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Günzburg

27.04.2019

BKH-Werkfeuerwehr vor ungewisser Zukunft: Was das bedeutet

Die Werkfeuerwehr hat zu wenige Atemschutzgeräteträger.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Die Einheit des BKH in Günzburg hat zu wenig Personal beim Atemschutz. Deshalb muss die städtische Wehr mit ausrücken. Die Lage ist schwierig.

Um die Werkfeuerwehr des Bezirkskrankenhauses Günzburg steht es nicht gut. Das ist beim Besuch des Bezirkstagspräsidenten Martin Sailer und der Bezirksrätin Stephanie Denzler beim Kreisausschusses Günzburg des Bayerischen Beamten Bunds deutlich geworden. Dort wurde teils kritisch über das Betriebsklima im BKH gesprochen, es leide zunehmend unter der vorgegebenen Wirtschaftlichkeit, hatte ein langjähriger Mitarbeiter gesagt – und sogar die Werkfeuerwehr werde auf den Prüfstand gestellt (wir berichteten).

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Der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken, Thomas Düll, kann die Kritik nicht nachvollziehen, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Einen Zusammenhang zwischen der Wirtschaftlichkeit und Problemen der Feuerwehr herzustellen sei auch „blanker Unsinn“.

Auch Geldprämien haben bislang nichts gebracht

Vielmehr gehe es um Nachwuchsprobleme, wie sie alle Feuerwehren hätten. Seit zehn Jahren gebe es Schwierigkeiten. Viele Mitarbeiter seien eben in ihrem Heimatort bei der Feuerwehr und nur wenige nähmen die Doppelbelastung auf sich, auch beim Arbeitgeber in der Feuerwehr zu sein. Das Problem sei auch nicht die Gesamtzahl der Aktiven, sondern die der Atemschutzgeräteträger. „Die müssen immer parat sein, sie sind unverzichtbar.“

BKH-Werkfeuerwehr vor ungewisser Zukunft: Was das bedeutet

Es werde schon jeder, der neu im BKH anfange, gefragt, ob er sich der Werkfeuerwehr anschließe, auch Geldprämien seien ins Spiel gebracht worden. Aber bislang habe nichts geholfen. „Die Leute haben einen Arbeitsvertrag mit uns, nicht mehr. Wir können keinen zwingen.“ Jeder andere an seiner Stelle hätte diese Einheit längst aufgegeben, sagt Düll, unter seiner Führung werde sie so lange aufrecht erhalten, wie es irgendwie geht und sich noch jemand zur Verfügung stellt.

BKH-Chef Düll kritisiert den Beamten Bund

Aber: Es gebe für das BKH keine Pflicht, eine Werkfeuerwehr zu haben. Er sei sich sicher, dass sie sogar die einzige einer Klinik in ganz Schwaben sei. „Wir müssen sie nicht aufrecht erhalten. Es ist gut, dass es sie gibt, aber es gibt hier keinen Zwang.“ Formell sei sie noch eine Werkfeuerwehr, de facto aber nur noch eine Betriebswehr. Das bedeute, dass sie wegen des fehlenden Personals nicht mehr das Sagen vor Ort habe, sondern die Günzburger Feuerwehr mitalarmiert werde.

Düll hat wenig Lust, über das Thema zu sprechen – Zahlen, wie viele Atemschutzgeräteträger es in der Werkfeuerwehr noch gibt und wie viele Mitglieder insgesamt, will er beispielsweise nicht heraussuchen (lassen). Er verstehe die Diskussion nicht, zumal der Beamten Bund bislang nie auf ihn zugekommen sei und lieber Spekulationen anheize.

Nach Informationen unserer Zeitung schreibt das Bayerische Feuerwehrgesetz eine Mindestanzahl von vier Atemschutzgeräten vor, was zwei Trupps entspreche, die dreifach besetzt sein müssen; es geht um zwölf Atemschutzgeräteträger – die Werkfeuerwehr hat demnach allerdings derzeit nur die Hälfte.

