Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Ärger über gekündigte Verträge: Auch Sparer müssen etwas tun

Ärger über gekündigte Verträge: Auch Sparer müssen etwas tun

Ärger über gekündigte Verträge: Auch Sparer müssen etwas tun
Kommentar Von Jan Kubica
22.05.2020

Die Sparkasse Günzburg-Krumbach kündigt Sparverträge. Das ärgert die Kunden. Aber die Perspektive der Sparkassen-Chefs ist auch nachvollziehbar.


Der Unmut unter den Sparern ist groß. Immerhin haben sie langfristig, praktisch für die Ewigkeit angelegte Prämiensparverträge abgeschlossen. Die daraus vor allem in einer Niedrigzinsphase resultierenden Vorteile sollen sie nun nach und nach verlieren.

Aus Kostengründen, argumentieren die Sparkassen, nein, sie verstecken diese Argumentation hinter dem juristischen Begriff des sachgerechten Grundes. Und der Bundesgerichtshof (BGH) gibt ihnen Recht. Sparkassen dürfen solche Verträge kündigen, wenn die höchste Prämienstufe erreicht ist, heißt es im Urteil, das vor ziemlich genau einem Jahr ergangen ist.

Ärger über gekündigte Verträge: Auch Sparer müssen etwas tun

Seither haben viele Sparkassen im Land die Gelegenheit genutzt und sind aus den für sie unrentabel gewordenen Produkten ausgestiegen. In Schwaben kündigten bereits die Sparkassen DillingenNördlingen, Donauwörth, Memmingen–Lindau–Mindelheim, Landsberg–Dießen, Allgäu, Neu-Ulm–Illertissen sowie die Stadtsparkasse Augsburg derartige Angebote.

Die Sicht der Sparkassen-Manager ist auch nachvollziehbar

Die Sparkasse Günzburg–Krumbach, die sich nun auch so entschieden hat, ist also vergleichsweise spät dran – vermutlich ein schwacher Trost für die Anleger. Dass sie frustriert und verärgert reagieren, von Vertrauensverlust sprechen und auf den uralten Grundsatz „Vertrag ist Vertrag“ pochen, ist also vollkommen in Ordnung.

Doch die Perspektive der Sparkassen-Manager ist genauso nachvollziehbar: Für ihre Unternehmen geht es um Millionenbeträge, die heute ungleich schwerer zu erwirtschaften sind als das noch in seligen D-Mark-Zeiten der Fall war, als die Deutsche Bundesbank und nicht die Europäische Zentralbank in Sachen Geldpolitik den Hut auf hatte.

An ihnen liegt es nun, das krachend zerbrochene Porzellan schleunigst wegzufegen und so kundenorientiert wie möglich (also eben nicht nur gewinnmaximierend) in guter Qualität zu ersetzen.

Die Sparer müssen auch selbst etwas tun

Doch auch Sparer müssen mit der Zeit gehen. Es ist ein Unding, dass ein derart gut entwickeltes Land wie dieses nach wie vor Weltmeister im Halten klassischer Einlagen ist, die seit Jahren und höchstwahrscheinlich noch in Jahren an der Null-Zins-Linie kleben.

Seriöse Finanzexperten empfehlen ihren Kunden gebetsmühlenartig, sich in Sachen Altersvorsorge wesentlich intensiver als bisher mit anderen Anlageformen zu beschäftigen.

Was zu viele deutsche Sparer nach wie vor missverstehen: Für ein Investment an der Börse zu werben ist keine Aufforderung zum Zocken, sondern ein Gebot der Vernunft. Denn langfristig rentiert sich umsichtiges Anlegen in Aktien oder Fonds mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besser als jeder Prämiensparplan.

Lesen Sie dazu:

Sparkasse Günzburg-Krumbach kündigt 2500 Sparverträge

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren