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Weihnachten in aller Welt

24.12.2020

Alle feiern Weihnachten – nur anders

Sie alle feiern Weihnachten, aber eben auf ganz unterschiedliche Art und zum Teil auch zu verschiedenen Zeitpunkten (Fotos immer von links nach rechts): Erste Reihe: Kym Chillingworth (England), Samiel Mebrahtu (Eritrea), Vijay Singh (Indien), Ivana Krejcir (Kroatien). Zweite Reihe: Hassan Swaidan (Libanon), Asmir Skrijelj (Montenegro), Kevin Jansen (Niederlande), Tariq Thalil (Pakistan). Dritte Reihe: Karl Mailänder (Polen), Daniel Hefner (Russland), Corneliu Perta und Eva Emese Csucsak (Rumänien), Kaume Konte (Senegal). Vierte Reihe: Ryad Sai (Syrien), Ali Dinc (Türkei), Katalin Szalkai (Ungarn) und Johann Almaschi (Ukraine).
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Sie alle feiern Weihnachten, aber eben auf ganz unterschiedliche Art und zum Teil auch zu verschiedenen Zeitpunkten (Fotos immer von links nach rechts): Erste Reihe: Kym Chillingworth (England), Samiel Mebrahtu (Eritrea), Vijay Singh (Indien), Ivana Krejcir (Kroatien). Zweite Reihe: Hassan Swaidan (Libanon), Asmir Skrijelj (Montenegro), Kevin Jansen (Niederlande), Tariq Thalil (Pakistan). Dritte Reihe: Karl Mailänder (Polen), Daniel Hefner (Russland), Corneliu Perta und Eva Emese Csucsak (Rumänien), Kaume Konte (Senegal). Vierte Reihe: Ryad Sai (Syrien), Ali Dinc (Türkei), Katalin Szalkai (Ungarn) und Johann Almaschi (Ukraine).
Bild: Doreen Kleber/Günzburger Steigtechnik

Menschen aus 17 Nationen sind bei der Firma Günzburger Steigtechnik beschäftigt. Wie sie normalerweise die Festtage in ihrer Heimat verbringen, zeigt eine kleine Broschüre

Weihnachten wird fast überall auf der Welt gefeiert und doch jedes Mal anders. Wie begehen Menschen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten die Weihnachtszeit? Unsere Zeitung ist der Frage nachgegangen und hat in einer kleinen Serie Menschen aus dem Landkreis zu Wort kommen lassen, die über die Gepflogenheiten in ihrem Heimatland berichten. In unserem letzten Teil berichten 17 Menschen aus fremden Ländern.

Bei der Firma Günzburger Steigtechnik ist die ganze Welt zu Hause. Das gilt insbesondere für die Mitarbeiter des Unternehmens, das Leitern aller Art, Treppen, Überstiege, Arbeitsplattformen, Werkzeugkisten und -kästen herstellt. Denn die knapp 390 Beschäftigten, die am Standort Günzburg arbeiten, kommen aus 17 Nationen – darunter sind Menschen aus vielen europäischen Ländern wie Kroatien oder den Niederlanden vertreten. Die Belegschaft kommt aber auch aus Indien, Eritrea und Syrien.

Da es heuer keine Jahresabschlussfeier im großen Stil in der Firma geben kann, hat sich das Familienunternehmen etwas Anderes einfallen lassen. Jeder Mitarbeiter hat eine persönlich gravierte Thermosflasche geschenkt bekommen, weil es künftig im Betrieb Wasserspender geben wird. Kinder von Familien, die sich kein Notebook oder etwas Vergleichbares fürs Homeschooling leisten können, werden laut Firmenchef Ferdinand Munk mit einem solchen Gerät ausgestattet. Die „Bedienungsanleitung“ folgt noch mithilfe eines Einführungskurses, der ebenfalls von der Steigtechnik organisiert wird.

Und dann hatte Munks Tochter Margit noch die Idee, ein kleines, quadratisches Heftchen zu produzieren, in dem Mitarbeiter aller ausländischen Nationen in Text und Bild erscheinen, die unter dem Dach der Steigtechnik tätig sind. Zum Anlass passend erzählen sie darüber, wie in ihrer Heimat Weihnachten gefeiert wird.

Zu den 17 im Heft Abgebildeten (bis auf zwei Beschäftigte aus Rumänien ist das jeweils eine Person) gehört der 23-jährige Samuel Mebrahtu aus Eritrea, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt und in Dürrlauingen im Förderungswerk Sankt Nikolaus das Handwerk des Schreiners erlernt hat. Für den jungen Mann wird der Heilige Abend ein ganz normaler Tag sein, den er mit einem Landsmann, mit dem er eine Wohngemeinschaft bildet, zubringen wird. Eine Tante von ihm lebt in Hamburg. Aber es ist keine Gelegenheit gerade in diesen Zeiten, sie zu besuchen. Erst recht gilt das für seine Familie in Afrika. „Ich habe eigentlich noch keine Ahnung, was ich tun werde“, sagt Mebrahtu, zumal Weihnachten in Eritrea erst am 7. Januar gefeiert wird. Dort geht man an diesem Tag bereits zwischen 5 und 9 Uhr in die Kirche –ganz festlich in Weiß gekleidet. Nach der Rückkehr wird das Festmahl, das auf einem großen Teller in der Mitte eines Raumes platziert wird, verspeist.

Von einem ganz anderen Brauch berichtet Ivana Krejcir. Männer gehen am Morgen des 24. Dezember in den Wald, schlagen einen Baum. Dessen Stamm wird im Garten angezündet. „Das ist ein sehr alter Brauch in Kroatien, der – wenn überhaupt noch – nur in den ländlichen Regionen gepflegt wird. Es war einmal der wichtigste Teil der Weihnachtsfeierlichkeiten.“ Das Feuer, das Wärme spendet, ist auch ein Sinnbild dafür, dass Menschen sich darum versammeln und neben der Wärme die Nähe zueinander spüren. Die 37-Jährige ist seit fünf Jahren in Deutschland und feiert mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern.

In Nersingen (Landkreis Neu-Ulm) wird Kevin Jansen mit seiner Freundin und deren Familie Weihnachten begehen. Der 38-Jährige aus der niederländischen Provinz Limburg ist im Versand tätig und hat nach privaten Problemen in dem Günzburger Betrieb die Chance für einen beruflichen Neuanfang bekommen.

Dafür ist er dankbar. Für die Kinder ist, wenn sie auf Geschenke spekulieren, der Heiligabend in den Niederlanden nicht so wichtig wie der 5. Dezember. Denn da legt der Sinterklaas (Nikolaus) mit vielen Helfern aus Spanien auf einem großen Dampfschiff in Holland an. Und die Buben und Mädchen können sich in aller Regel auf eine große Bescherung am Abend des 5. Dezember freuen.

Die Munks werden wie immer an Heiligabend in Reisensburg zusammenkommen, wo Geschwollene mit Kartoffelsalat aufgetischt werden. Auf die Christmette verzichten sie heuer coronabedingt. Dafür versammelt sich die Unternehmerfamilie auf dem Privatgrundstück vor ihrer Grotte mit der Muttergottes. „Wir werden auch Stille Nacht singen“, sagt Ferdinand Munk. Und vielleicht werden sie sich in fremden Sprachen das zurufen, was sich auch die Beschäftigten der Steigtechnik aus dem In- und Ausland wünschen: „Frohe Weihnachten!“

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