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Interview

14.01.2019

BFV-Präsident Koch: „Alle Argumente sprechen für Futsal“

Saßen als Ehrengäste in der ersten Reihe: (von links) Fußball-Bezirkschef Johann Wagner, Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Monika Koch, BFV-Präsident Rainer Koch und der Ehren-Bezirksvorsitzende Volker Wedel. Koch und seine Ehefrau blieben bis zur Siegerehrung in der Rebayhalle.
Bild: Ernst Mayer

An der Basis ist das Format nach wie vor umstritten. Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands, Rainer Koch, spricht über die damalige Entscheidung und die Zukunft des Fußballs.

Das Turnier in Günzburg muss Ihnen ja ziemlich gut gefallen haben, Herr Koch. Im Vorfeld Ihres Besuchs hatte es geheißen, Sie würden mit Ihrer Ehefrau Monika auf einen Sprung vorbeikommen - letztlich sind Sie bis zur Siegerehrung in der Halle geblieben.

Koch: Ich bin immer daran interessiert, selbst zu erleben, wie sich der bayerische Fußball weiterentwickelt. Und dass ich nicht an Günzburg vorbeifahre, wenn ich mit meiner Frau von einem privaten Termin in Stuttgart komme, ist doch klar, das versteht sich von alleine. Ich war ja auch in schwierigeren Zeiten hier. Umso mehr freue ich mich, dass ich beim Hallenfußball in Schwaben wieder willkommen bin und auch keine Sicherheitsbegleitung benötige. Nein, Scherz beiseite: Es war schön, mit eigenen Augen zu sehen, dass die Halle voll ist. Vom Niveau war ich absolut angetan. Man spürte, dass die Mannschaften, die hier sind, alle Futsal spielen wollen und sich auch auf dieses Spiel mit all seinen Facetten einlassen.

Stichwort schwierige Zeiten: Anfang 2014 wurde zum ersten Mal ein schwäbischer Futsal-Meister ausgespielt. Sie wurden und werden bis heute teilweise massiv dafür kritisiert, dass Schwabens liebstes Winter-Hobby, der Hallenfußball mit Bande, von einem Jahr aufs andere keinen Wettbewerbsstatus mehr hatte.

Koch: Es ist nicht Aufgabe eines Verbandspräsidenten, für alle Entscheidungen La Olas zu bekommen. Es geht stattdessen darum, Führungsverantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig wirken. Richtig ist: Es war damals ein fundamentaler Einschnitt, was den Verbandswettbewerb in der Halle betrifft.

Der FC Gundelfingen hat die Endrunde der Schwäbischen Hallenfußball-Meisterschaft in der Günzburger Rebayhalle gewonnen. Im Endspiel siegten sie über die Mannschaft des TSV Meitingen.
137 Bilder
FC Gundelfingen ist Schwäbischer Hallenfußball-Meister
Bild: Ernst Mayer


Es war auch ein Schritt, der in Teilen der Fußball-Familie nachhaltig zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen geführt hat. So wundern sich viele Fans bis heute, wenn sie im Fernsehen den „alten“ Hallenfußball mit Bande sehen.

Koch: Mir war immer wichtig, auch klarzustellen, dass wir den Bandenfußball nie abgeschafft haben. Wir verbieten ihn nicht, schicken im Bayerischen Fußball-Verband sogar Schiedsrichter zu solchen Turnieren. Es ist aber nicht Aufgabe des BFV als Teil des DFB, der Uefa und der Fifa, Meisterschaften nach nicht anerkannten Spielregeln auszurichten. Aufgabe des Verbandes ist es stattdessen, den Wettbewerbsfußball zu organisieren. Und wir richten Wettbewerbe allein nach den Maßstäben aus, die weltweit gültig sind. Es geht also nicht darum, irgendetwas zu verdrängen, sondern es geht darum, jene Hallenfußball-Form, die weltweit im Wettbewerb gespielt wird, bei uns anzunehmen.

Wenn Sie sehen, wie sich der bayerische Hallenfußball unter Futsal-Regeln bis heute entwickelt hat: War es der richtige Weg?

Koch: Ich bin mehr denn je überzeugt, dass die Entscheidung „pro Futsal“ richtig war. Die sachlichen Argumente, die uns damals bewogen haben, finden auch immer mehr Befürworter. Aber die finale Antwort kann man vielleicht erst in zehn Jahren geben, wenn auch im Männerbereich nur noch Leute in den Hallen unterwegs sind, die nichts anderes kennen als Futsal.

An der Fußball-Basis kontrovers diskutiert wird ja nicht nur das Thema Hallenfußball. In Ihrer Zeit als BFV-Präsident gab es einige Neuerungen, die teilweise starke Emotionen und Reaktionen auslösten.

Koch: Wer in der Verantwortung steht, muss sich immer bemühen, dass die Zahl der Fehlentscheidungen möglichst klein bleibt. Ich denke an das Norweger-Modell: Das war und ist bei vielen umstritten, aber ohne die Möglichkeit, mit Neuner-Mannschaften zu spielen, wäre in manchen Regionen gar kein Amateurfußball mehr möglich. Ich denke an die Fairplay-Ligen. Oder auch an das Rückwechseln. Das waren allesamt Entscheidungen, die am Anfang nicht einfach waren, mittlerweile aber längst anerkannt sind.

Was glauben Sie: Wie wird sich der Hallenfußball mittelfristig entwickeln?

Koch: Die entscheidenden Fragen sind doch: Was ist für unsere Kinder der richtige Weg? Was ist für ihre spielerische Entwicklung am besten? Und wo liegt die Zukunft des Fußballs?

Ihre Antwort heißt Futsal?

Koch: Das ist eine Antwort von mehreren. Wenn wir den Fußball in die Schulen bringen wollen, müssen wir doch zusehen, es so einzurichten, dass das ganze Jahr über möglichst einfach - im Sinne von mit wenig Aufwand verbunden - gespielt werden kann. Dazu kommt die deutlich geringere Verletzungsgefahr. Und die spieltechnischen Entwicklungsmöglichkeiten. Alle Argumente sprechen für Futsal.

Lesen Sie hier: "Der Hallenfußball feiert in Günzburg seine Renaissance"

Lesen Sie hier: "Eine Liebeserklärung und ein neues Format für Futsal"

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