltätern gehört unter anderem Oxybenzon, das in Europa bereits verboten ist, und vor allem Korallen zerstört. Aber auch der Ersatzstoff Octocrylen, der in Europa eingesetzt wird, ist nicht viel besser. Umstritten ist diese synthetische Substanz, weil sie sich nicht im Wasser auflöst und sich daher in Organismen sowie im Wasser ablagern kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Restsubstanzen der Sonnencreme dann wieder in die Nahrungskette gelangen, ist nicht gering. Schließlich gehört am Meer frischer Fisch zu den Spezialitäten.

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Auch Bio-Sonnenschutz ist nicht unbedenklich

Wie schädlich sich Sonnencremes in den Ozeanen auswirken, listet der Chemiker Yousong Ding von der University of Florida auf: Pro Jahr werden rund 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer gelassen. Klingt nicht nach viel. Aber die darin enthaltenen Mineralien und synthetischen Stoffe gefährden zehn Prozent der Korallenriffe weltweit, davon allein 40 Prozent der Korallenriffe in Küstennähe. Planschen 10.000 Menschen im Wasser, dann hinterlassen sie jedes Mal vier Kilo giftiger Sonnenschutzsubstanzen. Der US-Assistenzprofessor forscht nach einem natürlichen Sonnenschutz und setzt dabei auf einen Wirkstoff der Rotalge. Doch sein Verfahren ist noch nicht serienreif. Bis es soweit ist, bleibt umweltbewussten Urlaubern nichts anderes übrig, als Kompromisse einzugehen. Am besten sie greifen zu Bio-Cremes, bei denen der UV-Schutz mineralisch ist. Das heißt Zink- bzw. Titanoxid werden als natürliche Sonnenfilter eingesetzt. Doch der Lichtschutzfaktor (LSF) ist begrenzt und es werden damit maximal 25 LSF erreicht, keinesfalls 50 LSF.

Ein so hoher LSF ist allerdings sowieso nicht nötig, denn er suggeriert nur vermeintliche Sicherheit. In der Mittagshitze zu grillen, ist selbst mit LSF 50 ungesund. Zudem unterbinden diese sogenannten Sun-Blocker die Bildung von Vitamin D, dem wirklichen Vorteil von Sonnenlicht. Der beste UV-Schutz besteht immer noch darin, die pralle Sonne von mittags bis spätnachmittags zu meiden, T-Shirts bzw. Badezeug mit langen Ärmeln zu tragen und im Schatten zu bleiben.

Leider sind auch die Bio-Sonnenschutzmittel nicht ganz unbedenklich. Um ihre cremige Konsistenz zu erhöhen und sie schneller einziehen zu lassen, wird nicht selten mit Nanotechnologie gearbeitet. Aber die Kleinstpartikel der Lotion oder Creme bleiben nicht nur auf der Hautoberfläche liegen, sondern können in die Haut eindringen. Die Auswirkungen sind bis heute noch nicht ganz erforscht. Wenigstens müssen Produkte mit Nanotechnologie entsprechend gekennzeichnet sein.

Auf Sun-Blocker besser verzichten

Ja, was denn nun? Wer angesichts der vielen Sonnenschutzprodukte in den Drogeriemärkten – egal ob bio oder herkömmlich – verunsichert ist, hält sich an diese Kriterien: Bei Bio-Sonnenmilch maximal LSF 25 kaufen und darauf achten, dass sie ohne Nanoverfahren auskommt. Diese Art des Sonnenschutzes lässt sich zwar nicht so gut verteilen, dafür muss man aber nicht so oft schmieren, weil er länger auf der Haut bleibt.

Wer jedoch partout nicht mit der zugegebenermaßen „zäheren“ Öko-Creme zurechtkommt, der greift nach der oft preiswerteren Alternative konventioneller Art. Es sollte kein Sun-Blocker sein, sondern ein Sonnenschutz mit möglichst wenig bedenklichen Stoffen wie Paraffine und Silikone.

Bereits das würde der Umwelt helfen, und Fische sowie Korallen würden herzlich danken.

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