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Günzburg

11.05.2019

30000 leben auf fünf Quadratmetern in Günzburg

Wolfgang Heininger ist Vorsitzender des Imker-Kreisverbands Günzburg und kümmert sich um die drei Bienenvölker auf einem Balkon im vierten Stock der Hauptstelle der Sparkasse Günzburg-Krumbach in Günzburg. Momentan befinden sich die Bienen auf dieser Honigwabe im Ausbau.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Seit drei Wochen stehen auf einem Balkon der Sparkasse Günzburg drei Bienenvölker. Stadt und AOK beteiligen sich an dem Projekt. Kontrolliert werden die Bienen regelmäßig von einem Imker. Doch der Honiggewinn ist nicht das primäre Ziel.

Betrachtet man den Balkon aus dem Innern des vierten Stocks der Hauptstelle der Sparkasse Günzburg-Krumbach in Günzburg, sieht er nicht sehr spektakulär aus. Ein paar Blumenkübel voll bunter Blütenpracht stehen auf der rechten Seite. Wenn man allerdings ganz nah an die Balkontür tritt, wird zur Linken der Blick frei auf drei hölzerne, erhöht stehende Kästen. Ein Schritt nach draußen auf den Balkon und es summt und brummt. Zahlreiche Bienen fliegen aus den Kästen heraus und zu den Blumentöpfen. Jetzt ist auch klar, worum es sich dabei handelt – um Bienenstöcke.

„Leider ist das bewölkte, gewittrige Wetter heute nicht optimal“, warnt Wolfgang Heininger. Die Bienen würden dadurch aggressiver werden, erklärt der Vorsitzende des Imker-Kreisverbands Günzburg. Deshalb sei ein gewisser Sicherheitsabstand geboten. Allerdings gebe es drinnen bei Bedarf auch Schutzanzüge. Heininger zieht eine Honigwabe aus dem Stock ganz links. Darauf summen und brummen Hunderte Bienen. „Sie sind gerade am Ausbau“, erklärt der Imker das Gebaren der Bienen Hermann Hillenbrand, Direktor der AOK Günzburg, Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und Daniel Gastl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Günzburg-Krumbach. Vorsichtig steckt er die Wabe wieder zurück.

Das Projekt zielt auf Artenvielfalt und Bienenschutz

Aber was haben drei Bienenstöcke und ein Imker auf einem Balkon der Sparkasse in Günzburg verloren? Die Idee hatte die Sparkasse Anfang des Jahres im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Vor Ostern wurde dann Imker Heininger kontaktiert. Denn: „Wir haben uns überlegt, wie wir uns im kleinen Bereich für Artenvielfalt, Natur-, Umwelt- und Bienenschutz engagieren können“, erklärt Jauernig. Gerade wenn man bedenke, wie stark der allgemeine Bienenbestand in den letzten Jahren zurückgegangen sei, meint Gastl.

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„Früher war die Windschutzscheibe nach einer Autofahrt voller Insekten, heute ist das nicht mehr so“, bestätigt Jauernig dieses Phänomen. Er fürchtet künftige Parallelen zum Buch „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde: „Wenn wir nicht aufpassen, geht es der Menschheit bald wie im Buch. In dessen Zukunft gibt es keine Bienen mehr, die die Blüten bestäuben. Das müssen die Menschen selber machen.“ Aus heutiger Sicht erscheine das nicht mehr utopisch, ergänzt der Oberbürgermeister. Er, Hillenbrand und Gastl stehen im Zuge des 2014 entstandenen Projekts „Nachhaltiges Günzburg“ stellvertretend für die Stadt und die AOK Günzburg, sowie die Sparkasse Günzburg-Krumbach Paten für das Bienenprojekt. Dafür unterzeichnen sie nun den Patenschaftsvertrag.

