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Bubesheim/Leipheim

04.05.2018

770 Stufen warten auf die Feuerwehrmänner

Oben ankommen und die 770 Stufen zusammen im Gleichklang durchmarschieren: Das haben sich Sven Marku (links) und Michael Seidler (rechts) fest vorgenommen. Betreut werden sie beim achten Berlin Firefighter Stairrun von Michael Demharter (mit Helm).
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Oben ankommen und die 770 Stufen zusammen im Gleichklang durchmarschieren: Das haben sich Sven Marku (links) und Michael Seidler (rechts) fest vorgenommen. Betreut werden sie beim achten Berlin Firefighter Stairrun von Michael Demharter (mit Helm).
Bild: Sandra Kraus

Ein Bubesheimer und Leipheimer sind beim Firefighter Stairrun in Berlin dabei.

In voller Montur rauf aufs Dach zu müssen ist für Feuerwehrleute Alltag – außer man möchte auf das Park Inn Hotel am Berliner Alexanderplatz mit seinen 39 Etagen, 770 Stufen und gut 110 Höhenmetern. Der Herausforderung, das in voller Montur mit Atemschutzgerät und im Zweier-Team zu schaffen, stellen sich an diesem Samstag die beiden Bubesheimer Michael Seidler und Sven Marku beim achten Berlin Firefighter Stairrun, also dem achten Berliner Feuerwehrleute-Treppenlauf.

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Die erste Hürde für die Teilnehmer liegt schon einige Wochen zurück. Bei der Online-Anmeldung hieß es schnell zu sein, denn eine Minute nach der Freischaltung der Plattform waren die Startplätze schon weg. Michael Seidler ging auf Nummer sicher und nutzte das Highspeed-Internet seiner Studentenbude in München. Mit flinken Fingern tippte er seinen und Svens Namen, die Feuerwehr Bubesheim und die Feuerwehr Leipheim unter der Rubrik Feuerwehr sowie „Dreppa Drappr“ unter dem Team-Namen ein. Der vollständiger Titel lautet „Günztaler Dreppa Drappr & Stieaga Steiger“.

Gut 25 Kilogramm Zusatzgewicht

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„Wir kommen aus verschiedenen Feuerwehren, da passt das ganz gut“, erklärt Sven Marku. Erste Stairrunner in Berlin waren Klaus Demharter und Sohn Michael, 2017 stürmte Michael Seidler mit Michael Demharter hinauf, 2018 fand Seidler mit Marku einen neuen Partner. In Berlin starten nur Paare und sie können auch nur zusammen erfolgreich sein. Beide Läufer müssen ständig Sichtkontakt halten, ab der 37. Etage darf der Abstand nur eine Armlänge betragen. Oben ankommen, es zu schaffen und die Medaille zu bekommen, ist das Ziel der beiden. Die Herausforderung ist groß. Schließlich laufen die Feuerwehrleute ihren Treppenlauf in kompletter Schutzausrüstung, also mit Einsatzstiefeln, -hose, -jacke, -handschuhen und -helm sowie angeschlossenem Atemschutzgerät. Das sind gut 25 Kilogramm Zusatzgewicht anstatt atmungsaktiver, hauchdünner Bekleidung, wie sie Treppenläufer aus dem Sport nutzen. Dementsprechend langsam und kontrolliert geht es nach oben.

„Es ist ein zügiges Treppensteigen, im Laufschritt sind nur die späteren Gewinner unterwegs“, beschreibt Michael Seidler den kräftezehrenden Weg nach oben. Keine spezielle Technik, extreme Kraft oder wahnsinnige Geschwindigkeit seien gefragt, sondern eher ein guter Partner, eine Portion Mut und den absoluten Willen, bis zum Ende durchzulaufen, heißt es in der Ausschreibung. Ein absolutes Muss ist eine gültige „G26.3“, die spezielle Vorsorgeuntersuchung für Atemschutzgeräteträger. Ohne Luft aus der Flasche geht beim Stairrun nichts: Wem sie ausgeht, der wird disqualifiziert. Marcu und Seidler sind zuversichtlich, dass das nicht passiert. Im vergangenen Jahr drückten die beiden Michaels bei elf Minuten und 32 Sekunden auf den roten Buzzer auf dem Hoteldach mit grandiosem Blick auf Berlin und Fernsehturm. Ein Platz im Mittelfeld, die Sieger hatten für Freiwillige Feuerwehrler unerreichbare sechs Minuten und 38 Sekunden für die 39 Stockwerke gebraucht.

„Eine Quälerei“

„Es ist schon eine Quälerei, vor allem für die ersten Stockwerke heißt es, die Zähne zusammenzubeißen. Doch irgendwann hat man zusammen mit dem Partner das richtige Tempo gefunden und es läuft Stufe für Stufe hinauf zum Dach“, sagt Michael Seidler. Der 24-jährige Student, der in diesen Tagen seine Masterarbeit im Vermessungsingenieurswesen abgegeben hat, und der 23-jährige Metallbauer Sven Marku, der gerade die Meisterschule absolviert, bereiten sich im Schlauchturm der Feuerwehr Günzburg auf den Wettbewerb in Berlin vor. Dort sind es 97 Stufen, mindestens einmal in der Woche marschieren sie seit Februar sechs Mal rauf und runter. Meistens ist Michael Demharter mit dabei, schließlich wollen die drei im Juni im baden-württembergischen Stairrun Wilhelmsfeld den Teltschikturm bezwingen.

Für Günzburgs Kommandant Christian Eisele ist es keine Frage, Seidler aus Bubesheim und Marku aus Leipheim zu unterstützen. Neben der Trainingsmöglichkeit im Schlauchturm gibt es stets prallgefüllte Atemluftflaschen. Für Berlin stellt Leipheims Kommandant Martin Schmitz den beiden die Atemschutzgeräte einschließlich Transportbox zur Verfügung. Am Freitagnachmittag heißt es für die Dreppa Drappr und ihren Betreuer Michael Demharter: „Wir fahren nach Berlin!“, um am Samstag pünktlich um 11:59 Uhr mit Startnummer 229 am Alexanderplatz loszustürmen, die Hotellobby im Laufschritt zu durchqueren und dann die 770 Stufen zu erklimmen. Vergleichbar mit dem Ulmer Münster und seinen 768 Stufen, nur eben in voller Montur.

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