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Sparen auf Reisen

08.11.2019

Wie sinnvoll und preiswert sind City-Pässe wirklich?

Auf Erkundung in der Hauptstadt: Die "Berlin Welcome Card" ist das offizielle Städteticket von Visit Berlin. In vielen Metropolen locken City-Pässe mit besonderen Angeboten.
Bild: Pierre Adenis, visitBerlin, dpa

Ein Ticket für alles – viele Städte werben mit diesem Angebot. Man kann mit City-Pässen und Kombi-Angeboten sparen - aber auch wirklich draufzahlen.

London Eye, Madam Tussauds, Westminster Abbey und der Tower of London: Wer in der englischen Hauptstadt auf Sightseeing aus ist, kommt an diesen Orten kaum vorbei. So ein Städtetrip kann aber ganz schön teuer werden. Die meisten Sehenswürdigkeiten kosten, und man muss irgendwie von A nach B kommen. City-Pässe für Touristen versprechen hier einen geldwerten Vorteil. Sie bieten ermäßigten oder kostenlosen Eintritt in Museen und touristische Attraktionen, manchmal ohne lästiges Anstehen. Oft ist sogar ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr im Preis enthalten.

In Madrid, Wien, New York und Rom locken viele Anbieter mit City-Pässen

Die Auswahl an solchen Städtepässen ist inzwischen riesig. Für beliebte Metropolen wie Madrid, Wien, New York und Rom gibt es mehrere Anbieter. Für preisbewusste Reisende kann das ein Vorteil sein. Aber nicht jeder Pass hilft gleich gut beim Sparen. „Kaum ein City Pass gleicht dem anderen“, erklärt Patrick Hundt, der auf seiner Webseite Citypassvergleich.de versucht, einen Überblick über das ausufernde Angebot zu geben. Bei einigen Tickets ist der Eintritt für manche Attraktionen komplett frei, andere Pässe bieten nur Rabatte, wieder andere eine Kombination aus beidem. Einige gelten für eine bestimmte Anzahl an Tagen, andere sind unbegrenzt gültig. Und mit manchen Pässen können Touristen kostenlos Metro fahren oder ohne Schlange stehen eintreten.

Ob ein Pass sich lohnt, ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. „Die Websites vieler Anbieter sind sehr intransparent“, sagt Hundt. Oft wird nicht deutlich, wie viel das Sightseeing ohne den Pass kosten würde. Und auch die Übersicht über die enthaltenen Leistungen fällt manchmal schwer. Wie also wählen? Am besten überlegt man zuerst, was man überhaupt besichtigen will. Denn wer unüberlegt den erstbesten Pass bucht, zahlt am Ende im Zweifel sogar drauf.

Patrick Hundt vergleicht auf seiner Website die Rentabilität von City-Pässen.
Bild: dpa

Manche Attraktionen sind auch ohne City Card kostenlos

Der ADAC weist darauf hin, dass interessante Attraktionen möglicherweise auch ohne City Card kostenlos sind. „Um Geld zu sparen sollten Käufer vorab wissen, welche Attraktionen sie während ihrer Städtereise besichtigen möchten“, rät auch Patrick Hund. Grundsätzlich gilt: Je besser eine Reise geplant ist und je mehr Sightseeing man machen möchte, desto größer ist nach Ansicht des Experten das Einsparpotenzial mit einem Pass. Fehlen im Pass jedoch wichtige Sehenswürdigkeiten, zahlt man drauf.

Manche Pässe lohnen sich laut Hundt auch nur, wenn man die zwei oder drei teuersten Attraktionen aus dem Leistungsumfang nutzt – auch wenn ausgerechnet diese vielleicht gar nicht interessieren. Wieder andere Angebote sind auf Masse ausgelegt: Reisende müssen in kurzer Zeit sehr viele Sehenswürdigkeiten abklappern. Das kann stressig werden.

Urlauber sollten Sparangebote für den Nahverkehr kritisch prüfen

Ein Vorteil vieler Pässe ist, dass ein Tages- oder Mehrtagesticket für den öffentlichen Nahverkehr enthalten oder zubuchbar ist. Auch hier sollten Urlauber aber nachrechnen, ob die Angebote der lokalen Verkehrsbetriebe nicht preiswerter sind. Ein Rechenbeispiel: Mit dem Roma Pass, dem offiziellen Städteticket der Stadt Rom, kann man für 28 Euro innerhalb von zwei Tagen umsonst und ohne Schlange zu stehen die Engelsburg, das Kolosseum und das Forum Romanum besuchen. Die regulären Eintritte sind zwar zusammengerechnet auch ohne Pass nicht viel teurer, dafür ist in den 28 Euro auch ein Zwei-Tage-Ticket für die Metro enthalten. Das gibt es quasi umsonst dazu.

Auch beim Rom City Pass vom Anbieter Turbopass kann man den Nahverkehr hinzubuchen. Der Aufpreis liegt hier allerdings deutlich über dem relativ günstigen Preis für die Mehrtagestickets von Atac, dem römischen Verkehrsbetrieb. Dafür ist eine Fahrt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus umsonst. „Allerdings ist nicht jedem Käufer eine Ersparnis wichtig“, sagt Hundt. Manche schätzen eher die Bequemlichkeit, ein Ticket für alles zu haben und weniger Schlange zu stehen.

Die meisten Pässe kann man online bestellen

Zu kaufen gibt es die City-Pässe bei verschiedensten Unternehmen. Die großen überregionalen Anbieter sind City Pass aus den USA, die britische Leisure Pass Group, das deutsche Unternehmen Turbopass und Stromma aus Skandinavien. Darüber hinaus haben die Tourismusorganisationen einiger Städte eigene Tickets im Angebot, zum Beispiel Berlin oder Rom. Die meisten Pässe kann man online bestellen, einige werden per Post geschickt oder aufs Smartphone geladen. Andere muss man vor Ort abholen.

Was ihre Geschäftsmodelle und Erfolge angeht, halten sich die meisten Anbieter bedeckt. City Pass gibt immerhin an, seit der Gründung 1997 etwa 22 Millionen Städtetickets verkauft zu haben. Die Berlin Welcome Card, das offizielle Städteticket der Tourismusorganisation Visit Berlin, wurde nach eigenen Angaben in den letzten 25 Jahren bereits zwölf Millionen Mal verkauft und ist damit eines der erfolgreichsten Städtetickets überhaupt. Egal, für welches Unternehmen man sich entscheidet: Wer sparen will, muss vor jedem Trip aufs Neue durchrechnen. (dpa)

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