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Handwerksgeschichte

09.11.2012

Als käme der Meister gleich zurück

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Zusammen mit ihrem früheren Kollegen Horst Kaden zeigt Birgit Mayr-Krause am Sonntag die alte Mechanikerwerkstatt ihres Großvaters Anton Gottfried Mayr. Die Maschinen sind rund 100 Jahre alt und funktionieren noch bestens.

Die Werkstatt des 1901 geborenen Ichenhausers Gottfried Mayr ist komplett im Originalzustand erhalten. Seine Enkelin öffnet sie am Sonntag für die Öffentlichkeit

Ichenhausen Drehmaschine, zweierlei Hobelmaschinen, Geräte zum Bohren und Schleifen, dazu Ringschlüssel, Gewindeschneider, Rätschen und Klammern in allen Größen, ein ganzes Sortiment an Hämmern – es gäbe noch viel aufzuzählen an Maschinen und Werkzeug in der rund 100 Jahre alten mechanischen Werkstätte von Anton Mayr. Das Besondere daran: Die Werkstatt samt Inventar ist komplett erhalten, es sieht so aus, als könnte der 1901 geborene Anton Gottfried Mayr einfach zur Tür hereinkommen, den Neun-PS-Motor anwerfen, der die Transmissionsriemen antreibt – und weiter werkeln.

Es ist ein kleiner Schatz, den Birgit Mayr-Krause, Enkelin von Mechanikermeister Anton Gottfried Krause und Tochter seines gleichnamigen Sohnes, gehoben hat, und den sie nicht nur hüten, sondern bei Gelegenheit auch Interessierten zeigen will. Und so lädt die 43-jährige Ichenhauserin am Sonntag in die alte Werkstatt ihres Großvaters ein.

Unterstützt wird sie dabei von einem früheren Kollegen Horst Kaden. Durch ihn kam der Anstoß, die Werkstatt wieder zu beleben. Man hatte eine gemeinsame Radtour geplant, und als Birgit Mayr-Krause ihr Fahrrad aus der Werkstatt holte, war Horst Kaden fasziniert von der bestens erhaltenen Arbeitsstätte des Mechanikermeisters. Diese nicht wieder zu beleben, hätte dem 62-Jährigen in der Seele wehgetan.

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Als ehemaliger Ausbilder von Wirtschaftsingenieuren, passionierter Fotograf und mit seinem Hang zu Maschinen war Kaden einfach begeistert. Er setzte sich mit dem Sohn des Mechanikermeisters Anton Gottfried Mayr zusammen, und es wurden viele Gespräche, in denen Enkelin und Tochter Birgit Mayr-Krause, Horst Kaden und der Sohn des 1986 verstorbenen Werkstattbesitzers miteinander über die Zukunft der Werkstatt beratschlagten.

Birgit Mayr-Krause, die sich noch erinnern kann, wie bei ihrem Opa die Maschinen gelaufen sind und deren Vater bei seinem Vater in die Lehre ging, bevor er Maschinenbau studierte, tauchte in die Familiengeschichte ein. Voller Stolz zeigt sie den Meisterbrief des Großvaters aus dem Jahr 1933, das Hochzeitsbild mit seiner Frau Ida, geborene Schäffler, und erzählt, dass blaue Arbeitshose, Hut und ein Stumpen zwischen den Lippen typisch für ihren Opa waren. Ein Päckchen „Weiße Eule“ steht noch auf dem Fenstersims, als käme der Großvater im nächsten Moment wieder in die Werkstatt.

„Auch ich bin mit dem Handwerk verbunden“, sagt die 43-Jährige, die bei der Handwerkskammer in Ulm den Fachbereich Berufsbildung leitet. Und so freut sie sich riesig, dass sie mit ihrem Vater in den beiden Jahren vor seinem Tod im Januar 2012 noch oft über die Werkstatt und deren Zukunft sprechen konnte. Viele Ideen gibt es, vieles ist noch offen. „Ein Museum wäre eine Option“, sagt Birgit Mayr- Krause, auf jeden Fall will sie drei oder vier Mal im Jahr gern die Werkstatttür öffnen und Einblicke in alte Arbeitsweisen geben, Schulklassen und Gruppen sollen ebenfalls willkommen sein.

Horst Kaden wird auch am Sonntag den Motor laufen lassen, der über die Transmissionsriemen die vielen Maschinen antreibt. „Es braucht einen minimalen Anteil an Strom, um alle Maschinen zu bewegen“, sagt er stolz. Die Riemen müssten zwar noch besser gespannt werden, um produktiv arbeiten zu können. Aber darauf kommt es im Moment nicht an. Das Geräusch in der Werkstatt ist wie Musik für seine Ohren, nicht zu laut, eher beruhigend. Über den Boden sind ganz leichte Vibrationen zu spüren. Schwalben haben sich, das beweisen zwei Nester in der Werkstatt, offenbar weder von dem Maschinen noch von den Menschen stören lassen. Der Großvater habe für die Vögel immer ein Fensterchen offen gehabt, erinnert sich Birgit Mayr- Krause.

Für sie steht das Projekt Werkstatt erst am Anfang. Es ist nicht nur ein Ausflug in die Geschichte und zu alten Produktions- und Arbeitsweisen, die noch gar nicht so lange zurückliegen, sondern auch ein Eintauchen in die Geschichte ihrer Familie. Ein unverhoffter, aber sehr konkreter Anlass für Birgit Mayr- Krause, in die Ahnenforschung einzusteigen. Anhaltspunkte dafür gibt es reichlich: Nebenan hatten die Urgroßeltern eine Schneiderei.

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