Imker Heininger zeigt AOK-Direktor Hermann Hillenbrand, Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und Sparkassen-Vorstandsvorsitzendem Daniel Gastl die Bienen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Auf fünf Quadratmetern leben 30000 Bienen

Seit knapp drei Wochen stehen die Bienenkästen schon auf dem Balkon. Auf fünf Quadratmetern leben derzeit 30000 Bienen. Angekommen sind die Kästen bei Nacht mit knapp 10000 Bienen pro Volk. Denn wenn es dunkel sei, flögen sie beim Transport nicht aus den Stöcken. „Über den Sommer wachsen sie auf 50000 bis 100000 Stück an“, ergänzt der Imker. Daniel Gastl fände es schön, wenn sich diesem Projekt auch weitere Firmen anschließen würden, sodass mehrere Balkone oder Dächer in Günzburg mit Bienen bevölkert wären. Die Stadt wäre bereit, derartige Projekte mit einem jährlichen Etat zu fördern, erklärt der Oberbürgermeister.

Doch es gibt dabei ein paar Regeln zu beachten. „Wichtig ist eine Süd-Ost-Ausrichtung der Kästen“, erklärt Imker Heininger. Das sei nötig, damit die Bienen durch die Sonne und Wärme in der Früh in Bewegung kämen, fügt Gastl hinzu. Er hat letztes Jahr einen Imkerkurs besucht. Wenn es nach Hermann Hillenbrand geht, sollen bald auch auf dem AOK-Gebäude in Günzburg Bienenvölker angesiedelt werden. Mit Heininger habe er darüber bereits gesprochen. „Im Gebäude befindet sich allerdings eine Wohnung mit Kleinkindern. Das müssen wir noch klären“, fügt Hillenbrand hinzu.

Kontrolliert werden die Bienen regelmäßig von Imker Heininger

Neben der Süd-Ost-Ausrichtung ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig. Heininger schaut ein bis zweimal pro Woche nach den Völkern auf dem Sparkassenbalkon. Dem Imker stellen sich dabei vor allem folgenden Fragen: Wie geht es den Bienen? Ist die Königin noch da? Denn nach wie vor ist die Gefahr durch Umwelteinflüsse, Spritzmittel und vor allem der Varroamilbe groß, die die Bienen auf verschiedene Weise schädigen oder gar töten können. Normalerweise lebe eine Bienenkönigin zwei bis vier Jahre, eine Arbeiterbiene nur 28 Tage, sagt Heininger.

Der Balkon liegt auf der Ostseite, damit die Bienen morgens Sonne bekommen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Trotz der Patenschaft bleiben die drei Völker im Besitz des Imkers. Im August kommen sie dann über den Winter, in dem die Völker schrumpfen, bis zu Beginn des erneuten Bienenjahrs im April oder Mai wieder zu ihm nach Wiesenbach oder Wattenweiler. Je nachdem, wo Platz sei. Denn Heininger hat insgesamt 30 Bienenvölker. „Die Gesamtkosten für ein Bienenvolk bei diesem Projekt belaufen sich auf etwa 500 Euro“, erklärt der Imker. Darin seien das Volk, die Kästen, die Winterfütterung, die Honigabfüllung und die Betreuung durch ihn pro Saison abgedeckt. Die Kosten teilen sich die drei Projektpartner.

Den ersten Honig gibt es im September

Einen schönen Nebeneffekt stellt die Honigproduktion dar. Die erste Ernte wird im Juni erwartet. Nachdem Imker Heininger den Honig geschleudert hat und er bis etwa September gereift ist, wird er für jeden der drei Vertragspartner abgefüllt. Er ist als Geschenk für besondere Anlässe vorgesehen. Die Stadt wolle ihren Honiganteil beispielsweise bei einer Bürgerversammlung verlosen, die AOK an ihre Kunden. Und der Honigertrag kann sich sehen lassen: Die fleißigen Bienen produzieren pro Volk im Schnitt 15 bis 20 kg Honig pro Jahr. Bis Herbst heißt es aber noch, auf den ersten stadteigenen Honig zu warten.

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