1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Auf den Spuren der Wohltätigkeit

Leipheim

25.06.2018

Auf den Spuren der Wohltätigkeit

Copy%20of%20Hintere_Gasse10_Leipheim_Juni18_2.tif
2 Bilder
1315 wurde die Hospitalstiftung in Leipheim ins Leben gerufen, vor 650 Jahren wurde sie eigenständig. Zum Besitz der Hospitalstiftung gehört noch heute der Farrenstall, das einstige Armenhaus.
Bild: Bernhard Weizenegger

Vor 650 Jahren wurde die Leipheimer Hospitalstiftung eigenständig. Deshalb gibt es eine neue historische Stadtführung. Was das Spital bewirkt hat und was heute davon übrig ist.

Welche Spuren hat die Leipheimer Hospitalstiftung in der Güssenstadt hinterlassen? Immerhin feiert das Spital zum Heiligen Geist in diesem Jahr sein 650-jähriges Bestehen. Gästeführerin Marianne Winkler schlüpft diesmal in die Rolle der edlen Vogtsfrau zu Lypheim. Als Premierenpublikum war der Leipheimer Stadtrat zur ersten Führung der Vogtsfrau gekommen, um mehr über das Spital und sein Wirken zu erfahren.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Was den Leipheimer Stadträten besonders imponiert hat: Die Hospitalstiftung in Leipheim ist die älteste Wohltätigkeitseinrichtung im gesamten Landkreis. Und ja, damit auch älter als die in Günzburg, die erst deutlich später, nämlich 1452 ins Leben gerufen worden ist.  Doch mit der Feier zum großen 650-jährigen Jubiläum, da sind die Leipheimer eigentlich schon zu spät dran, bemerkte die Vogtsfrau, alias Marianne Winkler. Denn eigentlich wurde die Leipheimer Stiftung im Jahr 1315 ins Leben gerufen. Vor genau 650 Jahren, im Jahr 1368, wurde die Stiftung aber selbstständig – also doch ein Grund zum Feiern. Sich die Hospitalstiftung einmal näher anzusehen und ihr Wirken zu verfolgen, lohnt sich so oder so.

Unterstützung für Arme, Bedürftige und Kranke

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Unterstützung von Armen, Bedürftigen, Kranken und alten Leipheimer Bürgern war der ursprüngliche Wesenskern der Hospitalstiftung. Gegründet wurde das Spital von den Güssen – und zwar, so betont Marianne Winkler immer wieder, aus reiner Nächstenliebe heraus. „Sie handelten aus Sorge um die Not der Menschen, aus christlicher Verpflichtung.“

Das Spital wuchs im Lauf der Jahre und Jahrhunderte immer weiter. 1516 wurde das Pfründerhaus, also das Armenhaus errichtet. Alte Menschen konnten sich dort einkaufen und erhielten bis zu ihrem Tod Kost und Unterkunft. Das Spital entwickelte sich zu einem richtigen Wirtschaftsbetrieb, es war „eine Stadt in der Stadt“. Die Hospitalstiftung besaß zahlreiche Grundstücke, hatte Knechte, Mägde und Leibeigene. Und: Die Hospitalstiftung war sogar Gerichtsherr und erhielt den Zehent. Besitztümer hatte die Stiftung hauptsächlich in Leipheim, aber auch in Echlishausen, Leibi, Schneckenhofen, Emmental, Remshart und, so vermutet Gästeführerin Marianne Winkler, in Limbach. Im 18. Jahrhundert gehörte zum Eigentum des Spitals unter anderem auch die St. Leonhardskapelle, die Untere Mühle und das Haus des Stadtschreibers. Mit der Größe wuchs auch das Wirken der Stiftung. Sie bezahlte das Schulgeld für arme Kinder, Hebammen und Krankengeld wurden bezahlt. Ja, sogar als Bank, also als Geldleihinstitut, war die Stiftung tätig.

Nothelfer für die Gemeinde

Im 19. Jahrhundert wurde beschlossen, dass das Spital neu gebaut werden muss. Ein zeitgemäßes Spital musste her. Wenige Jahre zuvor hatte die Stadt die Verwaltung des Spitals übernommen – und so wurde die Stiftung auch immer mehr zum Nothelfer für die Gemeinde; wie 1829 als Leipheim die erste Feuerwehrspritze bekam. 1891 übernahmen die Neuendettelsauer Diakonissenschwestern die Führung des Spitals.

Mit dem 20 Jahrhundert begannen die schweren Zeiten des Spitals. Den Ersten Weltkrieg hat die Stiftung dank ihres Grundbesitzes einigermaßen schadlos überstanden. 1933 wurde das Spital umgebaut und nun Krankenhaus genannt. Gerade zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es fast ausschließlich zur Versorgung von Kranken und Verwundeten genutzt – dann natürlich auch nicht mehr nur für die Leipheimer Bürger. So ging es bis 1970, dann wurden die Neuendettelsauer Schwestern vom Mutterhaus gekündigt. Zwei Jahre später schloss das Krankenhaus. Die Stadt Leipheim verwaltet die Stiftung seitdem weiter.

Und heute? „Sogar ein Teil der Erstausstattung der Güssen gibt es noch“, sagt Marianne Winkler. Grundstücke und Wälder in Leipheim, Deffingen, Silheim und Kadeltshofen sind noch im Besitz der Stiftung. Ebenso der Farrenstall (das einstige Armenhaus) und das Wohngebäude in der Wallgrabenstraße.

Grundstein für den Kindergarten

Auch sonst sind noch viele Spuren der Hospitalstiftung in Leipheim zu finden, wie der Rundweg mit Marianne Winkler zeigt. Sei es der Grabstein des Arztes und Schlossherrn Dr. Friedrich Rau, der zu seiner Zeit den Grundstein für die Kinderbewahranstalt, also einen Kindergarten, legte. Finanziell unterstützt wurde die Kinderbetreuung von der Hospitalstiftung, so konnte 1902 der erste Kindergarten in Leipheim öffnen. Auch etliche Straßennamen sind mit dem Hospital verbunden – ohne, dass es auf den ersten Blick erkennbar ist. Der erste Pfarrer der St. Veitskirche, Johann Wilhelm Diez, beispielsweise, unterstützte als Almosengeldverwalter der Stadt die Armenfürsorge – und sorgt so dafür, dass die Stiftung auch noch im 18. Jahrhundert hoch angesehen war. Pfarrer und Dekan August Gabler, nach ihm ist in Leipheim ebenfalls eine Straße benannt, war es, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Anstoß zu einem modernisierten Neubau des Spitals gab.

Historische Stadtführung Die erste öffentliche Führung der Vogtsfrau findet am Donnerstag, 28. Juni, statt. Beginn ist um 19 Uhr. Treffpunkt ist im Schlosshof. Anmeldung bei Marianne Winkler unter der Telefonnummer 08221/72200.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren