Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. 19-Jähriger beschießt Mädchen in Ichenhausen mit Feuerwerkskörpern

Prozess in Günzburg

20.11.2018

19-Jähriger beschießt Mädchen in Ichenhausen mit Feuerwerkskörpern

Mit Feuerwerk wurde das Jahr 2018 im Landkreis Günzburg begrüßt – für zwei Mädchen hatte die Silvesterknallerei jedoch schmerzhafte Folgen.
Bild: Ernst Mayer

Zwei Mädchen sind bei der Silvester-Knallerei in Ichenhausen vor knapp einem Jahr verletzt worden. Ein 19-Jähriger muss sich jetzt deswegen vor Gericht verantworten.

Die Beweisfotos sprachen eine deutliche Sprache: Die Explosion eines Feuerwerksgeschosses hatte einer jungen Frau direkt neben dem rechten Auge eine gravierende Verletzung zugefügt. Eine weitere 17-Jährige wurde am Bein getroffen. Wegen dieser gravierenden Folgen der Knallerei in der vergangenen Silvesternacht stand am Montag ein 19-Jähriger vor dem Jugendrichter – und wurde verurteilt.

Was war passiert: Bei einer Silvester-Party in Ichenhausen mit mehreren jungen Leuten waren gegen Mitternacht mehrere Feuerwerksbatterien gezündet worden. Der Angeklagte soll dann eine der Batterien so gehalten haben, dass zwei oder drei Geschosse in Richtung mehrerer Partygäste flogen und an einer Garagenwand explodierten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf fahrlässige Körperverletzung.

„Es ist bedauerlich, was passiert ist“, sagte Alfred Nübling ( Ulm), der Rechtsanwalt des 19-jährigen Angeklagten aus dem nördlichen Landkreis Günzburg. Sein Mandant habe jedoch nichts getan, was zu diesen Verletzungen geführt habe.

Erst später sind ihm die Folgen bewusst geworden

Er habe eine bereits abgeschossene Batterie von der Straße aufgehoben, sagte der junge Mann, um das Gehäuse als Halter für zwei Fackeln zu benutzen. „In dem Augenblick muss es passiert sein“, so der 19-Jährige. Erst, als ein Kumpel mit den verletzten Mädchen gesprochen hatte, seien ihm die Folgen der Silvesterknallerei bewusst geworden.

Sechs Zeugen, darunter die beiden Geschädigten hatte Jugendrichter Daniel Theurer zur Verhandlung geladen. Über die wenig erfreulichen Ereignisse in der Silvesternacht berichteten sie mit höchst unterschiedlich präzisen Angaben. Nur einer will den Angeklagten gesehen haben, wie der die Batterie aufhob. „Stell die Batterie hin“, habe er dem Angeklagten sagen wollen. In diesem Moment habe der sich gedreht „und eine Rakete wurde abgeschossen“. Der Feuerwerkskörper sei in Richtung Garage geflogen und am Tor explodiert, dass die Funken flogen. Danach „schrien die verletzten Mädchen“. Andere Zeugen hatten zwar das Feuerwerk auf der Straße gesehen, konnten aber zu den Batterieschüssen nichts konkretes sagen. Bestätigt wurde jedoch mehrfach, dass der Angeklagte Fackeln in der Hand hatte.

Die Schmerzen dauerten teils mehrere Tage an

Von zum Teil mehrere Tage andauernden Schmerzen der Verletzungen berichteten die beiden geschädigten jungen Frauen als Zeugen. Sie wurden im Krankenhaus behandelt. Die an Kinn und Wange getroffene 17-Jährige zeigte dem Gericht eine vom Feuerwerkskörper verursachte Narbe am Auge. Ein paar Zentimeter daneben und die Folgen wären wohl weitaus dramatischer ausgefallen. Der Vorwurf gegen den Angeklagten hat sich nach Ansicht der Staatsanwältin bestätigt. Allerdings habe er die Batterie wohl nicht absichtlich auf die Personen gerichtet. Das hätte dem 19-Jährigen den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung mit einer Verhandlung beim Schöffengericht eingebracht. Eine Geldauflage von 400 Euro für den jungen Mann, der juristisch völlig unbescholten ist, hielt die Staatsanwältin für ausreichend.

Dass es einen Vorfall mit zwei Verletzten durch die Silvesterballerei gab, bestätigte auch Anwalt Nübling. Bei den Aussagen der jungen Leute sprach er jedoch von „Knallzeugen“, die zwar etwas von der Explosion mitbekommen hätten, aber dann nur annähmen, wie der Ablauf war. Er sah „kein vorwerfbares Handeln“ seines Mandaten und forderte Freispruch.

Der Richter hat keine Zweifel an dem Geschehen

Dem konnte sich der Jugendrichter nicht anschließen. An dem Geschehen in der Silvesternacht gebe es für ihn keinen Zweifel, so Theurer. Der 19-Jährige habe die Feuerwerksbatterie in der Hand gehabt. Wegen der Gefahr, dass sich selbst aus einer abgebrannten Batterie noch ein Schuss lösen könnte, müsse sie so gehalten werden, dass nichts passieren dürfe. Wegen fahrlässiger Körperverletzung verhängte er ein Schmerzensgeld von 400 und 600 Euro zugunsten der beiden geschädigten Zeuginnen. Die Verfahrenskosten muss der Angeklagte, der sich noch in Ausbildung befindet, nicht übernehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren