Günzburg Das emotionale Vorzeichen tendierte nach Moll, dunkel, schattenhaft, der Finsternis verfallen. Und doch war es spürbar, in jedem Takt, in jeder Phrase in jedem vokal-musikalischen Ausdruck, das Licht vertrauensvoller Hoffnung und optimistischer Zuversicht. Das Adventskonzert des Vocal-Ensembles Hochwang in der Heilig-Geist-Kirche Günzburg, zum Gedenken ihres im September dieses Jahres verstorbenen Gründers und Leiters, wurde zu einer Reminiszenz, zu einem Meilenstein, der die Bedeutung Paul J. Obermayers als Dirigent und Mentor dieses weit über die lokalen Grenzen hinaus bekannten Chores noch einmal klar erkennen ließ. Das Programm gestaltete er noch vom Krankenbett aus mit.
Der A-cappella-Chor lernte die Sprache seines Dirigenten in 38 Jahren nahezu perfekt sprechen und spricht sie, jetzt unter der Interimsdirigentin Verena Schwarz, weiterhin. Diese mit bestechendem Schulterschluss zum Ausdruck gebrachte Noblesse chorisch vollendeten Gleichmaßes. Diese hochsensiblen, mit allen Facetten des musisch Hymnischen ausgestatteten Interpretationen, insbesondere der Stilrichtungen aus Mittelalter, Renaissance und Frühbarock. Sie vor allem machten aus einer Sängergemeinschaft einen Ausnahmechor, der Erfolgsgeschichte schrieb, der in Sachen vokaler Intelligenz und Klangkultur den Status des Besonderen trägt und den er, so ist zu hoffen, auch in Zukunft verteidigen will und wird.
Tröstliche Seelentiefe, hymnische Glut
In seinem Gedenkkonzert mit dem adventlichen Œuvre bedeutender Komponisten des 17. bis 20. Jahrhunderts setzte der jetzt 17-köpfige Chor das Obermayerische Erbe vokaler Klangkompetenz nahtlos fort. Mit Kodálys düster schwermütigem „Veni, veni Emanuel“, Brahms nuancenreich und polyfon kunstvoll durchgestyltem „O Heiland, reiß die Himmel auf“, oder Schuberts durch „Todesschattentale“ schreitenden Klanggestus seiner tiefsinnig lyrischen Psalmvertonung „Gott ist mein Hirte“. Rheinbergers „Rorate coeli“, Eccards „Übers Gebirg Maria geht“ und natürlich Hugo Distlers Variationen über „Es ist ein Ros entsprungen“, aus seiner Weihnachtshistorie, umflorte die Aura des sanglich perfekten Heiligenscheins mit Zugaben tröstlicher Seelentiefe, hymnischer Glut und aus Jammertaltiefe leuchtender „ew’ger Zeit und Seligkeit“. Sanglich keineswegs innig hingefrömmelt, sondern als vokale Klangkunst mit Tiefgang ausgeformt, mit Tonschönheit und Strukturlogik, ob in Dissonanzen oder mehrstimmigen Madrigalen. Und so manches Mal angehaucht von liebenswert aberwitzigen Kontrasten.
„Vom Himmel hoch“ von vier verschiedenen Komponisten
Als bestechender Interpret an der Orgel steuerte Friedrich Fröschel dem Chorgesang hymnisch effektvollen Instrumentalklang bei, mit einer Bach-Toccata, Rheinbergers Fantasie a-Moll und Choralvorspielen zu „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ vier verschiedener Komponisten.
Das Vocal-Ensemble, das Gedenken an den Verstorbenen und der Herzschlag des Publikums, sie waren bei diesem frühabendlichen Konzert im Advent synchron geschaltet.