Newsticker
Bayern gibt AstraZeneca-Impfstoff für alle Altersgruppen frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Ausbildungsplatz: Arbeitgeber im Kreis Günzburg sind zurückhaltend

Landkreis Günzburg

05.04.2021

Ausbildungsplatz: Arbeitgeber im Kreis Günzburg sind zurückhaltend

Wo bitte gibt’s einen Ausbildungsplatz? Die Suche danach ist nicht so einfach, weil Arbeitgeber mit dem Angebot in der Corona-Krise zurückhaltender sind. Das ist auch im Landkreis Günzburg spürbar.
Foto: drubig-photo/stock.adobe.com

Was die Agentur für Arbeit jungen Menschen rät und wie sie unterstützen kann. Arbeitslosenquote geht im Kreisgebiet insgesamt zurück.

Auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Günzburg macht sich die Frühjahrsbelebung bemerkbar. Ak-tuell liegt die Arbeitslosenquote bei 2,8 Prozent. Im Februar betrug sie 3,1 Prozent und vor einem Jahr lag sie bei 2,2 Prozent. Insgesamt sind 2125 Menschen arbeitslos gemeldet, 175 weniger als vor einem Monat, aber 514 mehr als vor einem Jahr.

Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, fasst die aktuelle Situation zusammen: „In Anbetracht der anhaltenden Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hält sich der Arbeitsmarkt in unserer Region verhältnismäßig robust. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage weiterhin angespannt ist. Die staatlichen Subventionen federn stärkere Auswirkungen ab. Kurzarbeit wird von den Betrieben in hohem Maße genutzt, um Mitarbeiter zu halten. Leider bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin verhalten.“

Vom Frühjahrseffekt profitieren Männer deutlich mehr als Frauen

Der übliche „Frühjahrseffekt“ bildet sich durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Männern ab, da diese häufiger in den Außenberufen beschäftigt sind. Hier ist die Arbeitslosigkeit um zehn Prozent zurückgegangen - bei den Frauen dagegen nur um 4,9 Prozent.

Im März haben sich 457 Personen arbeitslos gemeldet, davon kamen 209 aus einer Beschäftigung. Im Gegenzug konnten 629 die Arbeitslosigkeit beenden, 281 davon nahmen eine Erwerbstätigkeit auf.

Von den 2125 arbeitslos gemeldeten Menschen waren 1646 (minus 179 im Vergleich zum Vormonat) bei der Arbeitsagentur und 479 (plus 4 im Vergleich zum Vormonat) im Jobcenter Günzburg gemeldet.

Wie sich der aktuelle Trend am besten ablesen lässt

Der Umfang der realisierten Kurzarbeit ist unverändert sehr hoch. Da die Betriebe bis zu drei Monate im Nachgang abrechnen können, liegen verlässliche Daten erst mit einem längeren zeitlichen Verzug vor. Der aktuelle Trend lässt sich am besten an den monatlich neu eingegangenen Anzeigen ablesen. Nach deutlichen Anstiegen vor dem Hintergrund des Lockdowns zum Jahresende gehen die Anzeigen konjunktureller Kurzarbeit seit Jahresbeginn wieder zurück. Im Februar gingen 74 Anzeigen für 748 Beschäftigte ein und bis zum 25. März wurden 16 Anzeigen für 73 Beschäftigte eingereicht.

Die Arbeitskräftenachfrage ist weiterhin äußerst verhalten. Im März wurden 282 neue Arbeitsstellen gemeldet, drei mehr als im Februar. Beim Vergleich zum Vorjahr liegen die Stellenmeldungen mit 56 im Minus. Der Bestand an offenen Stellen liegt leicht über dem Niveau des Vormonats aber immer noch unter den Werten des Vorjahres. Insgesamt befinden sich im Stellenpool 1110 Arbeitsstellen, zwölf mehr als im Februar und 398 weniger als im Vorjahr. Gesucht wird Personal in den Berufsbereichen Lagerwirtschaft, Maschinenbau, Verkauf, Post- und Zustellerdienste, Kranführer, Metallbearbeitung, Bauelektrik, Farb- und Lacktechnik, Schweißtechnik und Metallbau.

Halbzeit im Berufsberatungsjahr

Es ist Halbzeit im Berufsberatungsjahr und Richard Paul zieht Zwischenbilanz: „Seit Oktober 2020 haben sich 557 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Arbeitsagentur gewandt. Das sind zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig wurden 748 Ausbildungsstellen gemeldet, 23,1 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Rein rechnerisch stehen einem Ausbildungssuchenden 1,3 Ausbildungsstellen gegenüber.

Aktuell haben 307 Jugendliche noch keine feste Zusage für einen betrieblichen Ausbildungsplatz oder eine andere Alternative wie den Besuch einer weiterführenden Schule. Demgegenüber stehen 430 unbesetzte gemeldete Berufsausbildungsstellen. Es bieten sich also noch gute Chancen für die jungen Menschen, in eine betriebliche Ausbildung zu starten. „Leider wurden uns dieses Jahr deutlich weniger freie Ausbildungsplätze von den Betrieben gemeldet. Die Ausbildungssuche wird damit schwieriger als in den vergangenen Jahren. Viele Betriebe kämpfen mit den Auswirkungen der Krise und streichen deshalb die Ausbildung der Nachwuchskräfte. Dennoch appelliere ich an die Unternehmen, weiterhin auszubilden, denn ein Auszubildender/eine Auszubildende bleibt die begehrte Fachkraft von morgen – Corona hin oder her. Im Rahmen des Bundesprogramms ,Ausbildungsplätze sichern’ gibt es für Arbeitgeber Unterstützungsmöglichkeiten, die ganz aktuell nochmals verlängert und ausgeweitet wurden“, wirbt der Agenturleiter.

Fundament für eine stabile Erwerbsbiografie

Jugendliche, die eine Ausbildung machen möchten, sollten sich trotz der aktuellen Situation nicht verunsichern lassen, rät Paul. Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt, sich mit der eigenen Berufswahl auseinanderzusetzen und die Weichen zu stellen. Dafür stehe die Berufsberatung der Agentur für Arbeit den jungen Menschen zur Seite. Eine frühzeitige, intensive Beratung unterstütze sie dabei, sich für den richtigen Beruf zu entscheiden und das Fundament für eine stabile Erwerbsbiografie zu legen. „Wir bieten Telefon- und Videoberatung an. Und wir sind online präsent: mit Tools wie ,Check U’ oder Livechats auf YouTube“, so Paul.

Der Leiter der Donauwörther Arbeitsagentur berichtet zu den neuesten Zahlen aus der Beschäftigtenstatistik: „Trotz Corona-Pandemie hat die Beschäftigung leicht zugenommen, was wirklich bemerkenswert ist. Ende September 2020, dem letzten Quartalsstichtag, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Landkreis Günzburg auf 54.920. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 296 oder 0,5 Prozent. Dass die Beschäftigung nicht eingebrochen ist, verdanken wir der Kurzarbeit.“ Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme im Gesundheitswesen (plus 195 oder 3,8 Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe (minus 336 oder 2,0 Prozent). (zg)

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren