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Waldstetten

06.08.2020

B16: Osttrasse spaltet Waldstetter Gemeinderat

So sieht die geplante Ostumfahrung von Ichenhausen und Kötz aus. Sie betrifft Waldstetten nur am Rande - trotzdem wurde im Gemeinderat hitzig diskutiert.
Bild: Staatliches Bauamt Krumbach/AZ Infografik

Plus Im Gemeinderat Waldstetten wurde ausführlich über die geplante Umfahrung von Ichenhausen und Kötz debattiert. Nach hitziger Diskussion überraschte das Ergebnis.

Nach Ichenhausen und Kötz haben jetzt auch die Gemeinderäte der Marktgemeinde Waldstetten Stellung zur geplanten Ostumfahrung der B16 bezogen. Zu einer Einigung kamen die Politiker aber erst nach einer erhitzten Debatte – und das Ergebnis war weder einstimmig noch für alle zufriedenstellend.

Bereits seit über 30 Jahren wird über eine Umfahrung der stark belasteten Innenstadt in Ichenhausen nachgedacht, seit mehr als zehn Jahren läuft die genauere Planung. Auch in Waldstetten stand das Thema vor sechs Jahren bereits auf der Tagesordnung, wie Bürgermeister Michael Kusch zu Beginn der Gemeinderatssitzung erklärte. Damals seien die Räte „gnadenlos dagegen“ gewesen.

Markt Waldstetten soll von der Ostumfahrung profitieren können

Jetzt lag ein neuer Antrag vor – eben jener, für den bereits in Ichenhausen und Kötz die Einwohner mit Plakaten auf die Straße gegangen waren. Am Mittwochabend war vor dem Rathaus in Ichenhausen, in dem die Gemeinderatssitzung von Waldstetten stattfand, allerdings kein einziges Schild zu sehen. Und die Marktgemeinde sei auch nur „am Rande betroffen“, wie Wilhelm Weirather, Leitender Baudirektor am Staatlichen Bauamt Krumbach, betonte. Trotzdem sei es wichtig, Waldstetten einzubeziehen, da die Marktgemeinde von der Umfahrung profitieren könne. „Man muss einen Blick über den Tellerrand werfen und Solidarität für die Nachbarkommunen aufbringen.“

B16: Osttrasse spaltet Waldstetter Gemeinderat

Die geplante Osttrasse betrifft Waldstetten vorwiegend im Bereich des Rohrer Waldes. Im Gegensatz zum vorigen Entwurf von 2014, in dem die Trasse vor dem Waldrand entlang geführt hatte und damit weniger als 200 Meter vom Brandfeld entfernt gelegen war, führt die Umfahrung jetzt im Bereich des Brandfeldes ein Stück weit durch den Rohrer Wald hindurch. Dort verläuft die Trasse größtenteils in einem Einschnitt.

Die drei anwesenden Mitarbeiter des Bauamtes zeigten außerdem zwei Visualisierungen, in denen die geplante Straße virtuell abgefahren wurde.

Über Schwerlastverbot auf der jetzigen B16 entscheidet künftiger Baulastträger

Die anschließende Möglichkeit, Fragen zu stellen, nutzten die Marktgemeinderäte rege. Warum man denn in Waldstetten abstimme, wollte Mathias Mader ( Freie Wähler) wissen. Weirather betonte, dass das Krumbacher Bauamt grundsätzlich keine Beschlüsse der betroffenen Städte und Gemeinden brauche, da den Bund bei der Genehmigung nur die Kosten interessierten. „Aber es ist eine gute Übung: Wenn die Mehrzahl gegen die Straße wäre, müsse man sich gut überlegen, ob man sie trotzdem baut.“

Ob auf der jetzigen B16 nach dem Bau der Osttrasse ein Schwerlastverbot gelten wird, muss der künftige Baulastträger entscheiden. Definitiv werde die Straße einer niedrigeren Straßenklasse zugeordnet werden, erklärte Weirather. Vermutlich werde sie zu einer Gemeinde- oder einer Kreisstraße.