Stadt: Werkfeuerwehr hat zentrale Rolle für Sicherheit in Klinik

Der Kommandant der Einheit verweist bei der Anfrage unserer Zeitung auf die Bezirkskliniken und den Günzburger Stadtbrandinspektor. Dieser will sich nicht äußern und nennt die Stadtverwaltung als Ansprechpartner. Dort heißt es, man stehe mit den betreffenden Stellen in Kontakt, „im Falle einer Auflösung müsste die örtliche Feuerwehr die entstehende Lücke schließen“. Die Sicherheit von Belegschaft, Patienten und Bürgern in den Bezirkskliniken müsse sichergestellt sein, betont Günzburgs Pressesprecherin Julia Ehrlich. „Hierfür übernimmt die Werkfeuerwehr eine zentrale Aufgabe in der wachsenden Einrichtung.“

In den kommenden Monaten werde die Stadt mit den Sicherheitsbehörden, der Regierung von Schwaben, den Bezirkskliniken und dem Landratsamt Gespräche führen. Die letztgenannte Behörde verweist wie auch die Stadt für Details an die Regierung von Schwaben als Aufsicht. Und dort teilt man auf Anfrage mit, weitere Gespräche mit den Beteiligten führen zu müssen. „Die eingeleitete Überprüfung ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt Sprecher Karl-Heinz Meyer.

Ein Luftbild des Bezirkskrankenhauses Günzburg, links oben grenzt die Kreisklinik an.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

1954 wurde die Einheit von der Regierung anerkannt

Die Werkfeuerwehr des BKH sei auf Antrag des Trägers 1954 von der Regierung anerkannt worden, es handele sich damit um eine freiwillige „und keine behördlich angeordnete Werkfeuerwehr“. Sie sei für den abwehrenden Brandschutz und den technischen Hilfsdienst auf dem Betriebsgelände zuständig, „entsprechend den gesetzlichen Regelungen des Bayerischen Feuerwehrgesetzes ist daneben bei Bedarf die gemeindliche Feuerwehr zur Hilfeleistung verpflichtet“. Außerhalb des Geländes dürfe die Werkfeuerwehr nur dann Hilfe leisten, wenn die eigenen Aufgaben auch dann noch erfüllt werden könnten.

Um genug Atemschutzgeräteträger bei Einsätzen zu haben, werde bis auf Weiteres bei Einsätzen im Bereich der Kliniken parallel die örtliche Feuerwehr alarmiert. Meyer betont, dass der rechtliche Status als Werkfeuerwehr noch bestehe, das setze für die Zukunft aber voraus, dass die nötige Zahl an Feuerwehrleuten auch auf Dauer nachgewiesen werden kann. Sie liege bei der dreifachen Besetzung einer Grupe, also 27 Feuerwehrleuten – nach Informationen unserer Zeitung sind es bei der BKH-Wehr 28.

Kreisbrandrat: Die Werkfeuerwehr hat "unschätzbare Ortskenntnis"

Für Kreisbrandrat Robert Spiller hat die Werkfeuerwehr jedenfalls eine sehr große Bedeutung, sie müsse unbedingt erhalten bleiben. Die dort Aktiven hätten „unschätzbare Ortskenntnisse“, es sei fast unmöglich, dass andere Einheiten diese ersetzen könnten. Schließlich gebe es hier mit den unterirdischen Verbindungsgängen, die einem Labyrinth gleichten, der Apotheke oder der Forensik auch einige Besonderheiten. Und es gehe hier um den Schutz von Patienten – der müsse an oberster Stelle stehen. So, wie sich die Werkfeuerwehr um Patienten kümmern könne, sei das für andere Einheiten nicht möglich. Hinzu komme, dass es im BKH viele Brandmeldeanlagen gebe. Wenn die anschlagen, müsse schon jetzt wegen des fehlenden Personals immer die Günzburger Feuerwehr mit ausrücken, was Ressourcen binde.

Wie Spiller sagt, gebe es im Landkreis nur wenige Werkfeuerwehren, außer beim BKH beim Atomkraftwerk Gundremmingen, der Firma BWF in Offingen, der Firma Arkema in Günzburg, beim Trailer-Hersteller Kögel in Burtenbach und dem Domininikus-Ringeisen-Werk in Ursberg. Hinzu kommen zwei freiwillige Betriebsfeuerwehren bei der Chemie-Fabrik Bucher in Waldstetten und dem Automobilzulieferer Borgers Süd in Krumbach.

Für die Kreisklinik spielt die Einheit keine Rolle

Für die Kreisklinik Günzburg, die direkt neben dem BKH liegt, spielt die Werkfeuerwehr übrigens keine Rolle, sagt Vorstand Volker Rehbein. Denn für sie sei einzig und allein die städtische Wehr zuständig.

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