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Landkreis Günzburg

10.10.2019

AfD: Gerd Mannes will Landrat im Kreis Günzburg werden

Er möchte für die AfD ins Rennen um den Günzburger Landratsposten gehen: der Leipheimer Landtagsabgeordnete Gerd Mannes.
Bild: Peter Bauer

Der Landtagsabgeordnete und schwäbische Bezirksvorsitzende ist bereit, als Günzburger Landrat zu kandidieren. Nominiert muss er noch werden, aber das gilt als Formsache.

Eine Hochburg der Alternative für Deutschland (AfD) war bei den Landtagswahlen vor einem Jahr der Landkreis Günzburg. Die rechtspopulistische Partei wurde mit 14,1 Prozent nach der CSU zweitstärkste politische Kraft und lag noch vor den Grünen und den Freien Wählern. Jetzt schickt sich die AfD an, auch kommunalpolitisch Fuß zu fassen. Ein Krumbacher Ortsverband existiert bereits, in Kürze soll es für Ichenhausen und Umgebung einen zweiten geben. Ein Teil der AfD-Liste für die Wahl des Kreistages soll am Samstag, 26. Oktober, in Waldstetten aufgestellt werden.

Dann geht es auch um den Landratskandidaten, der aufs Schild gehoben wird. Und da besteht eigentlich kein Zweifel daran, dass es nur einen geben kann: den Leipheimer Landtagsabgeordneten Gerd Mannes, zugleich schwäbischer Bezirksvorsitzender und einer der stellvertretenden Landesvorsitzenden seiner Partei. Mannes hat auf Nachfrage unserer Zeitung am Mittwoch bestätigt, ins Rennen um die Nachfolge von CSU-Landrat Hubert Hafner gehen zu wollen. Der AfD-Kreisvorstand halte ihn für den bestmöglichen Kandidaten und habe ihn ermutigt, sich zu bewerben. Dem leistet Mannes nun nach eigenen Angaben Folge. „Nach reiflicher Überlegung werde ich kandidieren“, sagt er.

Nach eigener Einschätzung nur "sehr geringe Chancen, zu gewinnen"

Große Chancen, Landrat tatsächlich auch zu werden, rechnet er sich aber nicht aus. „Natürlich muss man zugeben, dass jemand von der AfD sehr geringe Chancen hat, zu gewinnen. 50 Prozent zu erreichen, ist sehr schwierig.“ Das ficht den Leipheimer aber nicht an, es dennoch zu versuchen. Er glaubt an ein Potenzial, das zwischen zehn und 15 Prozent liegt. „Und es ist auch eine Personenwahl. Wenn ich mich als Person interessant mache, gibt es die Chance, mehr zu bekommen.“ Die Kreis-AfD sieht „in Günzburg die Verpflichtung, die Partei gut aufzustellen und Gesicht zu zeigen“.

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Was Mannes den Kandidaten der CSU und der Grünen voraus hat, ist – das wird auch Adam Riese bestätigen – eine „größere Lebens- und Berufserfahrung“. Damit, so schätzt er, könne er vielleicht auch über Parteigrenzen hinweg punkten. Über die Hälfte seines Lebens war Mannes in der Wirtschaft tätig – im Kosmetik und Konsumgüterbereich bei Unternehmen wie L’Oréal, Wella und Procter & Gamble; dort in der Produktion und Logistik oder als Werksleiter. Danach war er in der Holzwerkstoffbranche tätig. „Ich bin zwar kein Jurist, aber ich kenne mich auch mit leitenden Positionen in komplexen Organisationen aus“, sagt er.

Zu viel Bürokratie lässt die Wirtschaft nicht entfalten

Mannes’ Kampf gilt vor allem der Entbürokratisierung. Mit Vorschriften werde die Wirtschaft „regelrecht an die Wand gedrückt“. Auch von München aus werde ein „regulatorisches Umfeld geschaffen, in dem sich unternehmerische Aktivitäten nur schlecht entfalten“. Das sehe man besonders an der Automobil- und Chemieindustrie, die zum Prügelknaben für die Politik geworden sei. „Eine industrieunfreundliche ist auch eine arbeitnehmerunfreundliche Politik“, sagt Mannes, der auf die Frage, was ein Günzburger Landrat daran ändern könne, einräumt: „Da gibt es nur wenig Spielraum.“

Gleichwohl sieht er die Menge der Unzufriedenen wachsen: Das habe er aus vielen Gesprächen herausgehört – ob mit Bürgermeistern im Landkreis, mit Angestellten des Kreiskrankenhauses oder mit Bediensteten des Landratsamts. Konkret kann Mannes nach eigenen Worten aus dem Stand nicht immer werden. Er müsse noch genauer analysieren und sich die Begegnungen und Gespräche danach argumentativ zurechtlegen.

Mannes hat als Abgeordneter den Landrat bisher nicht angerufen

Seit er Landtagsabgeordneter ist, hat er mit dem CSU-Landrat, dem er nachfolgen will, noch nicht gesprochen – lediglich Grußformeln bei Veranstaltungen im Vorübergehen ausgetauscht. Vom Landrat wollte er über den Landkreis Augsburg jedenfalls bisher nichts wissen. „Stimmt“, sagt Mannes darauf aufmerksam gemacht – und sieht dies als echtes Versäumnis an. „In der kommenden Woche werde ich mich bei ihm melden.“

Ein Thema, bei dem auch der Landkreis Günzburg besser dastehen müsse, benennt der 50-Jährige mit der digitalen Infrastruktur, die „insgesamt sträflich vernachlässigt worden ist“. Er will „im kleinen Rahmen Dinge vorantreiben, die möglich sind“. Durchhaltevermögen hat Mannes vor knapp einem Monat innerparteilich bewiesen und einen Rückhalt in der AfD verspürt, als es um die Wahl des Landesvorstandes ging. Von den 13 Mitgliedern sei er der einzige politische Überlebende gewesen, weil nur er wiedergewählt worden sei. „Unkraut kriegt man am schlechtesten weg“, habe er einem Journalisten damals scherzhaft gesagt.

Der ganz persönliche Wahlkampf

Wenn es mit dem Amt des Landrats nicht klappen sollte, hat Mannes wohl kein Problem damit. Er arbeitet gerne als Landtagsabgeordneter, „das ist nach wie vor eine riesengroße Ehre für mich“. Im Maximilianeum ist er nach eigener Einschätzung angekommen und stellt „zwischenzeitlich im Wirtschaftsausschuss sehr viele Anfragen und Anträge“. In der Hauptsache ist Gerd Mannes mit Themen wie Digitalisierung, Energie, Industriepolitik und Medientechnologie beschäftigt. Als Stellvertreter fungiert er im Landwirtschaftsausschuss, Umweltausschuss und im Haushaltsausschuss. In den nächsten Monaten dürfte Kommunales in den Vordergrund rücken, wenn es um den Wahlkampf der AfD und seinen ganz persönlichen geht.

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