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Finnland

17.12.2019

Und täglich grüßt der Weihnachtsmann in Rovaniemi

Der Joulupukki gibt sich die Ehre – im Weihnachtsdorf bei Rovaniemi können Besucher Santa Claus ganz nahe kommen.
Bild: Steve Parsons/PA Wire, dpa

Ein Besuch am Ort des ewigen Festes: Das finnische „Santa Claus Village“ lockt jedes Jahr zahllose Touristen an. Viele Japaner kommen mit einer besonderen Hoffnung her.

Es ist der Traum eines jeden Weihnachts-Fans – und ein Gräuel für jeden Grinch: Nahe der finnischen Stadt Rovaniemi, exakt auf dem Polarkreis gelegen, steht das „Santa Claus Village“, das Weihnachtsmann-Dorf. Besucher können dort durch die Weihnachtswerkstätten der Elfen schlendern, festliche Souvenirs kaufen und sogar eine Audienz bei Santa Claus persönlich bekommen – an 365 Tagen im Jahr. Denn der Joulupukki, wie der Weihnachtsmann auf finnisch heißt, empfängt hier das gesamte Jahr über Besucher.

Jährlich strömen 300.000 Besucher ins „Santa Claus Village“

Seine Glanzstunde hat das Weihnachtsdorf natürlich im Winter, wenn die Sonne Lapplands nur kurz über den Horizont steigt und der Schnee in den Wäldern meterhoch liegt. Während die Wildnis in Winterschlaf fällt, hat das Dorf des Weihnachtsmanns Hochkonjunktur. In dieser Zeit strömt ein Großteil der jährlich 300.000 Besucher in das Touristikzentrum. Im Laufe der Jahrzehnte nahm der Andrang derart zu, dass der Flughafen von Rovaniemi ausgebaut werden musste – aus mehr als 100 Ländern kommen die Menschen.

Seinen Ursprung hat das Weihnachtsdorf in einer populären Erzählung, erklärt Tobias Riegel, der eigentlich mit Touristen durch die finnischen Weiten wandert. Doch im Weihnachtsdorf legt er gerne einen kurzen Stop ein, damit seine Mitreisenden ein paar Eindrücke sammeln können. Mit der kuriosen Geschichte dieser Besucherattraktionen hat er sich daher beschäftigt. „Hinter der Erzählung, dass der Weihnachtsmann in Lappland wohnt, steckte der Radiosprecher Markus Rautio.“ Der habe in einem Weihnachtsmärchen im Jahre 1920 die Vorstellung populär gemacht, der Joulupukki lebe auf dem Berg Korvatunturi an der Grenze zu Russland. Der Grundstein für den Weihnachtsmann-Mythos in Finnland war damit gelegt. Die Geschichte hatte einen Vorteil: Dass der Berg Korvatunturi weit abseits menschlicher Besiedlung in einem kaum erschlossenen Landstrich liegt, regte die Fantasie an. Die abgelegene Lage hat aber auch einen Nachteil – sie macht einen Besuch beim Weihnachtsmann äußerst schwierig.

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Immer Attraktionen kamen in Rovaniemi dazu

In den 80er Jahren schließlich wurde eine pragmatische Lösung für dieses Dilemma gefunden, was den Weg zu einer touristischen Goldgrube ebnete. Findige Veranstalter verkündeten, dass der Weihnachtsmann zwar auf dem Korvatunturi lebe, aber dass er eine Außenstelle hat – ein Büro quasi, in dem er seiner eigentlichen Arbeit nachgehe. Dieses wurde in Rovaniemi angesiedelt, infrastrukturell bestens erschlossen durch die Europastraße E75 und den nahen Flughafen. Nach der Eröffnung 1985 strömten bald die ersten Besucher in das Weihnachtsparadies.

Um denen gerecht zu werden, wurde die Anlage im Laufe der Jahre nicht nur vergrößert, es kamen immer mehr Attraktionen hinzu. Denn eine Audienz beim Weihnachtsmann füllt nun mal keinen Urlaub. Heute hat jeder Besucher rund zehn Sekunden Zeit, um Santa Claus die Hand zu schütteln und ein Foto von sich machen zu lassen. Tobias Riegel fasst es mit eigenen Worten so zusammen: „Die Leute schütteln dem Weihnachtsmann die Hand, werden in Winterklamotten gesteckt und dann auf einen Schlitten oder ein Schneemobil gesetzt.“ Seine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen – er gibt zu, dass er kein Freund von Massentourismus ist.

Tourismus in Rovaniemi ist fester Bestandteil der Wirtschaft

Doch unbestreitbar: die Nachfrage ist vorhanden. Die Bevölkerung profitiere vom Zustrom der Besucher. Unterkünfte, Cafés und Restaurants finden sich zuhauf in der Umgebung. Der Tourismus ist dort ein fester Bestandteil der Wirtschaft. Daher stehen für die Gäste zahlreiche Winteraktivitäten zur Auswahl: Ausfahrten mit einem Rentierschlitten oder Ausflüge mit den Langlaufskiern. Sehr beliebt sind Schneemobil-Safaris durch die schneebedeckte Landschaft.

