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29.06.2020

1990 und 2020: Das Thema Fleisch ist der Stoff, aus dem Skandale sind

Das Verarbeiten von Tieren ist damals wie heute ein heikles Thema.
Bild: Ronald Wittek/dpa (Symbolbild)

Plus Im Jahr 1990 hatte eine auch in Günzburg ansässige Metzgerei-Kette andere Metzger im Kreis gegen sich aufgebracht. Worum ging es damals?

Fleisch und Wurst gehören für die meisten Deutschen zwingend auf den Teller. Etwa 60 Kilogramm werden pro Kopf und Jahr in Deutschland verzehrt. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung belief sich die gesamte „Verbrauchsmenge“ 2018 auf rund 7,34 Millionen Tonnen. 1990 brach der Fleischkonsum ein. Der Rinderwahnsinn BSE und die Aujeszkysche Krankheit bei Schweinen hatten die Konsumenten verunsichert. Ein Streit unter den Metzgern im Landkreis landete sogar vor Gericht, wie die Günzburger Zeitung im Juni 1990 berichtet hatte. In diesen Tagen steht die Fleischindustrie wegen Missachtung der Corona-Regeln in der Kritik.

Das Memminger Metzgerei-Unternehmen Kleiber, das auch in Günzburg eine Filiale betrieb und bis heute betreibt, hatte in Zeitungsanzeigen „Für bestes Schweinefleisch ohne Antibiotika“ geworben. Die anderen Metzger im Landkreis waren empört. Derlei Werbung suggeriere, dass ihr Fleisch mit Antibiotika vollgepumpt sei. Die heimische Metzgerinnung zog in Augsburg vor das Verwaltungsgericht – und verlor. Kleiber durfte weiter entsprechend werben.

Eigentlich ging es damals auch in Günzburg vor allem um das Thema BSE

Dabei standen Antibiotika im Juni 1990 gar nicht im Mittelpunkt. Sorgen bereiteten vielmehr der aus Großbritannien eingeschleppte Rinderwahnsinn BSE und die Aujeszkysche Krankheit bei Schweinen. Denn unklar war, ob die Krankheiten beim Verzehr des Fleisches auch auf den Menschen übertragen würden. Bis heute ist nicht restlos geklärt, ob BSE, welches das Gehirn der Rinder zersetzt, direkt auf den Menschen überspringen kann oder „nur“ zu einer neuen Variante der schon seit Längerem bekannten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit mit gleichen Symptomen führt. Unsicher waren zudem die Erkenntnisse bei der Aujeszkyschen Schweinekrankheit, auch Pseudowut genannt. Würde auch sie auf den Menschen übertragen? Aus heutiger Sicht der Wissenschaft geschieht das nur in den seltensten Fällen.

1990 und 2020: Das Thema Fleisch ist der Stoff, aus dem Skandale sind

Betroffen von der Schweinekrankheit war im Juni 1990 ein Bauernhof im Holzwinkel, im Nachbarlandkreis Dillingen hatte sich das Aujeszky-Virus schon in mehreren Betrieben verbreitet. Die Tiere mussten getötet und das Fleisch aus dem Verkehr gezogen werden. Sorgen machten sich nicht nur die Fleischkonsumenten.

Auch Besitzer anderer Tiere waren in Sorge

Auch unter den Besitzern von Haustieren machten sich 1990 Ängste breit. Denn es hieß, Hunde und Katzen könnten ebenfalls von der Schweinekrankheit befallen werden. Heutzutage machen sich Behörden und Schweinehalter Sorgen über eine neue Krankheit – die Afrikanische Schweinepest. Sie droht nach Deutschland überzuschwappen, nachdem sie in Osteuropa schon seit geraumer Zeit grassiert.

BSE war wohl ausgebrochen, weil in Großbritannien aus tierischen Abfällen hergestelltes Tiermehl an die Rinder verfüttert worden war. Eine Nahrungsquelle, die den Grasfressern nicht zuträglich ist. Im Zuge der Seuche wurde 1990 der Import von britischem Rindfleisch in Deutschland verboten, auch Därme zur Herstellung von Wurst durften nicht mehr eingeführt werden.

Trotzdem machten Behörden lange ein Geheimnis aus den Tierseuchen. Eine Tier-Hygienikerin in Norddeutschland wurde fristlos entlassen, nachdem sie ihre besorgniserregenden Erkenntnisse öffentlich kundgetan hatte. Sie passten nicht ins Konzept, Fleisch und Wurst sollten möglichst bald wieder auf die Teller.

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