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Konzert

19.04.2017

Anspruchsvolles Programm mit Raffinessen

Ein begeisterndes Konzert von hohem Anspruch präsentierte der Blasmusik-Verein Jettingen unter der Leitung von Christian Weng.
Bild: Gertrud Adlassnig

Der Blasmusik-Verein Jettingen konnte jetzt auch ein kleines Jubiläum feiern

Zum Minijubiläum, fünf Jahre Blasmusik-Verein (BMV) Jettingen unter der Leitung von Christian Weng, setzte der Dirigent Signale. Mit einem Frack, wie er üblicherweise von Dirigenten klassischer Symphonieorchester getragen wird, anstatt der bei Musikvereinen in der Region üblichen Tracht, unterstrich Weng seinen Anspruch, mit dem BMV weit mehr als eine durchschnittliche Blaskapelle zu leiten. Ein überaus anspruchsvolles Programm in meist perfekter Interpretation, äußerster Exaktheit und sensibler Interpretation und Punktion, gepaart mit aufwendigen technischen Raffinessen – Dirigent und Musiker wurden mit fünf Webcams gefilmt und auf eine Leinwand am Bühnenhintergrund übertragen – bestätigte das angezeigte Niveau.

Gleich zwei Auftritte absolvierte der Blasmusikverein am Ostersonntag. Das Nachmittagskonzert eröffneten die Jüngsten, die „Mu‘comers“ unter der Leitung von Sarah Weng mit feierlichen und fröhlichen Tönen. Abends gestaltete die Jugendkapelle unter Christian Weng das Vorprogramm. Mit ihrem beeindruckenden „Shipwrecked“ von Ryan Nowlin hatten sich die Nachwuchsmusiker schon vor Kurzem beim Wertungsspiel im Günzburger Forum an die Spitze gesetzt, verriet Weng den Zuhörern. Auch das zweite Stück, die „Swords of Stavanger“, überzeugten mit Dramatik und Emotion. Alina Vogel überzeugte als Solosängerin von „You raise me up“ mit ihrer einfühlsamen, weichen Stimme. Mit dem „Zirkus Renz“ als Zugabe hatten die Schlagwerke Gelegenheit, ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen.

Der BMV lud im Anschluss die Zuhörer auf eine Reise um die Welt und die Musikkulturen ein. Vom höchsten Berg der Erde, dem Mount Everest, dem Rossano Galante in einem dramatischen symphonischen Werk huldigte, ging es nach Mexiko, wo die Konzertbesucher ein furioses viersätziges Stück der höchsten Schwierigkeitsstufe von France Cessarini erwartete. Mit temperamentvollen Passagen, fliegend wechselnden Takten, heißen Rhythmen und schmelzendem Sound zauberten die Musiker die Jettinger Besucher in eine ebenso fremde wie faszinierende Welt Mittelamerikas. Alexander Schmidt und Ferdinand Lichtblau übernahmen während des Konzertes eine Doppelfunktion. Neben ihren musikalischen Aufgaben überzeugten sie als Stand-up-Comedians, die ihre charmante Moderation in coole Comedy verpackten und so dem Konzert eine weitere vergnügliche Komponente hinzufügten. Dabei nutzten sie nicht nur ihre stimmlich-parodistischen Qualitäten, sondern setzten auch allerlei Requisiten ein. Zum „Lord Tullamore“ musste es natürlich eine Flasche mit dem gleichnamigen irischen Whiskey sein statt des mexikanischen Tequilas. Carl Wittrocks Vorstellungen von irischer Volksmusik erlauben den versierten Musikern ihre technischen Finessen voll auszuleben, aber auch ihr Feingefühl für lyrische Passagen zu demonstrieren.

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Carmen Fantasy vom Eiji Suzuki könnte als Prototyp des Cross-over verstanden werden: Ein japanischer Komponist schreibt die Hauptpassagen einer in Spanien spielenden Oper des französischen Komponisten Bizet für mitteleuropäische Blasorchester um. Die besondere Konzentration seines Arrangements auf das Schlagwerk erlaubte den BMV-Drummern, sich bestens in Szene zu setzen. Mit fünf bearbeiteten klassischen Klezmerstücken entführte der BMV seine Zuhörer in die weitestgehend untergegangene Kultur der jiddisch-sprachigen Ostjuden und ihrer spezifischen auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden Musik, die die Feste und Trauerzeiten begleitete.

Ein zweites Galante-Stück, „Afterlive“, nahm im weitesten Sinne das Osterthema auf: Leben nach dem Tod. Zur Königin im Konzert wurde schließlich Jana Linzmeier, die ein mitreißendes Potpourri von Queen-Songs zum besten gab, perfekt unterstützt von den anderen Musikern, sodass unter der Leitung von Christian Weng zu guter Letzt die ganze Turnhalle gerockt wurde. Da war es selbstverständlich, dass auch die Zugabe voller Begeisterung angenommen wurde.

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