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Kloster

24.01.2015

Auf neuen Wegen

Neue Wege gilt es für das Kloster Wettenhausen zu gehen – vor 150 Jahren taten dies auch die Dominikanerinnen, die Jahrzehnte nach der Säkularisation neues (Ordens-)Leben in das Haus brachten. Zum Jubiläum ist eine ganze Reihe von Veranstaltungen geplant, die ähnlich wie der „Sommernachtstraum“ im vergangenen Jahr (unser Bild) das Kloster aus neuen Perspektiven erleben lassen.

Vor 150 Jahren zogen die Dominikanerinnen in Wettenhausen ein. Das Jubiläumsjahr erinnert an die Anfänge – es weist jedoch auch in die Zukunft des Hauses

Bitterkalt muss es gewesen sein bei diesem Schritt ins Ungewisse. Acht Frauen haben ihn gewagt, an diesem 30. Januar 1865, als sie ins Kloster Wettenhausen einzogen, in ein Haus, das nach dem Auszug der Augustiner Chorherren Jahrzehnte zuvor zum Teil unbewohnbar war. Sie haben sich eingerichtet und zwei Tage später mit dem Unterricht begonnen. Bis heute sind die Dominikanerinnen geblieben, auch wenn es nicht immer leicht gewesen sein muss. Heute stehen die Schwestern erneut vor der Frage, was die Zukunft für sie und für ihr Haus bringt. Dennoch wollen sie dieses Jubiläumsjahr zuversichtlich begehen – unter dem Motto „Starke Frauen mit Gottvertrauen“ feiert das Kloster der Dominikanerinnen Wettenhausen sein 150-jähriges Bestehen.

Eine starke Frau muss Priorin Aquinata Lauter allemal gewesen sein, die mit ihren Mitschwestern aus Augsburg die Gemeinschaft in Wettenhausen aufbaute. Ihre heutige Nachfolgerin Priorin Amanda Baur erkennt in ihr eine Managerin mit visionären Ideen und einem ausgezeichneten Netzwerk. „Sie wollte im ländlichen Raum ein Kloster eröffnen und da kam Wettenhausen sehr gelegen. Aber ohne die Hilfe von Bischof Pankratius wäre es ein Fehlstart geworden.“

Die Bedingung von staatlicher Seite, das Klostergebäude Jahrzehnte nach der Säkularisation wieder in kirchliche Hände zu geben: Es muss Unterricht für Mädchen angeboten werden. Eine Aufgabe, der sich die Frauen vom ersten Tag an verschrieben haben, bis hin zum Internatsbetrieb mit 300 Mädchen, zur Ausbildung von Lehrerinnen. 1981 übergab das Kloster das heutige St. Thomas Gymnasium an das Schulwerk der Diözese – die Verbindung zur Schule ist nach wie vor eng. Bis zu 100 Schwestern lebten zu Spitzenzeiten im Wettenhauser Kloster, insgesamt 350 Frauen in 150 Jahren, die auch Armut und harte Arbeit nicht schrecken konnten. „Die Frauen haben Aufgaben übernommen, die eigentlich Männersache sind“, sagt Schwester Amanda Baur rückblickend. Und wenn es eng wurde mit Geld oder Nahrung, startete die findige Priorin Aquinata Lauter kurzerhand eine Gebetskampagne. Das half.

Am kommenden Freitag, 30. Januar, genau 150 Jahre nach dem Einzug der Schwestern in Wettenhausen, erinnert das Kloster in einem Gottesdienst an die starken Frauen des Jahres 1865. Weihbischof Florian Wörner wird um 17 Uhr den Festgottesdienst in der Pfarrkirche feiern, den Schülerinnen und Schüler des St. Thomas Gymnasiums musikalisch gestalten – ein Zeichen der nach wie vor starken Verbundenheit zwischen Kloster und Schule, betont Olaf Ude, der Geschäftsführer der Klosterentwicklungsgesellschaft. Ein offizieller Festgottesdienst zum Jubiläumsjahr findet im Sommer statt: Dominikaner-Provinzial Christophe Holzer zelebriert den Festgottesdienst am 27. Juni, anschließend findet ein Festakt im Kaisersaal statt. „Jetzt im Januar wäre es dafür viel zu kalt im Kaisersaal“, sagt Priorin Schwester Amanda.

Immer häufiger ist das Kloster in den vergangenen Jahren zur Bühne für Kunst, Theater und Musik geworden. Dazu passen auch die weiteren Veranstaltungen, die im ersten Teil des Jubiläumsjahrs geplant sind: Die Fotografen Verena Mueller und Manfred Gaida haben unter dem Titel „Einblicke in das Kloster Wettenhausen“ Fotografien aus dem Klosterleben zu einem Bildband zusammengestellt, der im Rahmen einer Ausstellung ab dem 22. März im Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen vorgestellt wird. Regisseur Philipp J. Neumann, im vergangenen Jahr mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Kloster zu Gast, inszeniert mit dem Neuen Theater Burgau ab 20. März in der Studierstube des Klosters die Collage „Und Herz und Mund und Tat und Leben.“ In der zweiten Jahreshälfte wird er zudem an einem Stück über das Kloster beteiligt sein, an dem die Autorin Katrin Hötzel derzeit arbeitet.

Außerdem vorgesehen: Ein Vortrag des Günzburger Klinikseelsorgers Dr. Hermann Wohlgschaft, der über „Starke Frauen in Kirche und Kultur“ sprechen wird (23. April), Kirchenfrauen-Kabarett aus Österreich (5. Juni) und eine Poetry Slam Show mit Max Kennel und Freunden (18. Juni). Alexander Vollertsen, ehemaliger Schüler des St. Thomas-Gymnasiums, hat zwölf Postkartenmotive von Händen aus Gemälden, Kunstwerken aber auch Fotos von Händen der Schwestern gestaltet und mit spirituellen und meditativen Texten hinterlegt, die jeden Monat in limitierter Auflage erscheinen. Sie sind ein Bild für die freundschaftliche Verbundenheit und sollen das „Handreichen und Mithelfen für eine gute Zukunft des Wirkens im Kloster Wettenhausen“ symbolisieren.

Und auch das Fernsehen würdigt die Wettenhauser Schwestern: Nach den Dreharbeiten zu „Kunst und Krempel“ im Kaisersaal kam erneut ein Team des Bayerischen Rundfunks, um nach Kunstschätzen auch die menschlichen Schätze des Wettenhauser Klosters ins Fernsehen zu bringen. Kommendes Wochenende ist der Beitrag im BR zu sehen. Er handelt von starken Frauen und ihrem Gottvertrauen.

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