Der neue Schufa-Score soll verständlicher machen, wie sich dieser Wert auf Verbraucher auswirkt. Transparenter ist er tatsächlich, allerdings vor allem, weil die Schufa dazu durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs verpflichtet wurde. Die Reform ist also keine freiwillige Serviceleistung, sondern die Umsetzung von EU-Vorgaben. Und nur weil etwas besser ist als zuvor, heißt das noch nicht, dass dies für alle Betroffenen gleichermaßen gilt. Die entscheidende Frage lautet daher: Wem nützt der neue Score?
Schufa-Score: Welches Grundproblem weiter bestehen bleibt
Für die große Mehrheit der Menschen ändert sich wenig. Über 90 Prozent der Erwachsenen haben einen sehr guten oder guten Score und erleben im Alltag keine Einschränkungen. Für sie spielte die Schufa bislang kaum eine Rolle, viele haben ihren Basisscore noch nie abgefragt.
Relevant ist der Score vor allem für die verbleibenden fünf bis zehn Prozent, die Ablehnungen erleben oder einen schlechten Wert haben. Für diese Gruppe bringt der neue Score mehr Einblick: Sie können besser erkennen, welche Faktoren Einfluss haben und wo sie ansetzen könnten.
Vertrag abgelehnt? Entscheidung bleibt weiter Blackbox
Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen: Der Score erklärt nicht, warum Unternehmen konkrete Entscheidungen treffen. Zwar sind Kriterien und Gewichtungen nun offengelegt, doch es bleibt unklar, ab welchem Wert ein Vertrag abgelehnt wird oder welche Konditionen gelten. Diese Entscheidungspraxis bleibt eine Blackbox.
Wer eine bessere Bewertung will, muss unter Umständen mit seinen Daten „bezahlen“
Für Betroffene bedeutet das weiterhin Unsicherheit. Wer seinen Score verbessern will, muss oft zusätzliche Daten preisgeben, in der Hoffnung, dass sich dadurch die Bewertung und die Chancen auf Verträge verbessern. Es ist zu befürchten, dass wir künftig verstärkt mit unseren Daten „bezahlen“ müssen.
Auch für viele andere kann der neue Score Nachteile bringen. Junge Menschen können wichtige Kriterien wie lange Vertragslaufzeiten oder Kredithistorien oft nicht erfüllen. Ebenso können häufige Umzüge oder Anbieterwechsel, etwa aus Kostengründen, zu schlechteren Bewertungen führen, obwohl sie nichts über Zahlungsfähigkeit aussagen.
Die weiterhin kostenlose Datenkopie nach Datenschutzrecht bleibt zudem gut versteckt. Durch den Fokus auf den neuen Score und den Zugang über ein Nutzerkonto könnte sie noch weiter in den Hintergrund rücken.
Wer jetzt seinen Score sehen will, muss sich identifizieren
Für die Schufa selbst bringt das neue System klare Vorteile. Sie erfüllt damit rechtliche Anforderungen und erhöht zugleich die Zahl aktiver Nutzerkonten. Wer jetzt seinen Score einsehen will, muss ein Konto anlegen und sich identifizieren. Nutzer und Nutzerinnen übernehmen zudem einen Teil der Datenpflege selbst, indem sie veraltete oder fehlende Einträge ändern. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, zusätzliche Informationen anzugeben, um den eigenen Score zu verbessern. Also mehr und bessere Daten für die Schufa.
Am Ende wird damit vor allem eines sichtbar: Der neue Score schafft mehr Transparenz über die Bewertung, aber nicht über die Entscheidungen. Das zentrale Machtgefälle bleibt bestehen. Wer auf einen guten Score angewiesen ist, muss sich anpassen und im Zweifel mehr Daten preisgeben. Der Erkenntnisgewinn liegt damit weniger bei den Betroffenen als bei der Schufa und ihren Vertragspartnern.
Zum Autor
Sascha Straub ist Fachmann für Finanzfragen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Für die Augsburger Allgemeine ordnet er aktuelle Entwicklungen ein. Zuletzt schrieb er über die Krankenkassen. Für wen sich ein Wechsel zu den Privaten lohnt, erklärt er hier. Welche versteckten Kosten beim Bestellen in China-Shops leicht übersehen werden können, verrät er hier. Interessieren Sie sich für eine private Altersvorsorge? Dann erklärt er Ihnen hier, alles rum um die geplante neue Riester-Rente.
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