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05.06.2009

Acht Millionen Zigaretten verfeuert

Ulm Millionen von Euro einfach verheizt. Unter Aufsicht des Zolls wurden am Mittwoch fast acht Millionen Zigaretten ein Raub der Flammen im Müll-Heizkraftwerk im Ulmer Donautal. Versteckt waren die knapp 400 000 Schachteln Glimmstängel zwischen fauligen Paprika als die Zollfahnder Roland Maichel und Yvonne Paulus Ende April bei der Routinekontrolle eines griechischen Lasters auf der A 6 fündig wurden.

Am Mittwoch überzeugten sich die zwei Beamten im Ulmer Heizkraftwerk persönlich davon, dass die unversteuerte Ware auch tatsächlich vernichtet wird.

Für Roland Maichel, der seit fast 30 Jahren im Dienste des Zolls steht, war es der größte Fund in seiner Laufbahn. Obwohl selbst Raucher, blutete ihm nicht das Herz, als er mithalf, die für den britischen Markt bestimmten Zigaretten der 1000 Grad heißen Flamme des Kraftwerks zuzuführen. "Es geht darum, einen Ausfall von Steuergeldern zu verhindern", sagt der 45-Jährige. In Deutschland hätte der Steuerschaden etwa eine Million Euro betragen, in Großbritannien, wo eine Schachtel Zigaretten etwa zehn Euro kostet, ein Vielfaches. So verdiente sich der Schäferhund "Tabor", der zusammen mit Yvonne Paulus den Mega-Fund zwischen Tonnen von Paprika aufspürte, eine Extraportion Chappi. Auch weil die Schmuggler am falschen Ende sparten, kamen ihnen die Fahnder auf die Spur: Maichel und Paulus wurden stutzig, weil der Großteil des Gemüses faulig war. Schnell war klar: Dies könnte eine Tarnung sein.

Die beschlagnahmten und kostspieligen Zigaretten dem Warenkreislauf zuzuführen, anstatt sie zu verbrennen, kam für das Ulmer Hauptzollamt aus vielerlei Gründen nicht in Frage. Unter anderem, weil nicht gewährleistet sei, dass die Kippen einwandfrei seien. Es könnte sein, dass die Zigaretten durch zu lange Lagerung und Schimmel noch gesundheitsgefährdender wirken, als es Tabakwaren ohnehin tun. So freute sich Stefan Zinsler, der Betriebsleiter des Kraftwerks, dass die illegale Ware wenigstens zur Erzeugung wertvoller Energie tauge. Und das auch noch umweltfreundlich: Denn wie der Kraftwerkschef betont, würden bei der energetischen Verheizung der Zigaretten sämtliche Schadstoffe, die sonst in der Lunge der Raucher oder der Umwelt landen, herausgefiltert.

Der 43-jährige Fahrer des Schmuggellasters muss sich vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten. Die Ermittlungen der Zollfahnder dauern an. Der Mann hatte offenbar 5000 Euro in bar dabei. Möglich ist, dass dies der Lohn für seinen Schmuggel war. Maichel und Paulus ist bewusst, dass sie so nur die Kleinen, nicht aber die Hintermänner, schnappen können. Dennoch werden sie sich weiterhin auch nicht vom Gestank fauler Paprika auf der Suche nach Schmugglern abschrecken lassen.

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