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Kötz

05.08.2020

B16-Umfahrung: Passen Klimaschutz und Osttrasse zusammen?

Vor der Gemeinderatssitzung in Kötz am Dienstagabend waren Befürworter der im Osten geplanten Entlastungsstraße für Ichenhausen und Kötz mit ihren Bannern vor der Günzhalle. Gut 50 Besucher verfolgten die zweistündige Sitzung, in der Vertreter des Staatlichen Bauamts Krumbach und der beteiligten Planungsbüros den Gemeinderäten Rede und Antwort standen. Mit zehn zu sechs Stimmen votierten die Kötzer dann für den Vorentwurf.
Bild: Irmgard Lorenz

Plus Kötzer Gemeinderäte haben viel Kritik an der geplanten Entlastungsstraße. Das zeigt der Beschluss mit zehn Ja- und sechs Nein-Stimmen.

Nicht alle Kötzer Gemeinderäte sehen eine Umgehungsstraße im Osten als befriedigende Lösung der Verkehrsprobleme in Großkötz, Kleinkötz und Ebersbach. Manche befürchten, wie Werner Wöhrle von den Freien Wählern, dass „ein erheblicher Anteil“ des Fahrzeugaufkommens vor allem in Ebersbach und Kleinkötz bleiben würde.

Er hält den Bau der Umfahrungsstraße für „eine Scheinlösung“ und lehnte ebenso wie Selina Ordosch, Thomas Wöhrle, Nikolaus Sauter, Roman Fritz (alle CSU) und Richard Lochbrunner (FW) die Planung für die Ostumfahrung ab, die das Staatliche Bauamt am Dienstag in einer von gut 50 Bürgern besuchten Gemeinderatssitzung vorgestellt hat. Zehn Ja-Stimmen gab es, sechs Ablehnungen. Im Kötzer Beschluss werden außerdem bestmöglicher Lärmschutz, bestmöglicher Ausgleich für Eingriff in die Natur und eine Flurbereinigung gefordert.

Bürgermeisterin von Kötz spricht sich für Osttrasse aus

Hatte Henrik Vosdellen, Abteilungsleiter für den Landkreis Günzburg am Staatlichen Bauamt Krumbach, zu Beginn der Sitzung die Ost-Umfahrung zwischen Legoland und Heubelsburg südlich von Ichenhausen als „sinnvoll für die ganze mittelschwäbische Region“ bezeichnet, so hieb die Kötzer Bürgermeisterin Sabine Ertle nach zweistündiger öffentlicher Beratung in dieselbe Kerbe. „Die Osttrasse würde die Teilung von Kleinkötz in zwei Hälften beenden und der Gemeinde Kötz eine große Entwicklungschance bieten“, sagte sie.

Zwischen diesen Statements lag etwa eine Stunde, in der Henrik Vosdellen die aktuelle Planung anschaulich beschrieb, auf die bis ins Jahr 1989 (Verkehrskonzept der Stadt Ichenhausen) zurückreichende Historie einer Verkehrsentlastung einging, ganz kurz den Kötzer Bürgerentscheid 1997 erwähnte, der die Planungen für die Westtrasse drei Jahre lang einfror, und auch erklärte, dass die Westtrasse im Günztal aus naturschutzfachlichen Gründen 2014 vom Bundesumweltministerium abgelehnt worden ist.

Dreistreifiger Ausbau im Norden der Osttrasse ist etwa 1,2 Kilometer lang

Die Osttrasse rückte also in den Fokus. Seit 2017 arbeitet das Staatliche Bauamt am detaillierten Entwurf, der jetzt die Entlastungsstraße noch weiter weg von den Siedlungen rückt, was für Kötz vor allem im Hinblick auf die Waldsiedlung und Ebersbach interessant ist. Die umstrittene Spange bei Kleinkötz entfällt. Dafür gibt es einen Vollanschluss zwischen der Firma Günz-Kompost und den Parkplätzen von Legoland, an die die Osttrasse dicht heranrückt, bevor sie in einer 169 Meter langen Brücke über das Winterbachtal führt.

Etwa 1,2 Kilometer lang ist der dreistreifige Ausbau im Norden der Osttrasse, der das Überholen auf der Richtung Südosten ansteigenden Straße erleichtern soll. Ansonsten gibt es auf der gut zehn Kilometer langen Strecke zwei Fahrstreifen mit 8,50 Metern Fahrbahnbreite. Die Fahrbahn soll auf dem Höhenrücken teilweise bis zu vier Meter tief gelegt werden (bisher 2,2 bis drei Meter), was laut Vosdellen dem Lärmschutz dient und sogar Lastwagen aus Blickrichtung Ebersbach optisch verschwinden lässt.

Gegenstimmen in Kötz kritisieren mangelnde Rücksicht auf Klimaschutz

Auf dem Höhenrücken lässt sich allerdings das Niederschlagswasser nicht versickern. Deshalb werden Regenrückhaltebecken nötig, aus denen das Wasser kontrolliert und gedrosselt in die Bäche geleitet wird. Das trägt ebenso wie Brückenbauten für Feldwege zusätzlich zur enormen Kostensteigerung bei. War bei der Linienbestimmung noch von geschätzten 38,3 Millionen Euro Kosten die Rede, so liegt die Kostenberechnung nach detaillierter Planung und Baugrunduntersuchung laut Vosdellen jetzt bei mehr als 100 Millionen Euro.