Bürgermeister Kusch fordert "bestmöglichen Lärmschutz und Flächenausgleich"

Besorgt zeigten sich die Politiker außerdem über die bauliche Entwicklung des Marktes Waldstetten und Umgebung. „Der Bereich Brandfeld ist so idyllisch – wenn in kurzer Entfernung eine Bundesstraße verläuft, baut da niemand mehr hin“, gab Martin Stricker (Freie Wähler) zu bedenken. Auch die Lärmbelastung wurde rege diskutiert. Mehrere Marktgemeinderäte erkundigten sich, ob neben der teilweisen Absenkung der Fahrbahn eine weitere Eindämmung des Straßenlärms möglich sei. Werner Konrad (Bürgerbündnis Waldstetten) stellte einen Tunnel als Alternative infrage. Dieser sei jedoch in den Betriebskosten deutlich aufwendiger und werde nicht genehmigt werden, erklärte Henrik Vosdellen vom Bauamt. Bürgermeister Kusch stellte einen Antrag auf eine Abstimmung für den Bau der Trasse, wobei bestmöglicher Lärmschutz und Flächenausgleich angestrebt werden müsse. „Von einer intakten Innenstadt Ichenhausen profitiert auch Waldstetten.“

Der Antrag wurde von Mathias Mader (Freie Wähler) abgeschmettert. Als ein Gemeinderatsmitglied habe er die Interessen der Marktgemeinde zu wahren. Der angedachte Kreisverkehr, der die Trasse im Süden abschließen soll, sei nur 380 Meter von der Siedlung Heubelsburg entfernt. So sei der Gemeindeteil direkt von dem Straßenlärm, der beim Abbremsen und Anfahren des Lastverkehrs entstehe, betroffen. Auch im Bereich Brandfeld fände keine Berücksichtigung statt. Dazu komme die Belastung der Landwirtschaft durch den Flächenverlust. Weder die Landwirte noch die Jäger in der Region seien von der Trasse begeistert, da genutzte Flächen gespalten werden und auch der Wald empfindlich betroffen sei.

Waldstetten kommt zu keinem Beschluss über die Osttrasse

Mader forderte den Gemeinderat auf, gegen die Ostumfahrung in der aktuellen Form zu stimmen. Auch Martin Stricker (Freie Wähler) betonte, dass zwar Waldstetten weit genug von der Trasse entfernt liege, um lärmtechnisch nicht belastet zu werden. Höre man sich jedoch beispielsweise in Heubelsburg um, seien die Bewohner gegen die Umfahrung.

Silvia Schieferle (Bürgerbündnis Waldstetten) stellte gar die ganze Umgehung an sich infrage. „Grund und Boden wird nicht mehr, jeder muss sich an die eigene Nase packen, damit der Verkehr weniger wird.“

Schließlich stellte Bürgermeister Kusch einen Antrag auf den Beschluss, keinen Beschluss zur Osttrasse zu fassen. Dieser wurde mit acht zu fünf Stimmen befürwortet. Auch über diesen Beschluss entfachte sich eine Diskussion, die Stefan Bucher (CSU) schlichtete: „Kein Beschluss ist besser als ein knapper Beschluss. Denn wir stehen nicht geeint hinter einem Ja oder einem Nein, sondern haben Zweifel. Vielleicht ist das die richtige Message.“

Im Anschluss bestätigte der Gemeinderat einstimmig den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Waldstetten, Christoph Schneider, in seinem Amt und beschloss damit den öffentlichen Teil der Sitzung.

Auch in Ichenhausen und Kötz wurde über die Osttrasse diskutiert:

Neue Pläne für die B16-Umfahrung in Ichenhausen vorgestellt: Anwohner machen Druck

B16-Umfahrung: Passen Klimaschutz und Osttrasse zusammen?

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