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Bühne

24.03.2015

Auf Höllenfahrt

Da geht´s zur Sache: Turbulente Szene des Stücks „Fahrt zur Hölle“ der ökumenischen Theatergemeinschaft Ichenhausen auf der Bühne des Hochwanger Schützenheims, das am kommenden Samstag, 28. März, 20 Uhr noch einmal aufgeführt wird (Karten unter Telefon 08223/1089).
Bild: Wolfgang Kahler

Zwölf Darsteller der ökumenischen Theatergruppe zeigen in Hochwang, wie eine Situation in der U-Bahn eskaliert. Die Bezüge zur Gegenwart sind offensichtlich

Die U-Bahn bleibt stehen. Technischer Defekt. Gefangen in der Enge eines Waggons treffen unterschiedlichste menschliche Charaktere aufeinander. Es wird dramatisch. Mit der „Fahrt zur Hölle“ hat die ökumenische Theatergemeinschaft Ichenhausen eine höchst aktuelle gesellschaftliche Problematik aufgegriffen – aber nicht nur todernst.

„Es ist schwierig, ein Stück zu finden, dass anspruchsvoll ist, bei dem aber der Unterhaltungswert nicht zu kurz kommt“, sagt Janina Angermeyer. Die Medizinstudentin hat das ursprünglich nur eine dreiviertel Stunde lange Schauspiel selbst weiter entwickelt und gehört zum zwölfköpfigen Darstellerteam im Alter von acht bis 45 Jahren. Die Vorbereitungen für die Premiere am Samstagabend im Hochwanger Schützenverein verliefen alles andere als einfach. Einige Rollen mussten krankheitsbedingt kurzfristig umbesetzt werden. Doch die Truppe ließ sich davon nicht entmutigen, sondern lieferte dem begeistert applaudierenden Publikum eine engagierte Vorstellung, der die paar Holprigkeiten keinen Abbruch taten.

Schon die Bühne im Schützenheim ist anders als bei den üblichen Aufführungen gebaut: Nicht am schmalen Kopfende, sondern an der Längsseite, damit ein Zugabteil gut drauf passt. Eine bunte gesellschaftliche Mischung ist dort unterwegs: Ein Junkie (John Kaldjob), ein Penner (Petra Kleiber), ein schwules Pärchen (Therese Nagel, Harald Bauch), eine Schülerin (Annika Saßen), Frau Chang, eine Asiatin (Joanne Leong), eine Tussi (Stephanie Nagel), zwei Rechtsradikale (Janina Angermeyer, Kathrin Linder) und eine Oma (Beate Linder). Als der Zug wegen eines technischen Defekts im Tunnel stecken bleibt, eskaliert die anfangs noch ruhige Lage. Die beiden Rechtsradikalen provozieren die Fahrgäste, klauen der Tussi die Handtasche, der Schülerin die Geige und streiten mit ihr um einen Sitzplatz. Als sich die Asiatin einmischt, wird sie beschimpft: „Mach Platz, Schlitzauge“ – und niemand hilft. Schließlich zieht einer der Aggressoren eine Waffe, die Katastrophe droht. Dann vollzieht sich auf der Bühne ein Wandel: In der Halluzination wird plötzlich der kirchliche Bezug deutlich. Die Steinigung einer Ehebrecherin, der Verrat an Jesus von Nazareth durch Judas an die Hohepriester und der spätere Kreuzweg stehen jetzt im Mittelpunkt. Die Laienspieler in Doppelrollen, ergänzt von einer Pastorin (Michaela Meier), Kontrolleuren/Hauptmann und Soldat (Andreas Münz, Martina Münz) sowie den Kindern Pia Kollmann, Katja Münz und Julia Münz ziehen alle Register.

Das nächste Bild zeigt wieder den Waggon. Die Situation ist unverändert ernst. Doch die Asiatin ergreift schließlich als Einzige die Initiative und kann mit Kampfsporttechnik den Angreifer entwaffnen. Dabei fällt ein Schuss, der den Junkie am Bein trifft. Jetzt helfen auch die anderen bisher passiven Fahrgäste. Als es gelingt, eine Scheibe zu zertrümmern, flüchten alle in den U-Bahn-Tunnel. Nur der ziemlich besoffene Penner bleibt zurück.

Janina Angermeyer hat einen Teil der U-Bahn-Szene umgeschrieben: „Es sollte möglichst spannend, aber auch lehrreich sein“. Zivilcourage und Nächstenliebe sollten im Vordergrund stehen. Seit Sommer vergangenen Jahres hat sich die angehende Ärztin mit der Aufführung beschäftigt: „Praktisch jede freie Minute“. Unterstützt wurde sie von Vater Bruno sowie Mutter Ursula, ein Familienprojekt gewissermaßen. Der Reinerlös der Einnahmen wird übrigens gespendet, an die Hochwanger Kirche und den Kindergarten Autenried. Welche Wirkung die „Fahrt zur Hölle“ hinterlässt, bestätigt Ichenhausens Pfarrer Pater Jonas: „Der Bezug zur Gegenwart, die Aktualität war super“.

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