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Ichenhausen

03.03.2018

Auch das leere Schloss hat viel zu bieten

Die Ausstellungsgegenständen sind derzeit im Depot.
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Die Ausstellungsgegenständen sind derzeit im Depot.
Bild: Irmgard Lorenz

Das Bayerische Schulmuseum in Ichenhausen ist jetzt ausgeräumt, die Handwerker rücken an.

Das rote Sacktuch mit den weißen Tupfen hängt ihm wie eh und je aus der Rocktasche, aber in seinem ohnehin etwas strengen Blick scheint jetzt auch noch ein Anflug von Skepsis zu liegen. Der alte Schulmeister ist in den Keller verbannt worden. Noch ein paar Monate muss er hier ausharren, solange oben im Schulmuseum Ichenhausen, einer Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums, alles für die neukonzipierte Ausstellung hergerichtet wird. Momentan sind die Räume leer und ein Teil der Exponate befindet sich im Depot, so wie eben auch der Schulmeister.

Zwischen zwei Archivschränken steht er da, und sein Blick geht zwischen Regalen hindurch an die gegenüberliegende Betonwand. „1 m Gang“ und „Wandabstand=12cm“ hat da jemand mit grünem Filzstift hingeschrieben, damit die Regale ordnungsgemäß aufgestellt werden. Im Blickfeld des alten Schulmeisters liegen Schalen und Schneckengehäuse, die aus der Naturaliensammlung der einstigen Volksschule Ichenhausen stammen, eine Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert vom Physikalischen Kabinett der Universität Würzburg und ein etwa drei Jahrhunderte alter Kompass.

Exponate stehen im Keller

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Auf dem Acryltäfelchen steht noch „Kompaß“, und auch die alte Schreibweise aus der Zeit vor der Rechtschreibreform ist ein Hinweis darauf, dass die 1984 eröffnete Ausstellung eine gründliche Überarbeitung sicher gut verträgt. Das Bayerische Nationalmuseum hat die Exponate aus dem Schulmuseum geräumt und das meiste davon im Keller unter dem benachbarten Neubau vorübergehend eingelagert.

Im Unteren Schloss sind jetzt erst einmal die Handwerker zu Gange. Manfred Richter vom Bauhof der Stadt schraubt Lichtleisten auseinander, die werden ebenfalls zwischengelagert und wieder verwendet. Zusammen mit Elektromeister Ernst Jäger und weiteren Kollegen vom Bauhof hat er Mauerschlitze geschlagen und neue Anschlüsse verlegt.

Demnächst kommen die Maler, und auch der schöne Parkettboden im ersten Obergeschoss muss gründlich überarbeitet werden. Wo Vitrinen standen, sind helle Stellen auf dem Boden zu sehen, Befestigungen haben Löcher hinterlassen. Auch die Treppe soll ein bisschen aufgemöbelt werden, sagt Stadtbaumeister Adolf Stapf, der mit dem Team vom Stadtbauamt die Arbeiten koordiniert. Flucht-und Rettungswege müssen beleuchtet werden, der Brandschutz ist in Ordnung. Wer jetzt durch die Räume geht, erkennt sie kaum wieder, die Räume mit dem prächtigen Gewölbe auf der Südseite im Erdgeschoss des Unteren Schlosses. Lichtdurchflutet sind sie jetzt, wo nicht mehr Jalousien das Licht filtern, Die Sonne wirft die Fensterkreuze als Schatten auf den alten Steinboden, und obwohl die Räume nicht übermäßig viel Höhe haben, wirken sie leicht und fast elegant.

Mittelschulrektor Otto Imminger, der örtlicher Koordinator und Betreuer am Schulmuseum ist und auch Geschäftsführer des Vereins der Freunde und Förderer des Bayerischen Schulmuseums Ichenhausen, will gerade noch ein paar übrig gebliebene Ordner aufräumen – „damit es am Sonntag ordentlich aussieht“, sagt er, denn da werden im eigentlich geschlossenen Schulmuseum Besucher erwartet. Sie werden wohl ebenso wie Otto Imminger begeistert sein von der Raumwirkung des Gewölbes.

„Ganz andere Aussichten auf Ichenhausen

Nicht weniger beeindruckend ist es im ersten Obergeschoss. Der große Raum im Südwesten gibt den Blick frei auf eine ganze Flucht von aufeinanderfolgenden Räumen auf der Westseite. Und der erste Stock bietet noch mehr: Jetzt, wo die Fenster frei zugänglich sind, schwärmt Museumspädagogin Johanna Spengler-Haug von „ganz anderen Aussichten auf Ichenhausen“. Diesen Genuss und noch mehr will sie Interessierten am Sonntag bei einem etwas anderen Museumsbesuch bieten. Denn eigentlich gibt es in den leeren Räumen ja nicht gerade viel zu sehen. Dafür könnten Besucher das leere Schloss mit Erinnerungen an die eigene Schulzeit in diesen Räumen füllen und mit Ursula Seitz diese Erinnerungen vertiefen. Die Schulrätin im Ruhestand war nämlich vor vielen Jahren auch einmal Lehrerin an der ehemaligen Volksschule im Unteren Schloss.

Das Gitarrenduo Rachel und Peter Merz wird am Sonntag die Räume zum Klingen bringen und das Ichenhauser Frauenvokalensemble mit Marion Joos, Iris Hildensperger und Johanna Spengler-Haug hat für seinen ersten offiziellen Auftritt natürlich auch im ausgeräumten Museum geprobt und die Akustik getestet. Bei der Führung am Sonntag sollen dann wie früher, als dort noch die Ichenhauser Kinder die Schulbank gedrückt haben, auch wieder Volkslieder erklingen. Die Besucher dürfen nicht nur staunen, sondern auch singen.

Der alte Schulmeister im Museumsdepot unter dem Neubau wird dann vielleicht die Ohren spitzen und ebenfalls ein bisschen von alten Zeiten träumen. Ein paar Monate muss er aber schon noch aushalten, dort im Keller zwischen Regalen, aufgetürmten Schulmöbeln und Stapeln von alten Wandbildern. In der neuen Ausstellung – die Eröffnung ist für September vorgesehen – bekommt er freilich wieder einen gebührenden Platz, sagt Johanna Spengler-Haug: „Er wird eine ganz zentrale Rolle übernehmen.“ Und dann beginnt im Schulmuseum Ichenhausen eine neue Zeit mit dem alten Schulmeister.

Die Führung durch das leere Schloss beginnt am Sonntag, 4. März, um 15 Uhr. Ursula Seitz und Otto Imminger begleiten die Besucher durch die Räume des Schulmuseums. Das Gitarrenduo Rachel und Peter Merz, sowie das Ichenhauser Frauenvokalensemble mit Marion Joos, Iris Hildensperger und Johanna Spengler-Haug werden den Rundgang musikalisch bereichern. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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