Das Dorf des Weihnachtsmanns ist ein wahres Winter-Wunderland, in dem das Fest niemals endet. 
Bild: Aliki Nassoufis, dpa

Eine neue Attraktion des Weihnachtsmanndorfs sind Iglus mit durchsichtiger Kuppel, in der Besucher ihre Nächte verbringen können. Wenn die Voraussetzungen günstig sind – keine Wolken und kein Schnee auf der Kuppel – wird die Nacht im Iglu vom Polarlicht erhellt. Für viele Besucher ist das Naturschauspiel einer der Höhepunkte der Reise. Für manche bedeutet es aber noch mehr. Viele Gäste aus dem asiatischen Raum besuchen das Weihnachtsdorf. Gerade unter Japanern sei der Glaube verbreitet, dass das Nordlicht einem Liebespaar Fruchtbarkeit beschert – und das gezeugte Kind mit Glück segnet.

Wie Tobias Riegel sagt, entwickelt sich daraus gerade ein eigener Tourismus-Zweig: „Einige Geschäftsreisende aus Asien legen auf dem Weg nach Europa einen Zwischenstopp ein, um in Rovaniemi eine Nacht mit dem Partner zu verbringen.“ Finnland ist ein wichtiges Drehkreuz für den Flugverkehr zwischen Fernost und Europa. Über die sogenannte Nordroute dauert zum Beispiel ein Flug von Tokio in die finnische Hauptstadt Helsinki nur gut neun Stunden. Ein Abstecher nach Rovaniemi bietet sich daher für viele an.

Auch das "Santa Claus Village" hatte Probleme

Auch wenn im Weihnachtsdorf die Besucher nie ausbleiben, hatten die Betreiber in den vergangenen Jahren Probleme. Mehrere Wechsel gab es seit der Eröffnung, zuletzt musste der Betreiber Dianordia 2015 Insolvenz anmelden. Die Gründe dafür wurden nie publik gemacht. Doch ein neuer Betreiber übernahm das Santa Claus Village, das dadurch weiterlebt. Seit kurzem ist es wieder um eine Attraktion reicher: das Visit Mrs. Claus Christmas Cottage. Auch die Frau des Weihnachtsmanns bekommt einen Auftritt – in ihrem Häuschen können Besucher sie dabei beobachten, wie sie weihnachtliches Porridge kocht, Kekse bäckt und dabei die Gäste mit Geschichten unterhält. Damit Frau Santa Claus nicht alles alleine stemmen muss, wird sie von tatkräftigen Elfen-Helfern unterstützt.

Um den Hauch von Weihnachten zu spüren, der das Dorf bei Rovaniemi umweht, muss man nicht zwangsweise nach Finnland reisen. Denn das Weihnachtsdorf bietet einen weltweiten Service an: den Briefwechsel mit dem Weihnachtsmann. Hinter der Adresse „Tähtikuja 1, 96930 Rovaniemi, Finland“ verbirgt sich das „Hauptpostamt des Weihnachtsmanns“. Kinder aus aller Welt schicken dorthin Briefe, laut Angaben des Postamts kommen jährlich rund 500.000 an – und das aus bisher 129 Ländern. Jeder Kinderbrief wird beantwortet. Die Poststelle bietet auch für Besucher einen besonderen Service an. Das gesamte Jahr über können sie Briefe und Karten in einen roten Briefkasten einwerfen, die dann zu den Feiertagen mit weihnachtlichem Poststempel versendet werden.

Während viele Besucher ihren Urlaub ausschließlich im Weihnachtsmanndorf und den angegliederten Hotels verbringen, rät Reiseleiter Tobias Riegel, sich auch einige Tage zu nehmen, um die Umgebung zu erkunden. Die winterliche Landschaft Lapplands sei unvergleichbar. Auf Langlauf-Ski oder Schneeschuhen lassen sich die ausgedehnten Wälder auch im langen finnischen Winter erkunden. Sogar Skipisten gibt es in Lappland, etwa im rund 100 Kilometer weit entfernten Pyhä-Nationalpark.

Die finnischen Weiten bieten Ruhe

Doch die finnischen Weiten bieten etwas, das es in dieser Ausprägung nur an wenigen Orten der Welt gibt: Ruhe. Nach einem Tag im Rummel des Weihnachtsmanndorfes oder einer rasanten Rentier-Schlittenfahrt bietet Lappland die perfekte Umgebung, um Ruhe zu finden. „Wenn ich mit Besuchergruppen komme, kann ich jedes Mal die Veränderung an ihnen beobachten“, sagt Tobias Riegel: „Die Menschen werden ruhiger und entspannter. Selbst nervöse Personen können sich dem nicht entziehen.“

Öfter sei es schon vorgekommen, dass seine Reisegefährten mehr als zwölf Stunden am Stück schlafen: „Für Körper und Geist ist das eine Auszeit, wie man sie normalerweise nie bekommt.“ Auch wenn sich im Weihnachtsmanndorf tausende Besucher tummeln, finden Menschen in direkter Nachbarschaft etwas, das viele in der Weihnachtszeit vergeblich suchen: Ruhe und Besinnlichkeit.

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