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Auf den Schultern der Riesen

Auf den Schultern der Riesen
Kommentar Von Till Hofmann
05.06.2020

Warum es gut ist, wenn sich junge Menschen in der Politik engagieren. Und worauf sie dabei achten sollten.

Das Gespräch mit dem 18 Jahre alten Philipp Beißbarth in dieser Woche in der Redaktion unserer Zeitung war erfrischend. Man merkte dem Geografie-Studenten aus Jettingen-Scheppach an, mit welcher Freude er an seine neue Aufgabe herangeht, kommunalpolitisch tätig zu sein. Ein Satz – das Copyright liegt sicher nicht bei dem jungen Mann – hallt bei mir nach: „Demokratie lebt vom Mitmachen.“ Das mag zwar eine Binsenwahrheit sein. Aber viele schlüpfen doch viel lieber in die Rolle des schimpfenden Politik-Konsumenten, der alles besser weiß, aber nie den Beweis antritt, es auch besser zu können.

Auf diese Couch-Potato-Perspektive wollte sich der Grünen-Jungpolitiker Beißbarth nicht beschränken, der ohne große „Ochsentour“ mitreden und mitentscheiden darf. Da haben kleinere Parteien gegenüber den großen sicher den Vorteil, flexibler zu agieren.

Die Jugend allein ist kein Verdienst – ebenso wenig das Alter. Wichtig ist im Umgang der Generationen miteinander vor allem der gegenseitige Respekt. Es ist sicher kein Fehler, sich als „Frischling“ anzuhören, was diejenigen zu sagen haben, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte viele Erfahrungen gemacht haben und auch politisch komplexe Sachverhaltene mit einer gewissen Gelassenheit und Souveränität beurteilen können.

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Die Routine des Alters darf freilich nicht so weit führen, dass einem dabei die Füße einschlafen und neue Wege per se unmöglich sind. So eine Haltung gipfelt gewöhnlich in einen meiner Lieblingssätze: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Vielleicht ja immer falsch gemacht. Die Erfahrenen sind also gut beraten, den Jungen genügend Entfaltungsraum zu bieten. Von einer anderen Sichtweise können auch sie profitieren. Das Schlagwort vom „lebenslangen Lernen“ verkommt hier nicht zur bloßen Floskel. Wer sich seine Neugierde erhält, ist auch in gesetztem Alter ein gefragter Gesprächspartner in der Gegenwart.

Der Spaß daran, eine Gemeinschaft mit eigenen Ideen zu bereichern und voranzubringen, hat auch Johannes Böse dazu bewogen, für das Bürgermeisteramt in Landensberg anzutreten. Er hatte Erfolg mit seiner Kandidatur und ist Mitte März gewählt worden – mit 23 Jahren der jüngste Bürgermeister im Landkreis Günzburg.

Wenn Jung und Alt gut miteinander agieren, ergibt sich eine günstige Konstellation. Das Resultat ist – gerade auch in unsicheren Zeiten – Weitblick, wenn auf Bestehendes aufgebaut werden kann. Der inzwischen emeritierte Journalistik-Professor Stephan Russ-Mohl hat dieses Zusammenwirken immer wieder treffend mit dem Satz beschrieben: „Wir stehen auf den Schultern von Riesen.“

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