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Wasserburg

30.01.2021

100 Jahre Wasserburger Musikverein: Sie spielten bereits für Helmut Kohl

Seit 100 Jahren bereichert die Musikkapelle Wasserburg das kulturelle Leben in der Region, auch wenn im vergangenen Jahr die Auftritte ausfallen mussten. 2019 auf dem Volksfest in Günzburg gab es noch kein Corona-Virus.
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Seit 100 Jahren bereichert die Musikkapelle Wasserburg das kulturelle Leben in der Region, auch wenn im vergangenen Jahr die Auftritte ausfallen mussten. 2019 auf dem Volksfest in Günzburg gab es noch kein Corona-Virus.
Foto: Sammlung Proksch/Musikverein Wasserburg

Plus Der Wasserburger Musikverein feiert sein 100-jähriges Bestehen. Wie das schwierige Jahr 2020 gemeistert wurde und welche besondere Auszeichnung die Musiker nun erhalten.

So sang- und klanglos haben sich die Musiker der Musikkapelle Wasserburg ihr 100-jähriges Bestehen nicht vorgestellt. Pandemiebedingt ruht das Vereinsleben, Mitte Oktober hat die Kapelle das letzte Mal geprobt. Das große Fest mit Zeltbetrieb und den befreundeten Musikkapellen aus Wasserburg am Inn und Wasserburg am Bodensee wurde in weiser Voraussicht bereits vergangenen Sommer abgesagt und auf 2022 verschoben. Eine Entscheidung für die man im Sommer noch belächelt wurde, mit Fortdauer der Pandemie aber nur noch ein „recht habt ihr g´habt“ erntet, erzählt Vorsitzender Christian Fiedler.

Die 100 Jahre wollten die Musiker groß feiern, hatte doch am 31. Januar 1921 Johann Baumeister die Wasserburger Musikkapelle gegründet. Schon 1925 nahmen die Wasserburger am Wertungsspiel beim Bezirksmusikfest in Günzburg teil, viele weitere sollten folgen. 1994 spielte die Musikkapelle beim Empfang von Bundeskanzler Helmut Kohl in Günzburg, auch die bayerischen Landesväter Max Streibl (1990), Edmund Stoiber (1994) und Günther Beckstein (2008) hörten die Wasserburger spielen.

Frühschoppenkonzert auf dem Günzburger Volksfest ist der Höhepunkt des Jahres

Für Christian Fiedler, seit 2014 Vorsitzender und seit 1985 bei der Wasserburger Musik mit seinem Flügelhorn aktiv, steht fest: „Der Höhepunkt jedes Jahr ist unser Frühschoppenkonzert auf dem Günzburger Volksfest. Tradition hat mittlerweile auch unser Frühjahrskonzert am Palmsonntag. Beides konnte 2020 wegen des Corona-Virus schon nicht mehr stattfinden.“ Das vergangene Jahr sei schon ein besonderes gewesen.

Drei Tage vor dem März-Lockdown noch die Generalversammlung geschafft, anschließend keine Auftritte und keine Einnahmen, im Sommer dann erste Proben mit großem Abstand unter freiem Himmel, das eigene Musikheim zu klein. Es gab wenige Wochen Probenbetrieb im Sportheim des TSV. Auftritte 2020? „Wir spielten beim Kultursommer in Günzburg und bedankten uns im Rahmen des Blasmusik-Erwachens im Juli in Wasserburg, später dann in Denzingen, Deffingen und Nornheim bei unseren vielen Gönnern. Wir zogen spielend durch den Ort. Leinheim steht noch aus, da war dann schon der Herbst-Lockdown und das Aus für unser Advents-Kirchenkonzert in Heilig-Geist.“ Grund zur Freude gibt es trotz allem.

Pro-Musica-Plakette für den Musikverein Wasserburg

Der Musikverein Wasserburg wird heuer die Pro-Musica-Plakette bekommen, die Auszeichnung des Bundespräsidenten für seit 100 Jahren wirkende Orchestervereinigungen. Dieter Proksch, seit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand als Chronist tätig, hat die umfangreichen Unterlagen für das Antragsverfahren der begehrten Plakette zusammengestellt und konnte belegen, dass sich die Wasserburger über ein Jahrhundert hinweg in ernster und erfolgreicher musikalischer Arbeit der Pflege der Instrumentalmusik gewidmet haben und im Rahmen der örtlichen Verhältnisse Verdienste erworben haben. Für fast jedes der 100 Jahre konnte Proksch einen Nachweis erbringen, Urkunden, Programmhefte, Fotos, Zeitungsartikel, Einladungen zeugen von Bezirksmusikfesten in Wasserburg, Fronleichnamsprozessionen in Günzburg, einem Besuch des Bischofs in Reisensburg und Ständchen für Vereinsmitglieder.

Dieses historische Bild vom Wasserburger Musikverein stammt aus dem Jahr 1949, damals spielten seine Mitglieder noch nicht in der Tracht.
Foto: Sammlung Proksch/Musikverein Wasserburg

Dieter Proksch ist nicht nur Hobby-Chronist, sondern hätte 2020 die seltene Auszeichnung für 50 Jahre aktives Musizieren bekommen. Die Klarinette ist sein Instrument. „Mein älterer Bruder Manfred, heute Ehrenvorstand des Musikvereins, hat schon Klarinette gespielt und das wollte ich auch lernen“, erzählt Dieter Proksch.

Musikverein Wasserburg hat über 170 Mitglieder

171 Mitglieder zählt der Verein, 31 Aktive sind es, 18 Kinder sind in Ausbildung. Der Nachwuchs spielt in der gemeinsamen Jugendkapelle von Stadtkapelle Günzburg, Musikverein Reisensburg und Wasserburg. Fiedler ist froh, dass das Konkurrenzdenken nicht mehr da ist. Das Verhältnis untereinander war noch nie so gut.

Richtig froh ist der Vorsitzende mit Achim Götz im Jahr 2017 einen Dirigenten gefunden zu haben, der zu den Wasserburgern sehr gut passt. „Wir spielen konzertant, aber auch böhmisch-mährisch. Achim Götz ist perfekt darin, die richtige Mischung zu finden für uns Spieler im Alter von 13 bis 74 Jahren.“

Was wünscht man sich als Vorstand zum 100-Jährigen? Christian Fiedler überlegt nicht lange: „So bald wie möglich wieder zusammen musizieren können! Und dass es wieder so wird, wie es war, mit Proben im eigenen Musikheim.“

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