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Leipheim

23.10.2015

26 Lehrerstunden für die Inklusion

Die Grundschule Leipheim ist jetzt Inklusionsschule.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Das neue Schulprofil ermöglicht in Leipheim eine bessere Förderung. Es gibt jedoch auch Grenzen.

Das Kind im Rollstuhl, das jetzt eine „normale“ Schule besuchen darf: Daran denken viele beim Thema Inklusion. Doch der Begriff geht viel weiter. Das wird an der Leipheimer Grundschule deutlich. Sie hat vor kurzem das sogenannte Schulprofil Inklusion verliehen bekommen. Auch ein Mädchen mit Körperbehinderung geht hier zur Schule. Doch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es viel mehr. Dabei geht es vor allem um Defizite beim Lernen und in der sozial-emotionalen Entwicklung. Etwa 30 Kinder sind das in den Jahrgangsstufen eins bis vier, sagt Rektor Adalbert Sedlmeier. „Aber nicht alle sind getestet; manche Eltern stimmen dem nicht zu.“

Das neue Schulprofil soll nun allen Kindern zugute kommen. Denn dadurch hat die Schule 26 Lehrerstunden pro Woche mehr bekommen. 13 davon übernehmen drei Lehrerinnen aus der Heinrich-Sinz-Schule, dem Sonderpädagogischen Förderzentrum in Hochwang. Sie unterstützen die Kinder in verschiedenen Fächern, dort wo es eben besonders nötig ist. Die Diagnostik übernehmen die Förderlehrer – „der IQ allein sagt ja nichts“, betont Christoph Janocha-Wiedemann, der Hochwanger Rektor. Und er macht klar, dass die Herkunft bei dieser Form von Behinderung keine Rolle spielt: „Das geht querbeet durch alle Schichten.“

In großen Klassen mit bis zu 25 Schülern könne ein einzelner Lehrer nicht besonders auf einzelne Bedürfnisse eingehen, sagt Sedlmeier. Durch das neue Profil sei das jetzt anders. Die Kinder werden allerdings nicht aus dem Unterricht genommen – Inklusion bedeutet ja Teilhabe. Die Förderlehrer kommen zu bestimmten Zeiten in die Klasse und arbeiten in kleinen Gruppen. „In jedem guten Unterricht wird ja sowieso differenziert“, sagt Janocha-Wiedemann. Und durch dieses Konzept könnten alle Kinder profitieren. Er betont: „Inklusion ist gesellschaftlich wichtig. Es geht um die Akzeptanz des Andersseins.“

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Der Förderbedarf muss jedes Jahr überprüft werden – kein Kind sei also auf immer abgestempelt. Und es gibt zum Beispiel auch Kinder, die erst auf der Heinrich-Sinz-Schule waren und dann aufgeholt haben. Jetzt gehen sie auf die Regelschule, manchmal sogar auf den M-Zweig, erzählt Sedlmeier. Das Schulprofil Inklusion will er jedenfalls möglichst bald auch für die Leipheimer Mittelschule beantragen.

Josef Seibold, der Leiter des Staatlichen Schulamts in Krumbach, betont: „Generell gilt in Bayern: Jede Schule muss Inklusion betreiben.“ Seit 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen wurde, gilt: Jedes Kind darf an eine Regelschule gehen, wenn die Eltern das wollen. Seibold gibt aber auch zu: „Wenn eine Schule viele Inklusionskinder hat, dann hat sie ein riesen Problem.“ Um zusätzliche Lehrerstunden zu bekommen, muss sie sich um das Schulprofil Inklusion bewerben. Vor Leipheim haben das im Landkreis auch schon die Grundschulen in Ichenhausen und Deisenhausen bekommen. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Kooperations- oder Partnerklassen. Oder die sogenannte Einzelinklusion, bei dem das Kind durch den mobilen sonderpädagogischen Dienst begleitet wird. Der Vorteil des Schulprofils Inklusion sei, dass davon nicht nur einzelne Klassen oder Schüler profitieren, sondern alle Kinder, sagt Rektor Sedlmeier.

Die Pädagogen sagen aber auch: Inklusion hat Grenzen. Wenn ein Kind beispielsweise sehr hohe Defizite im sozial-emotionalen Bereich hat – es also zum Beispiel besonders aggressiv ist – dann kann es unmöglich sein, es in einer normalen Klasse zu unterrichten, sagt Janocha-Wiedemann. „Die anderen Kinder dürfen nicht gefährdet werden. Und sie haben auch ein Recht auf Bildung.“

Schüler mit körperlicher Behinderung machen im Unterricht oft die wenigsten Probleme. Doch auch für sie kann ein Besuch in der Regelschule unmöglich werden – wenn sie nicht barrierefrei ist. Auch an der Leipheimer Schule gibt es viele Treppen und keinen Aufzug. Im Grundschulbereich könnte man mit Rollstuhl zurecht kommen, meint der Rektor, aber an der Mittelschule wäre das viel schwieriger. Einige Fachräume liegen zum Beispiel im Keller – fast unerreichbar.

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