Ganz andere Kosten hatten die Gemeinderäte Werner Wöhrle und Richard Lochbrunner im Blick. Werner Wöhrle bemängelte, dass der Klimaschutz momentan zwar in aller Munde sei, bei den Plänen für die Ostumfahrung aber hintenan gestellt werde. Aspekte des Klimawandels seien in der Planung nicht berücksichtig, kritisierte auch Richard Lochbrunner. Für ihn als Landwirt sei der Landverbrauch – Lochbrunner sprach von 100 Hektar, Vosdellen von 54,47 Hektar dauerhaftem Flächenverbrauch – der „worst case“, also der schlimmste Fall. Für knapp elf Kilometer B16 neu „töten wir drei landwirtschaftliche Betriebe in Bayern“, sagte er, eine durchschnittliche Landwirtschaft umfasse etwa 30 Hektar.

Die Befürworter der Ortsumfahrung zeigten ihre Meinung vor der Günzhalle in Kötz
Bild: Irmgard Lorenz

In Ebersbach könnte die Verkehrsbelastung durch die Osttrasse steigen

Auch den Flächenverbrauch für Ausgleichsflächen sieht Lochbrunner mit Sorge. 16 Hektar Waldverlust müssen 1:1 ausgeglichen werden, allerdings laut Landschaftsökologin Kristin Weese vom Karlsruher Büro Anuva nicht unbedingt im Landkreis.

Vosdellen sprach außerdem von 75 Hektar Ausgleichsbedarf und sieben Hektar Ökofläche, wofür letztendlich dank multifunktionaler Ausgleichsflächen 49,59 Hektar reichen sollen. Er versicherte, dass die Planer dabei möglichst wenig landwirtschaftliche Fläche beanspruchen, sondern Restflächen aufwerten sowie produktionsintegrierte Maßnahmen und die ökologische Intensivierung von Forstflächen anstreben wollen.

Wenig Entlastung, sondern mehr Verkehr aus dem Kammeltal und aus Richtung Ichenhausen erwartet Thomas Wöhrle durch die Osttrasse im kleinsten Ortsteil Ebersbach. Der sei schon aktuell stark belastet, sagte Wöhrle und wies auf fehlende Radwege Richtung Limbach und Deubach und auf überfahrbare Gehwege hin: „Wir sind auf so etwas nicht vorbereitet!“ Auch 2. Bürgermeister Reinhard Uhl griff das Thema Radwege auf und schlug vor, an der Brücke über das Winterbachtal einen Radweg vorzusehen.

Verlegung der GZ5 bringt langfristig Lärmreduzierung

Deutlich wurde bei dieser nur dem einen Thema gewidmeten Gemeinderatssitzung auch, dass in Kötz nicht nur das Thema Umfahrung für eine Verkehrsentlastung wichtig ist. Michaela Hus nutzte die Gelegenheit, um nach Lärmschutzmaßnahmen für die Waldsiedlung zu fragen. In der Siedlung bleibe man ja im Bestand und durch die Verlegung nördlich der Siedlung würden die Grenzwerte der Bundeslärmschutzverordnung eingehalten, sagte Henrik Vosdellen, zudem bringe die Verlegung der GZ5 langfristig eine Lärmreduzierung. Wilhelm Weirather, Chef des Staatlichen Bauamts, stellte einen lärmreduzierenden Straßenbelag in Aussicht, den Thomas Wöhrle auch für die Anlieger an der Kleinkötzer Industriestraße gerne hätte, wenn diese zur Kreisstraße GZ5 wird.

Michael Seitz fragte außerdem nach Plänen, vor allem Großkötz vom überörtlichen Schwerlastverkehr aus Richtung Weißenhorn (unter anderem zum Postfrachtzentrum und zur Autobahnanschlussstelle Günzburg) zu entlasten. Behördenchef Weirather wies darauf hin, dass es sich bei der GZ5 ja um eine Kreisstraße handelt und der Landkreis „momentan überhaupt keine Planungen vorsieht“. Geduld könnte also auch da gefragt sein, ebenso wie beim Bau der Ostumfahrung.

Ende 2020, so hoffen die Vertreter des Staatlichen Bauamts, können sie die Unterlagen in fünf bis sechs gut gefüllten Ordnern an die Regierung von Schwaben reichen, die sie über das Bayerische Verkehrsministerium an das Bundesverkehrsministerium leitet. Wenn dann mit dem Planfeststellungsbeschluss eine Rechtsgrundlage geschaffen ist, gibt es eine Beteiligung aller Betroffenen mit Einwendung-und Klagemöglichkeit. Wie lange das dauert? „Mindestens fünf Jahre bis zum Bau“ rechnet Henrik Vosdellen.

Auch in Ichenhausen wurde bereits über die Osttrasse diskutiert:

Neue Pläne für die B16-Umfahrung in Ichenhausen vorgestellt: Anwohner machen Druck

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